Schuljubiläum

Literarisches Geschenk: Was junge Westallgäuer bewegt

Schreibolympiade

Schreibolympiade

Bild: Philipp Unsinn

Schreibolympiade

Bild: Philipp Unsinn

Das Gymnasium Lindenberg startete zum 100-Jahr-Jubiläum eine Schreibolympiade. Wie das Ergebnis nun trotz Corona den Weg zu den Lesern findet.
12.12.2020 | Stand: 12:07 Uhr

100 Jahre Gymnasium Lindenberg: Das ist ein stolzes Jubiläum. Aus diesem Anlass hat sich die Schule auf die Suche nach schriftstellerischen Talenten innerhalb der Schülerschaft gemacht. Die Fachschaft Deutsch startete eine „Schreibolympiade“, die in einer öffentlichen Lesung und Publikumsbewertung ihren Höhepunkt und Abschluss finden sollte. Weil die Pandemie dies verhindert hat, präsentiert das Gymnasium die Werke der Autorinnen und Autoren nun auf andere Weise: Ab 15. Dezember liegen sie als Heft in der Buchhandlung Netzer in Lindenberg auf.

Gedacht ist die Textsammlung als Geschenk – „als Zeichen der Verbundenheit der schreibenden Schülerschaft und der gesamten Schule mit ihrer Region in schwerer Zeit“, sagt Deutschlehrer Philipp Unsinn.

Lindenberger Gymnasium veröffentlich 30 Seiten dicken "Reader"

30 Seiten dick ist der „Best-of-Schreibolympiade-Reader“, wie die Schule die Veröffentlichung nennt. Sie umfasst 13 Beiträge. Philipp Unsinn und seine Kollegin Lisa Wagner, die als Jury die vor zehn Monaten eingesandten Texte bewerteten, waren erstaunt von der inhaltlichen Bandbreite und der poetischen Qualität, die die 19 Autorinnen und Autoren aus den Jahrgangsstufen 8 und 12 lieferten.

Die 14- bis 19-Jährigen setzen sich schreibend mit Klimawandel, Rassismus und Sexismus auseinander, sie verarbeiten Konflikte in Familie und Freundeskreis, reflektieren das Sterben, beschreiben religiösen Wahn, befassen sich mit Sinn- und Selbstsuche, traumatischen Erlebnissen und verborgenen Ängsten. In Versen und Prosa, Kurzgeschichten, Essays, Gedichten und Slamtexten ihren lyrischen und Prosatexten schaffen alle veröffentlichten Autorinnen und Autoren viel Intimität.

Versierter Umgang mit Sprache

Im versierten Umgang mit der Sprache erzeugen sie intensive Stimmungen und reiche Gedankenwelten, dank klugen Textaufbaus entsteht viel Spannung, die den Leser erst nach der letzten Zeile entlässt. Passagen und ganze Beiträge auf Englisch belegen, wie Sprache Menschen über Ländergrenzen hinweg verbinden. Das Heft ist eine lohnende Lektüre: Es bietet anspruchsvolle Unterhaltung und wertvolle Anregungen.

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Nach Einschätzung der Juroren Philipp Unsinn und Lisa Wagner offenbart die Schreibolympiade ein großes Potenzial, nämlich den Willen der jungen Leute, sich schreibend auszudrücken, individuell Stellung zu beziehen und sich ins Weltgeschehen einzumischen. Dass dieses „Einmischen“ nicht in einer öffentlichen Veranstaltung geschehen konnte, bedauern alle. Geplant war, beim Kulturfestival „Allotria“ einen Lesemarkt zu starten. Durch Applaus hätte das Publikum hier die Platzierung der zehn besten Autoren und ihrer Texte bestimmt. Nun finden diese in gedruckter Form den Weg zur interessierten Leserschaft.

Romanauszug von Slafa Kafi findet sich in der Textsammlung

Zwei Gastbeiträge finden sich in der Textsammlung, die in einer Auflage von 100 Stück vorliegt. Einer davon stammt von einem früheren Schüler des Lindenberger Gymnasiums, der sich als Autor, Slammer, Moderator und Kabarettist schon einen Namen gemacht hat: Alex Burkhard hat eine Preview des Beginns seines ersten Romans beigesteuert. Einen weiteren Romanauszug hat die Schülerin Slafa Kafi zur Verfügung gestellt, deren zweites Buch „Leiser Schrei“ kürzlich erschienen ist.

Das von der Fachschaft Deutsch gestartete Jubiläumsprojekt wird von vielen weiteren Mitgliedern der Schulfamilie mitgetragen: Die Theatergruppe des Schuljahrs 2019/2020 hat einen Teil des Eintrittsgelds der Aufführung „Romeo und Julia“ für das Drucken zur Verfügung gestellt, die Buchpreise für alle Teilnehmer des Wettbewerbs steuert der Förderkreis Gymnasium Lindenberg bei. (ins)