Ausstellung in Lindenberg

Lindenberg begrüßt ein neues Künstler-Kollektiv im Hutmuseum

Ausstellung

Fast alle Mitglieder des Atelier K4 sind an der Ausstellung in der Kulturfabrik beteiligt. Bei der Vernissage gruppierten sie sich auf der Treppe des Ausstellungsraums; rechts im Bild Ateliergründerin Ragela Bertoldo.

Bild: Ingrid Grohe

Fast alle Mitglieder des Atelier K4 sind an der Ausstellung in der Kulturfabrik beteiligt. Bei der Vernissage gruppierten sie sich auf der Treppe des Ausstellungsraums; rechts im Bild Ateliergründerin Ragela Bertoldo.

Bild: Ingrid Grohe

Westallgäuer Holzskultpuren und moderne Installationen: Die Kulturfabrik Lindenberg präsentiert eine wirkungsvolle Vielfalt aus der Ateliergemeinschaft K4.
22.09.2021 | Stand: 11:00 Uhr

„Nice to meet you“ heißt die neue Ausstellung in der Kulturfabrik. Während die Begrüßungsfloskel im englischen Sprachraum oft so schnell und gedankenlos dahingesagt wird wie hierzulande der Spruch „Alles gut?“, ist er in Lindenberg durchaus wörtlich gemeint.

Die Kulturfabrik begrüßt damit einerseits Kunstfreundinnen und -freunde in ihren Ausstellungsräumen. Darüber hinaus heißt mit diesen Worten Lindenberg die Ateliergemeinschaft K4 willkommen, die sich neu in der Stadt angesiedelt hat und jetzt in der Sonderschau des Hutmuseums einen Querschnitt zeigt. „Nice to meet you“: Ausgesprochen herzlich klang dieser Satz aus dem Munde von Kulturamtsleiterin Kathrin Felle bei der Vernissage. Es war – nach schwieriger Corona-Zeit – die erste seit fast zwei Jahren.

Ateliergemeinschaft K4 findet urbanen Raum für Ausstellung in Lindenberg

In einer ehemaligen Kartonagenfabrik in der Lindenberger Bismarckstraße hat Ragela Bertoldo, die die Ateliergemeinschaft leitet, einen neuen Raum gefunden, nachdem die vorige Heimstätte, das Karg-Haus in Heimenkirch, nicht mehr zur Verfügung stand. Bertoldo hatte einige Städte in der Region angesprochen und war erstaunt über das aufrichtige Interesse von einigen Stadtvertretern. Dass sie mithilfe des Lindenberger Bürgermeisters Eric Ballerstedt und des Citymanagers Sascha Schmid Kontakt zu den Besitzern gewerblicher Räume in Lindenberg erhielt und mit diesen schließlich einig wurde, freut die rührige Künstlerin riesig. Für die 17 Künstlerinnen und Künstler umfassende Gemeinschaft K4 sei das „der Idealfall“, sagt sie.

Kulturamtsleiterin Kathrin Felle sieht das ähnlich – und zwar aus Sicht der Stadt. Das in der Kartonagenfabrik liebevoll eingerichtete Gemeinschaftsatelier nimmt sie als „etwas wirklich Städtisches“ wahr, als „urbanen Raum“, in dem kreativer Austausch stattfindet. Gemeinsam mit Angelika Schreiber, Leiterin des Deutschen Hutmuseums, hat sich Felle im neuen Atelier umgeschaut, um Exponate für die Willkommensausstellung auszuwählen. Die beiden Kulturfrauen stießen auf eine Vielfalt künstlerischer Ausdrucksformen und auf eine Vielzahl qualitätvoller Arbeiten. Etwa zwei Dutzend Werke von 15 Kunstschaffenden präsentieren sie nun ansprechend im nüchternen Ambiente der ehemaligen Hutfabrik.

Abstrakte Skulpturen und Alltägliches: So präsentieren sich die Westallgäuer Künstlerinnen

Der „Franzl“ begrüßt an der Eingangstür der früheren Fabrikhalle. Die von der Bildhauerin Veronika Wucher aus Eichenholz geschaffene Büste zeigt ihren Vater, der mit freundlich-verschmitztem Lächeln die Besucher zu beobachten scheint. „Nice to meet you“ würde der „Franzl“, ein Allgäuer Bauer, zwar eher nicht sagen – es aber ganz gewiss meinen angesichts der interessierten und neugierigen Gäste.

Die Skulptur "Franzl" von Veronika Wucher aus Eichenholz gefertigt.
Die Skulptur "Franzl" von Veronika Wucher aus Eichenholz gefertigt.
Bild: Thomas Gretler

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Weit weniger konkret als dieses Porträt sind drei filigrane Skulpturen von Lisa Niedermayer. Aus Draht lässt die Heimenkircherin Körper entstehen, die bei Betrachtern Assoziationen wecken: Eine Form schraubt sich wie ein Turm in die Höhe, eine andere bläht sich wie ein Ballon auf und nimmt Besitz vom Raum. Überzogen mit pinkfarbenem Lack erinnert die dritte, dynamische Figur an einen temperamentvollen Tanzschritt, der einen Rock zum Leben erweckt.

Aus alltäglichen Dingen und Beobachtungen hat die in Weiler lebende Cordula Haasis unter dem Titel „Tricky Films“ witzige und zugleich vieldeutige Videoarbeiten entwickelt. Sie lässt Saugglocken tanzen und zu neuen Gegenständen und ein Gehirn mit einem Vogel verschmelzen, während ein übervoller Kopf die skurrilsten Formen annimmt. „Meine Arbeiten sind geistige Notwehr und ein möglicher Fluchtweg aus dem Unvermeidbaren“, sagt die Künstlerin. Von diesem Unvermeidbaren erzählt sie in ihren Filmen mit großer Poesie.

Vielfältige Ausstellung im Hutmuseum Lindenberg mit Fotografien, Installationen und Malereien

In ein Museum der Zukunft entführt die Amtzellerin Ulrike Hüppeler die Ausstellungsbesucherinnen. Vor ihrem Ölgemälde „Station 2“ stehend wähnen sie sich in einem nackten, dunklen Raum, den eine riesige Glasscheibe beherrscht. Ein Kind betrachtet das Exponat dahinter: die Natur. Waldlandschaft, Büsche, Sträucher, umgestürzte Bäume. An der Hand des Kinds baumelt ein Teddy, während aus dem Terrarium ein Bär herausschaut. Die Grenze zwischen Mensch und Natur scheint unüberwindbar.

Fast so realistisch wie eine Fotografie wirkt das Ölbild „Station 2“ von Ulrike Hüppeler. Die Amtzeller Künstlerin wurde im Herbst 2019 mit dem Westallgäuer Kunstpreis im Rahmen der Westallgäuer Kunstausstellung geehrt.
Fast so realistisch wie eine Fotografie wirkt das Ölbild „Station 2“ von Ulrike Hüppeler. Die Amtzeller Künstlerin wurde im Herbst 2019 mit dem Westallgäuer Kunstpreis im Rahmen der Westallgäuer Kunstausstellung geehrt.
Bild: Thomas Gretler

Über die genannten Werke hinaus präsentiert sich das Künstler-Kollektiv K4 in der Kulturfabrik mit einer reizvollen Mischung aus Lithografien, Fotokunst, Zeichnungen, Installationen und Malerei in unterschiedlichen Techniken und Stilen. Die Kuratorinnen Kathrin Felle und Angelika Schreiber fanden im Ausstellungsraum für jedes Exponat den Ort, an dem es Wirkung entfaltet und die Gäste anspricht.

Geöffnet ist die Gruppenausstellung bis zum 10. Oktober von Dienstag bis Sonntag, 9.30 Uhr bis 17 Uhr.

So funktioniert die Ateliergemeinschaft K4 aus dem Westallgäu

  • Zum Atelier K4 in der Lindenberger Bismarckstraße 15 zählen sich 15 Künstlerinnen und zwei Künstler aus dem Westallgäu und Umgebung.
  • Von den Mitgliedern haben elf einen Arbeitsplatz in den Räumen in der Bismarckstraße. Die externen Künstlerinnen nutzen das Atelier zum Austausch und zur gegenseitigen Anregung.
  • Die Mitglieder des Ateliers (die Externen sind mit E gekennzeichnet): Ragela Bertoldo aus Lindenberg/Winterthur, Christa Maria Marschall aus Lindau, Maria Prinz aus Amtzell, Lisa Niedermayer (E) aus Heimenkirch, Cordula Haasis (E) aus Weiler, Marie-Luise Anten-Dittmar aus Grünenbach, Veronika Wucher aus Heimenkirch, Ulrike Hüppeler aus Amtzell, Christoph Socher aus Lindenberg, Gabriele Heller (E) aus Lindenberg, Anna Kulka aus Weiler, Jenny Fässler-Obermeyer aus Oberstaufen, Kaj Stöckeler aus Lindenberg, Ingeborg Schiele-Roth (E) aus Lindenberg, Ute Tapper-Göhl (E) aus Augsburg, Steffi Schneider (E) aus Wangen, Constanze Funke aus Tettnang.