Lindenberg

Lindenberger Ärztehaus bekommt das Signet „Bayern barrierefrei“

Das Ärztehaus in Lindenberg ist in einer früheren Strickwarenfabrik untergebracht. Nun hat es das Siegel „Bayern barrierefrei“ erhalten.

Das Ärztehaus in Lindenberg ist in einer früheren Strickwarenfabrik untergebracht. Nun hat es das Siegel „Bayern barrierefrei“ erhalten.

Bild: Peter Mittermeier

Das Ärztehaus in Lindenberg ist in einer früheren Strickwarenfabrik untergebracht. Nun hat es das Siegel „Bayern barrierefrei“ erhalten.

Bild: Peter Mittermeier

Das Konzept geht über einen Fahrstuhl und Behindertenparkplätze hinaus. Warum der Investor die hohen Ausgaben nie bereut hat.
25.07.2020 | Stand: 12:14 Uhr

Ein kleines Schild neben dem Eingang weist auf die Auszeichnung hin. Das Ärztehaus in der Lindenberger Blumenstraße trägt das Signet „Bayern barrierefrei“. Verliehen hat es das Ministerium für Familie, Arbeit und Soziales. Ein Fahrstuhl, Behindertenparkplätze direkt vor dem Eingang und breite Türen mit farbigen und gut lesbaren Symbolen sind unter anderem Teil des Konzeptes. Für Citymanager Sascha Schmid ist das Ärztehaus ein „gutes Beispiel“. Er hofft, dass dem viele Eigentümer von Immobilien folgen werden. Der Investor Werner Rädler macht jedenfalls Mut. „Wir haben die Investitionen in die Barrierefreiheit nie bereut“, sagt er.

Monika und Werner Rädler haben das Gebäude vor zehn Jahren erworben und umfassend saniert. Insgesamt bietet es 1500 Quadratmeter Fläche. Sie bieten Raum für eine Arztpraxis, ein Fahrradgeschäft und eine Steuerkanzlei. Vor der Sanierung hatten die Eigentümer Kontakt mit dem damaligen Behindertenbeauftragten des Landkreises, Anton Ziegler, aufgenommen. Rädler spricht von „sehr konstruktiven Gesprächen“, die nicht von Maximalforderungen geprägt gewesen seien. Von Ziegler seien wertvolle Hinweise gekommen.

Das Lindenberger Ärtzehaus war früher eine Strickwarenfabrik

Das dreigeschossige Gebäude ist 1950/51 als Strickwarenfabrik errichtet worden. An Barrierefreiheit dachte damals niemand. So führt eine breite Treppe mit fünf Stufen zum Haupteingang hinauf. Sie ist unüberwindbar für Rollstuhlfahrer und ein Problem für Menschen mit Gehhilfe oder Eltern mit Kinderwagen.

Bayern barrierefrei
Über das Siegel „Bayern barrierefrei“ freuen sich (von rechts) Werner Rädler, Dr. Franz-Joseph Sauer, der Senioren- und Behindertenbeauftragte Robert Andrä und Citymanager Sascha Schmid.
Bild: Peter MIttermeier

Deshalb haben Monika und Werner Rädler einen Fahrstuhl einbauen lassen. Er startet im Untergeschoss. Von außen ist er über eine Rampe zu erreichen. Die ist zwar minimal steiler als vorgeschrieben, dafür gelangen Menschen mit Handicap auf der Vorderseite des Gebäudes ins Haus. „Ansonsten hätten wir den Eingang auf die Rückseite verlegen müssen“, schildert Rädler. Das aber wollten weder er noch der Behindertenbeauftragte des Kreises. Der Fahrstuhl selber ist für Rollstuhlfahrer gut nutzbar: Alle Bedienelemente befinden sich in einer entsprechenden Höhe.

Behindertenbeauftragter lobt Konzept für das Ärztehaus

Das bestätigt Robert Andrä, Senioren- und Behindertenbeauftragter der Stadt. Er lobt das umfassende Konzept für das Ärztehaus. Und das geht weit über Einrichtungen für Rollstuhlfahrer hinaus. „Viele Menschen denken bei Barrierefreiheit vor allem an Menschen mit Gehbehinderung, nicht aber an Sehbehinderte“, sagt Robert Andrä.

So ging es anfangs auch Werner Rädler, wie der Investor einräumt. „Wir hatten Menschen mit Sehbehinderung nicht im Fokus.“ Das änderte sich nach den Gesprächen mit Ziegler. Jetzt erleichtern viele Dinge Menschen mit Sehproblemen die Bewegung im Gebäude. Dazu gehören beispielsweise große Symbole, eine saubere Ausleuchtung, Stufen, deren Ende klar gekennzeichnet ist. „Sie werden sonst schnell zu Stolperfallen“, sagt Andrä.

Bayern barrierefrei
Bei der Sanierung haben die Eigentümer Monika und Werner Rädler unter anderem ein Behinderten-WC einbauen lassen.
Bild: Peter MIttermeier

Die Kosten für den barrierefreien Umbau eines bestehenden Gebäudes seien erheblich, räumt Rädler ein. Die Miete könne zwar in der Regel etwas höher angesetzt werden. Die Investitionen würden das aber meist nicht abdecken. So hat beim Ärztehaus allein der Einbau des Aufzuges eine knapp sechsstellige Summe gekostet, schildert Rädler. Für ihn ist das Geld aber gut angelegt. Eine wichtige Rolle spielt dabei die Nachhaltigkeit. „Wenn ich das Gebäude dauerhaft vermieten will, muss es barrierefrei sein. Nur dann ist es fit für die Zukunft“, ist er überzeugt. Denn die Zahl der Menschen mit Handicap nimmt zu. Zahlen belegen das. Ende 2015 waren 7,4 Prozent der Menschen in Deutschland schwerbehindert. 2017 bereits 9,4 Prozent – mit steigender Tendenz.

Die Patienten finden eine moderne Praxis vor

Den Eindruck bestätigt auch Dr. Franz-Joseph Sauer. Er betreibt in dem Gebäude zusammen mit seinen Kollegen Dr. Wolfgang Pfeffer und Dr. Dirk Eiser eine Hausarztpraxis. Für die Mediziner sei ein barrierefreies Gebäude Voraussetzung gewesen, schildert Sauer. „Wir haben sehr viele Patienten mit Einschränkungen. Zudem kommen oft Menschen in einem schlechten Gesundheitszustand in die Praxis“, sagt er.

In der modernen Praxis kommen viele Dinge den Patienten entgegen: Die Behandlungsräume haben breite Türen und ausreichend Bewegungsfläche, direkt vor dem Eingang des Gebäudes gibt es Behindertenparkplätze, der Fahrstuhl führt direkt in die Praxis. In ihm können Patienten auch liegend transportiert werden. Schließlich gibt es im Erdgeschoss auch noch ein behindertengerechtes WC mit Haltegriffen auf beiden Seiten, Notruf und unterfahrbarem Waschtisch.

Der Citymanager bezeichnet die Sanierung als sehr gelungen. Schmid: „Wir sind als Stadt sehr froh, dass es Eigentümer gibt, die bestehende Immobilien barrierefrei umbauen. Wer sein Haus sanieren will, sollte zumindest mit Fachleuten prüfen, was machbar ist.“