Scheidegg

Moderne Technik ersetzt bei Scheidegger Schützen Pappkartons

Schützenmeister Elmar Koch (vorne) und Zweiter Schützenmeister Uwe Klappoth an den neuen elektronischen Schießständen.

Schützenmeister Elmar Koch (vorne) und Zweiter Schützenmeister Uwe Klappoth an den neuen elektronischen Schießständen.

Bild: Manfred Sendlinger

Schützenmeister Elmar Koch (vorne) und Zweiter Schützenmeister Uwe Klappoth an den neuen elektronischen Schießständen.

Bild: Manfred Sendlinger

Die Schützengesellschaft Scheidegg hat ihre Heimstätte zu einer elektronischen Anlage umgerüstet. Welchen sportlichen Effekt er sich verspricht.
11.10.2020 | Stand: 07:13 Uhr

Gegründet worden ist sie im Jahr 1882. Und nun ist die königlich privilegierte Schützengesellschaft Scheidegg im elektronischen Schießzeitalter angekommen. Die Anlage ist umgerüstet worden. In Kürze können die 31 aktiven Mitglieder auf weißen Tablets ihre Schießergebnisse abrufen. Für Schützenmeister Elmar Koch ein Meilenstein in der 138-jährigen Vereinsgeschichte: „Schon im Interesse unserer Jugendarbeit mussten wir diesen Schritt machen. Und auch deswegen, weil wir noch in diesem Jahr Fördermittel aus dem Fonds abrufen konnten, den die Staatsregierung mit dem Bayerischen Sportschützenbund zur Förderung von Schießstätten aufgelegt hat.“

Natürlich ist der finanzielle Aspekt einer solchen, knapp 40 000 Euro teuren Investition nicht unerheblich – da sind jegliche Fördermittel hoch willkommen. Aber für Schriftführerin Berit Koch überwiegt der sportliche Aspekt: „Unsere Jugendteams müssen bei Schwäbischen Meisterschaften auf elektronischen Schießständen antreten, da nutzt es nichts, wenn sie zuhause an Zuganlagen üben.“ Dass das herkömmliche Scheibenschießen nur wenig mit der elektronischen Variante zu tun hat, weiß auch Zweiter Schützenmeister Uwe Klappoth: „Man schießt definitiv anders.“

"Mit der Elektronik können wir mehr Jugendliche ansprechen"

„Wir mussten mit der Zeit gehen“, sagt Elmar Koch. „Erstens wird es immer schwieriger, für die alten Zuganlagen Ersatzteile zu bekommen, und zweitens können wir mit der Elektronik mehr Jugendliche ansprechen, die sich nach dem ersten Reinschnuppern dann leichter für eine Mitgliedschaft entscheiden. Das ist eine zukunftsweisende Investition.“ Derzeit generieren die Scheidegger Schützen etwa zwei bis drei Neumitglieder pro Jahr. Natürlich hilft die neue elektronische Variante auch den bereits aktiven Schützen, denn bei Wett- und Vergleichskämpfen sind andernorts überwiegend E-Schießstände vorhanden: „Da kannst du einfach keine Leistung bringen, wenn du das alte Zeug gewohnt bist“, so Koch

Neben dem sportlichen Aspekt spielen auch der Umweltgedanke und die Nachhaltigkeit mit in die Neuanschaffung hinein, wie Berit Koch erklärt: „Früher brauchten wir etliche Kartonscheiben, die erst gekauft und dann entsorgt werden mussten.“ Knapp 40 000 Euro hat sich der Verein die neuen Schießstände kosten lassen. Neben sehr viel Eigenleistung, hat sich auch die Marktgemeinde Scheidegg mit einer finanziellen Unterstützung an der Investition beteiligt. Elmar Koch: „Voraussichtlich bekommen wir auch aus dem BSSB-Fonds einen 30-prozentigen Zuschuss zu den Gesamtkosten. Uns freut das enorm, denn wir sind kein sehr finanzstarker Verein. Wir müssen unsere laufenden Kosten wie Gas, Wasser, Strom und Versicherungen komplett aus eigener Tasche bezahlen.“

Wegen Corona steht das Bürgerschießen auf der Kippe

Einzige Einnahmequelle ist das immer im Januar stattfindende Bürgerschießen, das im kommenden Jahr aufgrund der Corona-Pandemie aber auf der Kippe steht, wie der Schützenmeister zugibt: „Ich bezweifle derzeit, ob wir das durchziehen können. Wir werden uns in den nächsten Wochen sehr viele Gedanken darüber machen, ob es eine Komplettabsage oder ein Schießen mit großen Abstrichen geben wird. Das Problem sind keineswegs die Abstände auf der Schießanlage, sondern der Aufenthaltsraum, in den nur eine begrenzte Anzahl von Personen hinein darf. Die Geselligkeit wird jedenfalls enorm leiden.“

Seit Anfang August, dem Beginn der Umbauarbeiten, wurde im Schützenhaus – es ist im früheren Lokschuppen untergebracht – kein einziger Schuss mehr abgegeben. Bis der Schießbetrieb offiziell wieder aufgenommen werden kann, ist noch die Standabnahme durch das Landratsamt notwendig – und auch eine Softwareschulung des Personals. Zwar sind nach Abschluss der Arbeiten aus vorher 14 mechanischen Zuganlagen „nur“ elf elektronische Stände geworden, aber für Elmar Koch ist diese Reduzierung kein Problem: „Für unsere Vereinsstärke reicht das auf jeden Fall – auch dann, wenn noch einige Mitglieder dazukommen.“