Adventsserie Teil 3

Lichter im Advent: Diese Dinge bereiten Westallgäuern Freude

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand (Symbolfoto)

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand (Symbolfoto)

Wegen Corona ist in diesem Advent vieles anders. Es ist mehr Zeit für die wesentlichen Dinge. Westallgäuer teilen mit uns, was ihnen im Advent Freude bereitet.
20.12.2020 | Stand: 07:00 Uhr

Ein Advent ohne Märkte, Konzert und Krippenspiel: Viele vorweihnachtliche Traditionen und Rituale bleiben den Menschen wegen der Pandemie verwehrt. Darum möchte die Heimtazeitung bis Weihnachten täglich „Kleine Lichter im Advent“ entzünden und hat verschiedene Westallgäuer gebeten, gute Gedanken, Impulse, Erlebnisse und Ideen mit den Leserinnen und Lesern zu teilen.

Wie wichtig es ist, sich Zeit zu nehmen

Advent bedeutet für Dietmar Kaiser mehr als nur Einkaufen und Weihnachtsmarkt.
Advent bedeutet für Dietmar Kaiser mehr als nur Einkaufen und Weihnachtsmarkt.
Bild: Claudia Goetting

Dietmar Kaiser, Bademeister und Bauhofmitarbeiter in Weiler, hat einen besonderen Blick auf den Advent: „Nicht der Weihnachtsmarkt oder das Einkaufen macht für mich den Advent aus, sondern das Verbundensein mit den Menschen, die einem wichtig sind.“ Darum pflegt er sehr bewusst Beziehungen. „Wir können uns mit den Nachbarn austauschen und mit Freunden telefonieren, zuhören, auch mal Videotelefonie machen“, sagt er. „Sicher möchte man auch mal jemanden in den Arm nehmen. Aber Nähe geht auch mit Worten.“

Dietmar Kaiser und sein Mann sind gern draußen in der Natur, sie genießen ausgiebige Spaziergänge. „Solange wir gesund sind, haben wir alles.“ Wie schwierig es auch sein kann, weiß Kaiser von seinen Schwiegereltern, die auf Zypern leben. „Bei denen ist totaler Lockdown. Sie dürfen nicht vor die Haustür, und wenn sie einkaufen wollen, müssen sie sich anmelden.“

Kaiser erlebt die Gesellschaft insgesamt als sehr schnelllebig. „Angefangen vom Verkehr bis zum Freibad. Wenn die Kinder ins Freibad gebracht werden – mit welcher Geschwindigkeit das abläuft“, wundert er sich und überlegt manchmal: „Was tun wir hier eigentlich?“ Nach dem ersten Lockdown hätte er von anderen Leuten ähnliche Gedanken gehört. Wie wichtig es ist, sich mehr Zeit zu nehmen. „Das mal wieder zu spüren, war gar nicht so schlecht.“ Kaiser ist der Meinung: „Wir werden nicht zufriedener, wenn wir immer auf das schauen, was wir nicht haben.“

Jeden Tag jemanden anrufen

Ein Adventskalender hilft, Kontakt zu halten, findet Bert Schädler.
Ein Adventskalender hilft, Kontakt zu halten, findet Bert Schädler.
Bild: Daniel Boscariol

Bert Schädler, Vorsitzender des Seniorenbeirats im Landkreis Lindau, hält es in Zeiten der Pandemie für wichtig, positiv zu denken – soweit das möglich ist. „Wir können zwar nicht alles machen, haben aber noch Möglichkeiten, Schönes zu erleben.“ Was ihm am meisten abgehe, sei der Kontakt zu anderen Menschen. Darum hat sich seine Frau Conny einen besonderen Adventskalender ausgedacht. Auf 24 Zettel hat sie eine oder mehr Telefonnummern von Bekannten und Freunden geschrieben. „Wir ziehen jeden Tag einen Zettel und rufen dort an. So bleiben wir in Kontakt“, sagt Bert Schädler.

Die durch die Corona-Einschränkungen gewonnene Zeit nutzen die Schädlers für mehr Sport, „damit wir körperlich und geistig einigermaßen fit bleiben“. Sie haben sich beim Programm „Fit bis 100“ des Diagnostikzentrums angemeldet, das individuelle Trainingspläne ausgearbeitet hat. Auch Bewegung im Freien tut gut, sagt Bert Schädler. „Man sieht viel Schönes, was man zuvor vielleicht gar nicht beachtet hat.“ Mit etwas Wehmut denkt der Röthenbacher an die Weihnachtskonzerte des Männerchors in der Waldorfschule Wangen zurück. „Das war für mich immer eine wunderbare Einstimmung in den Advent.“ In diesem Jahr tröstet er sich mit der Männerchor-CD.

Wichtig ist es Bert Schädler, Kontakt zu halten mit den Seniorenbeauftragten der Gemeinden. „Ich habe ihnen vor zwei Wochen ein Rundschreiben geschickt, damit sie wissen, sie können sich immer melden, wenn etwas ist.“

Märchen tun gut in Krisenzeiten

Vorlesen in der Familie hilft, Unsicherheiten zu verarbeiten, sagt Gisela Dobler.
Vorlesen in der Familie hilft, Unsicherheiten zu verarbeiten, sagt Gisela Dobler.
Bild: Claudia Goetting

Gisela Dobler, Mitarbeiterin der Stadtbücherei Lindenberg und Künstlerin, bedauert sehr, dass die Vorlesestunden in der Bücherei ausfallen. Als Trost hat die Stadtbücherei kleine Märchenlesungen gedreht und auf ihre Internetseite gestellt. „Das können die Kinder daheim anschauen.“ Am Nikolausabend gab es „Der goldene Schlüssel“, und zwei weitere Geschichten sind für den Advent vorbereitet. „Natürlich ist das nur ein magerer Ersatz für das wirkliche Gegenübersein“, sagt Gisela Dobler.

Darum empfiehlt sie den Familien, daheim die Zeit zu nutzen und die alten Märchenbücher rauszuholen.“ Dobler ist überzeugt: „Märchen öffnen die Tür zum eigenen Ich und können auch in Krisenzeiten helfen, die Unsicherheit zu verarbeiten.“ Von Märchenfiguren könne man lernen, dass sich Probleme mit Mut und Geduld lösen lassen. „Und meist gehen die Geschichten gut aus.“ Die eigentliche Botschaft der Märchen formuliert Dobler so: „Du bist nicht allein. Probleme gibt es für alle Menschen und zu allen Zeiten.“ Wie hilfreich Märchen sind, hat sie kürzlich erfahren, als sie im Radio einen Märchenerzähler hörte. „Ich habe gespürt, das tut mir gut.“

Größere Kinder möchte Dobler ermutigen, selbst Geschichten zu erfinden. „Dabei können sie einiges verarbeiten.“ Diese Erfahrung macht sie selbst. „Ich mache für mich persönlich Corona-Bücher, wo ich Bilder, Schlagzeilen und alles Mögliche ausschneide und Collagen gestalte. So verschaffe ich mir Abstand von dem ganzen Thema.“

Gute Ideen sind gefragt – digital und analog

Bei Richard Lurz tauschen sich Kinder per Skype aus und finden Adventliches in Fenstern.
Bei Richard Lurz tauschen sich Kinder per Skype aus und finden Adventliches in Fenstern.
Bild: Ingrid Grohe

Richard Lurz engagiert sich in verschiedenen Bereichen, etwa im Elternbeirat von Schule und Kita, im TSV Heimenkirch und bei Kindergottesdiensten im Missionshaus Mellatz. Weil mit

Covid-19 in vielen Bereichen das Ehrenamt fast oder ganz zum Erliegen gekommen ist, probiert er gemeinsam mit seiner Frau Daniela andere Wege aus. „Einerseits, um eine Alternative zu unseren Aktivitäten wie Kindergottesdienst in Mellatz zu suchen. Andererseits, um selbst Neues zu entdecken.“

Das Ehepaar Lurz ist auf viele Webinare gestoßen und hat einige ausprobiert: eine Online-Konferenz der Naturschutzorganisation „Plant for the Planet“ etwa und „Die Hummel und ihr Lebensraum“. Richard Lurz findet diese Angebote gut. „Freie Zeit ist ja plötzlich da.“ Er hat aber auch selbst ein neues Format gestartet: einen Austausch von Kindern zwischen neun und zwölf Jahren im „Kid´s Club“. Jeden Donnerstag hält Richard Lurz gemeinsam mit seinem Sohn Lorenz diesen Austausch über Skype ab.

Angepasst an die Corona-Situation haben sich Richard und Daniela Lurz auch ein Adventsangebot für Heimenkircher Kinder ausgedacht – und zwar ganz analog. Sie gestalten mit einer anderen Mama Fenster am Paul-Bäck-Haus mit Impulsen für Familien mit Kleinkindern. Jeweils an den Adventssonntagen finden die Kleinen passende Themen. Das kann ein Lied sein, ein Teil der Weihnachtsgeschichte, ein Gebet oder ein Suchspiel.

Es tut gut, auch mal zurück zu schauen

Bei Arthur Prinz rücken in dieser Zeit rücken ganz andere Dinge in den Blickwinkel.
Bei Arthur Prinz rücken in dieser Zeit rücken ganz andere Dinge in den Blickwinkel.
Bild: Hermann Schuhen

Arthur Prinz, Vorsitzender der Musikkapelle Röthenbach, wäre um diese Jahreszeit eigentlich mittendrin im Geschehen: Das „Klosefescht“ hätte die Musikkapelle gerade hinter und das Neujahrsblasen vor sich. Anders im Jahr 2020. „Jetzt ist der Terminkalender leer“, sagt der 60-Jährige – für ihn eine neue Erfahrung. Natürlich fehlen ihm die Musik und die Kameradschaft in der Kapelle. Doch zugleich rücken andere Dinge in den Blickwinkel. „Ich sehe plötzlich die vorweihnachtliche Dekoration unseres Hauses, innen wie außen, ganz anders“, sagt Prinz. Er blättert zur Zeit öfter in Fotoalben, die Erinnerungen wachrufen: an zwei Reisen nach Kanada oder die besonderen Tage in Berlin, als Gestratz die Goldmedaille im Dorfwettbewerb abgeholt hat. Es tut gut, auch mal zurückzuschauen und nicht immer nur nach vorn.

Wertvoll ist ihm die gewonnene Zeit: „Für meine Mutter, aber auch für meine drei Enkelkinder.“ Zeit zum Spielen, aber auch Zeit zum Helfen. Seinem Sohn ist er beim Ausbau des Dachbodens zur Hand gegangen. „Ein freier Samstag für so etwas. Das habe ich nicht gekannt.“

In diesem Advent verpasst Arthur Prinz nichts. Denn „da draußen“, da findet jetzt nichts statt. Und so erhält er einen Vorgeschmack auf eine Lebensphase, in der er der Musikkapelle nicht mehr vorstehen wird. Normalerweise wollte er den Vorsitz schon 2020 abgeben. Aber dieses Jahr ist eben nicht normal.

Ein Ritual für ruhige und besondere Tage

Barbara Reichart startet mit hoffnungsvollen Ideen und 13 Wünschen ins neue Jahr.
Barbara Reichart startet mit hoffnungsvollen Ideen und 13 Wünschen ins neue Jahr.
Bild: Matthias Becker

Barbara Reichart, Mitglied im Vorstand des Vereins „Dorfaktionskreis Heimenkirch“, versucht, in verschiedensten Situationen des Lebens das Positive zu sehen. Momentan denkt sie viel an früher. „Die Winterzeit war die Zeit der Ruhe, nachdem die Menschen im Frühjahr, Sommer und Herbst gearbeitet und geerntet hatten“ sagt sie. Das sei heute anders: „Die Menschen arbeiten durch.“ Der Advent 2020 könne dazu anregen, zu dieser Ruhe zurückzufinden. „Wir alle können sie gut gebrauchen, um uns zu fragen, was wir brauchen und wohin wir uns entwickeln möchten.“

In ihrer Praxis für Frauenheilkunde legt Barbara Reichart den Frauen ein Ritual für die nächste Zeit ans Herz: „Am 21. Dezember, zur Wintersonnenwende, schreibt man 13 Wünsche auf 13 kleine Zettel. Wünsche für mich, für meine Familie, für die ganze Welt“, erklärt sie. Zu den zwölf Rauhnächten, also zwischen 25. Dezember und 5. Januar, verbrenne man jeden Tag einen der zusammengefalteten Zettel und übergebe damit den Wunsch an Gott oder andere Kräfte, an die man glaubt. Am 6. Januar ist ein Zettel übrig. „Den darf man aufmachen und sich selbst um das Anliegen kümmern“, sagt Barbara Reichart.

Sie selbst nutzt die Zeit gegen Ende des Jahres, um Ideen und Pläne zu schmieden, etwa zum Gemeinwohlgarten in Heimenkirch. „Einfach Dinge, die Hoffnung für die Zukunft bringen.“