Kirchenmusik

Neuer Organist: Er gibt in Scheidegg in der Kirche den Ton an

Uwe Gebert

Uwe Gebert an der Steinmeyer-Orgel in der Pfarrkirche St. Gallus in Scheidegg.

Bild: Angela Feßler

Uwe Gebert an der Steinmeyer-Orgel in der Pfarrkirche St. Gallus in Scheidegg.

Bild: Angela Feßler

Uwe Gebert hat in der Pfarrkirche St. Gallus in Scheidegg eine „neue Orgelheimat“ gefunden. Wie er zur Kirchenmusik gekommen ist und was ihn daran so fasziniert.
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Von Angela Feßler
12.08.2021 | Stand: 12:03 Uhr

Seit seinem 15. Lebensjahr ist Uwe Gebert Organist. An vielen hervorragenden Instrumenten hat er gespielt. Jetzt tut er das auch in der Scheidegger Pfarrkirche St. Gallus. Dort ist er seit dem Frühjahr Organist. Von der Steinmeyer-Orgel ist er immer wieder begeistert. „Vom zartesten Pianissimo bis zum großen Plenum hat sie einen wunderbaren Klang“, stellt er fest.

Der Anfang des Jahres verstorbene Walter Rädler hatte das Amt als Organist in Scheidegg vier Jahrzehnte bekleidet. Ihm ist zu verdanken, dass die denkmalgeschützte Steinmeyer-Orgel aus dem Jahr 1895 restauriert und nicht durch ein neues Instrument ersetzt wurde. Uwe Gebert lebte in der Zeit noch in Tettnang, hat aber das Instrument damals schon in Augenschein genommen, weil er „an allen kostbaren Orgeln interessiert ist“.

Mit 14 Jahren saß Uwe Gebert erstmals an einer Orgel

Schon als Kind war Uwe Gebert von Orgeln fasziniert. Nachdem er mit fünf Jahren an der städtischen Musikschule Lahr Gesang- und Klavierunterricht bekommen und mit zwölf Jahren Fagott gelernt hat, wollte er gleich seinem Traum ein Stück näherkommen und mit dem Orgelunterricht beginnen. „Ernst Wacker, mein Orgellehrer, hat mich von oben bis unten angeschaut und gemeint: bis es soweit ist, musst du noch einige Suppen essen“, schmunzelte er. Er kam mit den Füßen noch nicht an die Pedale. Mit 14 Jahren war es endlich so weit.

Den Unterricht erhielt er an der Stiftskirche Lahr und an verschiedenen historischen Orgeln des Dekanats, unter anderem an der Silbermann-Orgel der Wallfahrtskirche Ettenheimmünster. In Esslingen schaffte er das Kirchenmusikstudium „C“ an der Kirchenmusikschule. Bei Peter Vier, Claudius Winterhalter und dem Orgelsachverständigen Bernd Sulzmann belegte er verschiedene Orgelbaupraktika. Diese Männer sind ihm noch heute sehr wichtig und vorbildhaft.

Schon mit 16 Jahren hatte er am Lahrer Bergfriedhof von Montag bis Mittwoch bei allen Beerdigungen nachmittags während der schulfreien Zeit Orgeldienst. „Es herrschte Organistennot.“ Viele würden es scheuen, sich im ehrenamtlichen Bereich zu binden. „Als Organist muss man regelmäßig und zuverlässig da sein“, sagt er. Zudem müsse man dreifach präsent sein: mit den Füßen an den Pedalen, mit den Händen an Registern und Tasten und mit dem Kopf mitverfolgen, was im Altarraum passiert. „Eine Herausforderung, die man lieben muss.“

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Zu seinen Auftritten ist er bis in die 1980er-Jahre mit dem Fahrrad gefahren, unter anderem bis zur Thomaskirche in Straßburg. Er konnte schon in jungen Jahren mit guten, professionellen Musikern und Sängern arbeiten. Dafür ist er sehr dankbar, denn so habe er unglaublich viele Erfahrungen sammeln können.

Uwe Gebert hat Musik auf Lehramt studiert

Nach dem Abitur, das er, wie die gesamte Schulzeit in Lahr absolvierte, hat er das Lehramtsstudium für Realschule mit Hauptfach Musik – Orgel, Fagott, Gesang, und Klavier sowie Komposition und Tonsatz belegt. Alle Fächer hat er mit einem Examen abgeschlossen.

Eine sehr intensive Zeit hatte er mit dem Hochschulchor (später Kammerchor) Reutlingen. Hier war er Mitbegründer und Organisator. Als Organist spielte er national und international an höchst renommierten Orgeln. Zuletzt war er bei dem Konzertchor Ravensburg als Korrepetitor und Organist und hat zahlreiche Live-Rundfunkgottesdienste gespielt, die von Radio Horeb übertragen wurden. 15 Jahre war er Ausbildungslehrer für Musik an der PH Weingarten.

2018 ist er mit seiner Frau Almut nach Weiler gezogen. Am 1. April haben die beiden als Dirigententeam die musikalische Leitung des Liederkranzes Weiler angenommen. Uwe Gebert hat schon bald den Vertretungsdienst für die Orgelspieler in der Pfarreiengemeinschaft Weiler übernommen.

Hannelore Spandl von der evangelischen Christengemeinde hat ihn schließlich informiert, dass in Scheidegg die Stelle des katholischen Organisten frei würde. Nach mehreren Gesprächen hat er zugesagt. „Ich wollte wieder einmal einen festen Platz als Organist“, bemerkte er.

Er hat in vielen Kirchen gespielt. Das bedeutete: jedes Mal ein anderer Raum, eine andere Akustik, ein anderes Instrument. „Bei einem festen Platz ist man mit dem Instrument verbunden, man hat eine Orgelheimat.“

Seit seinem 15. Lebensjahr ist Gebert Organist und seit seinem 16. Lebensjahr Dirigent und das ohne Unterbrechung. Dankbar ist er für die Unterstützung seiner Frau Almut, die ebenfalls Organistin und Schulmusikerin ist. „Ohne sie hätte ich das nie leisten können.“