Bis zu 8200 Euro auf die Hand

Lindenberg bezuschusst private Sanierungen - Unter diesen Voraussetzungen

Auch das Café Herberger in Lindenberg hat schon von dem Förderprogramm profitiert. Das Gebäude wurde 2020 saniert.

Auch das Café Herberger in Lindenberg hat schon von dem Förderprogramm profitiert. Das Gebäude wurde 2020 saniert.

Bild: Benjamin Schwärzler

Auch das Café Herberger in Lindenberg hat schon von dem Förderprogramm profitiert. Das Gebäude wurde 2020 saniert.

Bild: Benjamin Schwärzler

Die Stadt Lindenberg bezuschusst private Sanierungsmaßnahmen, die das Ortsbild verschönern. Doch nur die wenigsten wissen davon. Das sind die Voraussetzungen
25.01.2021 | Stand: 18:00 Uhr

Eine typische Allgäuer Schindelfassade, schmucke Sprossenfenster, besondere Dachziegel oder ein schmiedeeisernes Treppengeländer am Hauseingang: Elemente wie diese verleihen einem Gebäude Charakter und tragen so zur Verschönerung des Ortsbildes bei. Ein solches ist auch das Stadt Lindenberg wichtig. „Wir haben im Vergleich zu Weiler oder Scheidegg verhältnismäßig wenige alte Häuser. Uns ist sehr daran gelegen, diese historische Umgebung zu erhalten“, sagt Stadtbaumeisterin Marlen Walser. Weil die Stadt das aber nicht allein tun kann, bezuschusst sie private Sanierungsmaßnahmen, die dazu beitragen. Im Einzelfall winken bis zu 8200 Euro – ein schöner Anreiz.

40000 Euro in den letzten drei Jahren

Dieses Förderprogramm bietet die Stadt schon seit 20 Jahren an. Im Haushalt steht dafür ein festes Budget bereit. Allein in den ersten drei Jahren sind 40 000 Euro ausbezahlt worden. Im aktuellen Haushalt stehen sogar 28 000 Euro zur Verfügung, nachdem 2019 und 2020 so gut wie gar nichts abgerufen worden war. „In den letzten beiden Jahren hat es etwas stagniert, weil wir zwischendurch keinen Sanierungsberater hatten“, sagt Walser. Inzwischen ist der Posten durch die Lindenberger Architektin Eva Rudolph wieder besetzt. „Sie hat schon einige historische Gebäude in der Stadt saniert“, sagt Walser. Deshalb will die Verwaltung das Förderprogramm wieder anschieben und den privaten Hausbesitzern schmackhaft machen.

„Wir wollen einen Anreiz schaffen, dass nicht einfach nur Platten vor eine kaputte Schindelwand geschraubt oder irgendwo Plastikfenster eingesetzt werden“, sagt Walser. Denn klar ist: Historische Elemente kosten zusätzliches Geld. Für diesen sogenannten sanierungsbedingten Mehraufwand können Privatleute einen Zuschuss beantragen. Gefördert werden bis zu 30 Prozent der Kosten, wobei die Summe auf 8200 Euro gedeckelt ist. Das Geld erhält der Hausbesitzer von der Stadt, die wiederum 60 Prozent von der Städtebauförderung zurückbekommt. Darüber hinaus gibt es laut Walser auch steuerliche Vorteile.

Diese Gebäude in Lindenberg haben profitiert

Prominente Beispiele für solche Sanierungsmaßnahmen sind die Buchhandlung Netzer auf dem Stadtplatz, die Bäckerei Schwarz oder das Café Herberger. Letzteres ist im Vorjahr eingerüstet und saniert worden. Die Fassade des 1879 durch Strohhutfabrikant Johann Ulrich Wiedemann erbauten Schindelhauses, in dem einst Lindenbergs erstes Telefon zu bestaunen war, hat einen neuen Anstrich bekommen. „Die Maler in der Stadt haben ein Gestaltungsbewusstsein“, sagt Walser und ergänzt: „„Historische Farben wie Blau oder Rosé tauchen immer wieder auf.“

Förderprogramm
Schindelhäuser gehören in Lindenberg zum Stadtbild.
Bild: Benjamin Schwärzler

Abgerechnet wird das Café Herberger erst in diesem Jahr, weshalb es einen Teil der 28 000 Euro verschlingen wird. Weitere Anträge liegen bereits vor. Laut Walser soll etwa das Gebäude Löwenstraße 2 saniert werden, in dem unter anderem der TV Lindenberg seine Geschäftsstelle hat. Die Stadtbaumeisterin hofft, dass weitere Projekte folgen. „Wir sind froh, wenn die Leute was machen“, sagt sie. Allerdings lassen sich viele die Zuschüsse entgehen, weil sie nichts von dem Förderprogramm wissen und die Stadt keinen Hinweis geben kann: „Viele Maßnahmen sind im Bauamt gar nicht bekannt, weil es dafür keinen Bauantrag braucht.“

Schindelhäuser gehen mindestens bis ins 18. Jahrhundert zurück

Lesen Sie auch
Dieses Gebäude am Stadtplatz in Lindenberg soll abgerissen und durch einen Neubau ersetzt werden.
Bald neu und schön?

Markantes Haus am Stadtplatz in Lindenberg soll weichen

Die neue Ortsheimatpflegerin Franziska Möschel freut sich über die Maßnahmen zum Erhalt des Stadtbildes. „Man hat Lindenberg immer ein bisschen die Kultur abgesprochen – gerade bei den Bauten und gegenüber Weiler“, sagt sie. Inzwischen seien an vielen Stellen Kleinode entstanden. Gerade, was Schindelhäuser angeht. Zum Beispiel an prominenter Stelle das blaue Gebäude in der Sedanstraße gegenüber vom Rathaus. Schindelhäuser gebe es in Lindenberg seit dem 18. Jahrhundert. Eher sogar früher: Das Söldnerhaus ist geschindelt – und wurde 1561 erbaut. Es ist das älteste Haus Lindenbergs.