Besonderes Hobby

Mini-Auto in der Glühbirne: Modellbauer stellt in Hergensweiler aus

HGW Heimatmuseum Emser

Das Lieblingsmodell von Adalbert Emser ist ein Automobil von Carl Benz, das er in über 500 Stunden gebaut hat.

Bild: Susi Donner

Das Lieblingsmodell von Adalbert Emser ist ein Automobil von Carl Benz, das er in über 500 Stunden gebaut hat.

Bild: Susi Donner

Er hat Fingerspitzengefühl: Adalbert Emser zeigt kleine Kunstwerke ab 5. September im Heimatmuseum Hergensweiler. Neben Autos auch Flugzeuge, Schiffe und vieles mehr.
01.09.2021 | Stand: 11:49 Uhr

Das Hobby von Adalbert Emser erfordert viel Fingerspitzengefühl: Er baut seit über 60 Jahren historische und moderne Flugzeuge, Schiffe, Automobile, nostalgische Rummelszenen und vieles mehr in Glühbirnen und Buddelflaschen. 34 seiner Kunstwerke in Miniatur und hinter Glas stellt er ab 5. September im Heimatmuseum in Hergensweiler aus, das bis Ende Oktober immer am ersten und dritten Sonntag des Monats geöffnet ist.

Adalbert Emser ist gelernter Dreher

Die Frage, ob er denn in seinem Beruf Chirurg war, verneint er lachend. Wenn auch neben seinen selbst angefertigten Spezialwerkzeugen tatsächlich OP-Bestecke, wie Zangen, Pinzetten, Skalpelle und OP-Scheren zum Einsatz kommen – Emser hat Dreher gelernt bei Maybach-Motorenbau. Eine Ausbildung, die ihm beim Planen, Schneiden, Schnitzen, Fräsen, Bohren, Drehen, Feilen, Biegen und Kleben des Materials für seine Modelle sehr nützlich sei.

Der Ursprung aller Buddelschiffe, erzählt der Modellbauer, sind die sogenannten Geduldsflaschen: Die ältesten Modelle dieser klitzekleinen Modellbaukunst sind vor gut 300 Jahren entstanden. Damals gab es die ersten Glasbläsereien, die solche Flaschen herstellen konnten. Die vielleicht ersten Hobbykünstler bauten damals in der Regel religiöse Szenen in die Fläschchen. Vor etwa 150 Jahren hat schließlich ein Matrose das erste Buddelschiff gebaut.

Emser, der auch auf Flohmärkten nach alten Buddelschiffchen und Geduldsflaschen sucht und bei Bedarf restauriert, zeigt deshalb neben seinen eigenen Werken auch einige historische Exponate in seiner Ausstellung. Besuchern der Ausstellung erzählt Emser beispielsweise, wie genau der maßstabsgetreue Plan sein muss, den er für seine kleinen Kunstwerke braucht, und wie er alle Arbeitsschritte durchdenkt. Denn wenn das Material mal drin ist, hat er nicht mehr viel Spielraum.

Piratenschiff "Black Pearl" aus "Fluch der Karibik" zu sehen

Ein großer Teil der Vorbereitung liege in der Beschaffung der Materialien für seine Kunstwerke, die so authentisch wie möglich sein sollen. Bei den Schiffen ist die „Black Pearl“ aus "Fluch der Karibik" ebenso zu finden, wie eine Venezianische Galeere, der Mississippidampfer, auf dem Mark Twain gearbeitet hat, oder die Kontiki von Thor Heyerdahl. Zu jedem Schiff kann Emser Geschichten erzählen.

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Bei den Flugzeugen gibt es die ersten Flugmodelle der Gebrüder Wright ebenso wie die Do-X im Kleinformat oder die berühmte Fokker 8. Im Zentrum der Ausstellung steht das persönliche Lieblingsmodell von Emser, das Automobil von Carl Benz, in das er über 500 Arbeitsstunden investiert habe. Der Hobbykünstler spricht von einer „schweren Geburt“: „Die hauchfeinen Speichenräder des Automobils haben mich schier an meine Grenzen gebracht. Sie haben einen Durchmesser von 40 Millimetern und der Durchlass an der Fassung ist nur 34 Millimeter breit.“ Kein Wunder, dass Emser „sehr stolz“ ist auf den Benz.

Seine ersten Werke baute er in Flaschen. Irgendwann entdeckte er die Glühbirne für sich. Sie habe ein besonders sauberes, schlierenfreies Glas, sei allerdings auch sehr zerbrechlich. Viele seiner Kunstwerke hat er in alte Leuchtturmlampen gebaut, echte Raritäten, die er von der Küstenwache eines alten Leuchtturms in Stralsund ergattert habe. Diese seien besonders gut geeignet, weil sie einen kurzen Hals haben.

Wie kam Emser als Jugendlicher vor über 60 Jahren zu dieser besonderen Art des Modellbaus? Im Werkunterricht hat er mit 13 Jahren ohne Anleitung ein einfaches Oseberg-Rudersegelschiff in eine Flasche gebaut. Dafür heimste er Bewunderung seiner Mitschüler und Lehrer ein. Das habe ihm gefallen, schildert Emser. Leider sei die Flasche vom Ausspülen noch feucht gewesen. So verschimmelte das Schiffchen nach zwei Jahren im Schulschaukasten. Emser: „Das fand ich sehr schade, also habe ich ein Neues gebaut“ Dem noch viele folgten.

  • Öffnungszeiten 5. und 19. September, 3. und 17. Oktober, jeweils von 14 bis 16 Uhr im Heimatmuseum Hergensweiler. Adalbert Emser ist vor Ort und berichtet über seine Arbeit.