Adventsserie Teil 4

Lichter im Advent: Diese Dinge bereiten Westallgäuern Freude

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolbild)

"Lichter im Advents" erzählt von den kleinen Freuden der Westallgäuer in der weihnachtlichen Zeit.

Bild: Karl-Josef Hildenbrand, dpa (Symbolbild)

Wegen Corona ist in diesem Advent vieles anders. Es ist mehr Zeit für die wesentlichen Dinge. Westallgäuer teilen mit uns, was ihnen im Advent Freude bereitet.
25.12.2020 | Stand: 12:00 Uhr

Ein Advent ohne Märkte, Konzert und Krippenspiel: Viele vorweihnachtliche Traditionen und Rituale bleiben den Menschen wegen der Pandemie verwehrt. Darum möchte die Heimtazeitung bis Weihnachten täglich „Kleine Lichter im Advent“ entzünden und hat verschiedene Westallgäuer gebeten, gute Gedanken, Impulse, Erlebnisse und Ideen mit den Leserinnen und Lesern zu teilen.

Eine gute Zeit, um „das Leben aufzuräumen“

Joseph Bastin geht mit Chansons und Lichterbögen durch den Advent.
Joseph Bastin geht mit Chansons und Lichterbögen durch den Advent.
Bild: Verein Freunde statt Fremde

Joseph Bastin, Vorsitzender des Flüchtlingshilfsvereins „Freunde statt Fremde“, pflegt gemeinsam mit seiner Frau Jana auch in diesem Jahr viele Adventsrituale wie sonst. Die Bastins haben Plätzchen gebacken und in ihre Fenster Schwippbögen gestellt. Das sind hölzerne Lichterbögen aus dem Erzgebirge, der Heimat von Jana Bastin.

Joseph Bastin ist zur Zeit damit beschäftigt, „das Jahr aufzuräumen“, wie er es nennt. „Ich lese das, wozu ich nicht gekommen bin, und lasse Revue passieren, was war.“ Auch sortiert Bastin die Fülle an Unterlagen und Informationen, die er das Jahr über sammelt. „Ich bin ein Informationsjunkie“, sagt er lachend. „Aber nicht alles ist wichtig. Jetzt versuche ich, mich zu fokussieren, und schaue, was mir wichtig ist und was nicht.“ Normalerweise tut er das zwischen Weihnachten und Neujahr. „Jetzt habe ich schon früher Zeit. Das tut gut – und lenkt mich auch ein bisschen ab.“ Der Kontakt zu den Kindern und Enkelkindern fehle ihm schon, räumt er ein. Bastin hat sie schon monatelang nicht mehr gesehen. Austausch pflegen sie über verschiedene Kanäle, auch Whatsapp und manchmal Skype.

Freude schöpft Joseph Bastin aus kulinarischen Genüssen, aus Büchern – „Ich habe mir einen Vorrat zugelegt“ – und aus Musik. In jüngster Zeit hat er die Musik seiner Jugend entdeckt. „Als geborener Belgier mag ich die französischen Chansonniers“, sagt er und freut sich: „Für solche Dinge hat man wieder mehr Zeit.“

Optimistisch auch in der Quarantäne

Schwierige Zeit bietet die Chance, bewusst auf Wesentliches zu schauen, findet Lieselotte Häge.
Schwierige Zeit bietet die Chance, bewusst auf Wesentliches zu schauen, findet Lieselotte Häge.
Bild: Lieselotte Häge

Lieselotte Häge, Leiterin der Laubenbergschule Argental, erlebt im Jahr 2020 in vielerlei Hinsicht einen seltsamen Advent: Erst war sie einige Tage in Quarantäne aufgrund des Kontaktes mit einer infizierten Person, dann überraschte der Lockdown die Schulen wenige Tage vor den Weihnachtsferien. Lieselotte Häge lässt sich davon nicht entmutigen, im Gegenteil: „Da in mir immer schon die optimistische Christin überwog, bin ich überzeugt, dass schwierige Zeiten immer auch eine Chance sind und uns bewusster auf das Wesentliche schauen lassen.“

In Augen von Lieselotte Häge sind das „die Mitmenschlichkeit und das Füreinander-Dasein“. Der Mensch sei es gewohnt, in Gemeinschaften leben zu dürfen. Umso herausfordernder erlebte sie die Quarantänezeit. „Das verantwortliche Fernbleiben von meiner Arbeitsstelle, meinem Bekanntenkreis und sogar von meiner Familie.“ Sie hat das Beste daraus germacht: Nach dem täglichen Homeoffice bastelte sie aus bunt bemalten Konservendosen und Bambusröhrchen Nisthilfen für Wildbienen. „Mit einem schönen Band eigenen sie sich auch als preiswertes und sinnvolles Weihnachtsgeschenk.“

In diesem Advent hat Lieselotte Häge besondere Freude am Zusammensein mit der Familie. Dann genießt sie die selbst gebackenen Plätzchen ihrer Tochter und das Flötenspiel der Enkelin.

Musik hilft, Ruhe und Ordnung zu schaffen

Auch afrikanische Krankenhäuser geben viele Lichtblicke, berichtet Bruder Jesaja Sienz.
Auch afrikanische Krankenhäuser geben viele Lichtblicke, berichtet Bruder Jesaja Sienz.
Bild: Sienz

Bruder Jesaja Sienz, Leiter des St. Benedict Hospital in Ndanda, Tansania, gibt vor allem die Musik Kraft im Advent des Corona-Jahres. Der aus Scheidegg stammende Arzt ist Ordensmitglied der Benediktiner. Besonders angetan haben es ihm gregorianische Gesänge. Mit ihren lateinischen Texten besitzen diese einstimmigen Gesänge eine lange Tradition in der katholischen Kirche. „Im Alltag, der auch in Afrika oft hektisch und immer unberechenbar ist, schaffen sie Ruhe und Ordnung“, sagt Sienz über die Gesänge. „Aber auch im Alltag erlebe ich viele Lichtblicke.“ Auf der neuen Intensivstation des Krankenhauses können er und seine Kolleginnen und Kollegen fast täglich Leben in einem von Armut geplagten Land retten.

Erst kürzlich schickte Sienz eine Patientin nach Hause, die zuvor „dem Tod schon ganz nahe war“, wie Sienz sagt. Nach wenigen Stunden intensivmedizinischer Behandlung war die Patientin wieder wach und konnte selbstständig das Bett verlassen. „Ähnliches gilt für die Dialysepatienten, deren Zahl bei uns von Tag zu Tag zunimmt“, sagt der Arzt.

Die Neuerungen am Krankenhaus, die eine bessere Gesundheitsversorgung in Tansania ermöglichen, sind ausschließlich spendenfinanziert. Die Gelder kommen unter anderem auch aus dem Westallgäu: Die Erlöse eines Scheidegger Geschäfts für nachhaltige und fair gehandelte Produkte beispielsweise gehen an die Einrichtung.

Kein Weihnachtsfest ohne Lieder

Michael Spiegel entdeckt in diesem stillen Advent die Freude am Singen wieder.
Michael Spiegel entdeckt in diesem stillen Advent die Freude am Singen wieder.
Bild: Michael Unseld

Michael Spiegel, Kirchenmusiker, Kreischorleiter des Bodenseesängerkreises und Leiter des Opfenbacher Notencocktails, freut sich über jede Situation, in der musizieren noch möglich ist. Diese Gelegenheiten sind allerdings rar. „Sogar das Singen in der Kirche ist jetzt verboten.“ Lediglich als Gruppe von vier Sängern sei das erlaubt.

Weil Weihnachten ohne Gesang für Spiegel nicht denkbar ist, hofft er, dass viele Menschen das Singen daheim unterm Christbaum wieder entdecken. „Vielleicht findet sich in manchem Schrank ein altes Weihnachtsliederbuch oder sogar ein Instrument.“ Die besonders ruhige Weihnachtszeit 2020 könnte doch Anlass sein, sich damit mal wieder zu befassen.

Singen macht Spaß, es ist gesund, und jeder kann es, ist Spiegel überzeugt. Ungeübten rät er, keine hohen Lieder anzustimmen. Leicht zu singen seien etwa „O du fröhliche“, „Süßer die Glocken nie klingen“ und „Leise rieselt der Schnee“. Auch Kinderlieder wie „Ihr Kinderlein kommet“ seien für alle gut geeignet. „Am besten, man singt Lieder, die man von früher her im Ohr hat.“

Wer keine Liederbücher daheim hat, findet Texte und meist auch die Melodien im Internet. Es können also alle Menschen Weihnachten musikalisch gestalten. Sich nicht zu getrauen, gilt als Ausrede nicht, findet Michael Spiegel. „Ich sage meinen Sängern, wenn sie etwas nervös sind: Wir sind ja unter uns.“ Wer ganz scheu sei, könne auf Youtube einfache Lieder suchen und einfach mitsingen. „Dann hat man sogar eine Begleitung.“