Verkehr im Westallgäu

Maierhöfen: Eine Gemeinde diskutiert über Tempo 30

Maierhöfen Ortsmitte

Über 300 Fahrzeuge innerhalb einer halben Stunde hat Gemeinderat Wolfgang Grath in der Dorfmitte Maierhöfen gezählt. Nun fordert die Gemeinde Tempo 30 und einen Fußgängerüberweg samt Ampel.

Bild: Olaf Winkler

Über 300 Fahrzeuge innerhalb einer halben Stunde hat Gemeinderat Wolfgang Grath in der Dorfmitte Maierhöfen gezählt. Nun fordert die Gemeinde Tempo 30 und einen Fußgängerüberweg samt Ampel.

Bild: Olaf Winkler

Der Gemeinderat will auch prüfen, ob eine Verkehrsüberwachung in Betracht kommt. Warum es in den Randbereichen der Argentalgemeinde keine Verschärfungen gibt
05.09.2021 | Stand: 12:05 Uhr

Durch Maierhöfen rollen nicht zuletzt aufgrund des zunehmenden Ausflugsverkehrs mehr Fahrzeuge – und sie sind, zumindest gefühlt, immer schneller unterwegs. So fasst Bürgermeister Martin Schwarz die Situation zusammen. Und vor diesem Hintergrund diskutierte der Gemeinderat jetzt mögliche Maßnahmen. Die Krux: Dort, wo die Gemeinde selbst entscheiden könnte, sieht das Gremium keine Möglichkeit zur Verbesserung. Und dort, wo die Ratsmitglieder einhellig für ein Tempolimit sind, hat das Landratsamt das Heft in der Hand.

Konkret ging es in der Ratssitzung um drei Punkte: Die wenig beachtete Tempo-30-Zone in Happach, die Zufahrt zum Feriendorf und die Ortsmitte. Durch letztere führt die Staatsstraße 1318. Deshalb kann die Gemeinde hier keine Geschwindigkeitsbegrenzung verhängen. Dass sie notwendig ist, war im Gremium unstrittig. Und auch einen Fußgängerüberweg samt Ampel wünschen sich Anwohner und Gemeinderat. Die Planung für den Überweg gab es vor wenigen Jahren schon einmal. „Damals scheiterte es an den fehlenden Grundstücken“, erinnerte Bürgermeister Schwarz.

Maierhöfen Happach
Maierhöfen Happach
Bild: Olaf Winkler

Ratsmitglied Wolfgang Grath, selbst Anwohner der Staatsstraße, hat in der Vergangenheit immer wieder einmal die Fahrzeuge gezählt. Über 300 seien es innerhalb einer halben Stunde an einem Sonntagnachmittag gewesen. Und auch morgens rollen nach seiner Beobachtung regelmäßig ähnlich viele Pkw und Lkw durch den Ort. Einzig der Bürgermeister stimmte am Ende gegen die Forderung nach einer Tempo-30-Begrenzung in der Ortsmitte. Er sei dagegen, „scheinbare Sicherheit“ zu schaffen. Dem Votum für einen Fußgängerüberweg samt Ampel schloss er sich an. Nun muss es Gespräche mit dem Staatlichen Bauamt, dem Landratsamt und der Polizei geben.

40 Prozent bei Maierhöfen schneller unterwegs als erlaubt

Selbst entscheiden können hätte der Gemeinderat über eine mögliche Begrenzung auf 30 Stundenkilometer, wie sie Anwohner auf der Gemeindestraße in Richtung Feriendorf forderten. Thomas Holzer erinnerte daran, dass erst vor wenigen Jahren eine Begrenzung auf 50 km/h erfolgt sei, nachdem dort länger mit 70 km/h gefahren werden durfte. Eine aktuelle Messung hat gezeigt, dass sich zwar über die Hälfte der Autofahrer daran halten, aber auch gut 40 Prozent schneller unterwegs sind. Dennoch stimmte am Ende nur Evi Eugler für Tempo 30 in diesem Bereich.

Maierhöfen Feriendorf
Maierhöfen Feriendorf
Bild: Olaf Winkler

Hildegard Wille stellte fest, dass die Straße gut ausgebaut sei und „man den Schwung braucht, um zum Feriendorf hoch zu kommen“. Und Herbert Mader monierte, dass es nicht Sinn und Zweck einer Straße sein könne, „dass Kinder auf ihr spielen“. Richard Dreyer stimmte zwar auch gegen eine weitere Geschwindigkeitsreduzierung, regte aber eine regelmäßigere Überwachung an.

Martin Schwarz: Polizei kann das nicht leistein in Maierhöfen

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Die Polizei könne das nicht leisten, erklärte der Bürgermeister. Gleichzeitig sprach er sich gegen Maßnahmen aus, die nicht kontrolliert werden. Deshalb will Schwarz nun ein Angebot eines Dienstleisters einholen, wie ihn unter anderem der Markt Scheidegg und die Gemeinden Opfenbach und Heimenkirch einsetzen. Dann könnte es auch in Happach Kontrollen geben. Derzeit gibt es sie in der dortigen Tempo-30-Zone nicht, weshalb sie weitgehend unbeachtet bleibt, wie Anwohner kritisieren. Eine Messung im Juni hat das bestätigt. Ganze zwei Prozent der Autofahrer hielten sich an das vorgegebene Limit. Fast die Hälfte der Autofahrer war dort mit 50 oder mehr Stundenkilometern unterwegs. Bauliche Veränderungen lehnte das Gremium mit Blick auf den Winterdienst, Feuerwehreinsätze im nahen Seniorenheim und die Müllabfuhr ab.

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