Nach Anordnung der Regierung

Nicht überall im Westallgäu ist Homeoffice möglich

Behörden wurden dazu aufgefordert, ihre Mitarbeiter von daheim aus arbeiten zu lassen. Doch das ist nicht immer möglich.

Behörden wurden dazu aufgefordert, ihre Mitarbeiter von daheim aus arbeiten zu lassen. Doch das ist nicht immer möglich.

Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolfoto)

Behörden wurden dazu aufgefordert, ihre Mitarbeiter von daheim aus arbeiten zu lassen. Doch das ist nicht immer möglich.

Bild: Sebastian Gollnow, dpa (Symbolfoto)

Die Behörden sind dazu aufgefordert, möglichst viele Beschäftigte zu Hause arbeiten zu lassen. Das stößt an Grenzen, wie eine Umfrage in den Rathäusern zeigt.
27.01.2021 | Stand: 08:15 Uhr

Es gibt zwar keine belastbaren Untersuchungen zur Frage, welche Rolle Büros als Verbreitungsort des Coronavirus spielen. Zur weiteren Eindämmung der Pandemie ordnete die Regierung jetzt aber an, Arbeitsplätze, wo immer möglich, nach Hause zu verlegen. Das betrifft auch kommunale Behörden. Eine Umfrage in Rathäusern und im Landratsamt Lindau ergibt ein uneinheitliches Bild: Während manche Gemeinden Geld ausgeben für Laptops, ist es anderen ohne größeren Aufwand möglich, Kontakte deutlich zu reduzieren.

Mitarbeiter in Lindenberg können Abstände einhalten und das Bürgerbüro besetzen

Geschätzt etwa zehn Prozent der Mitarbeiter in der Lindenberger Stadtverwaltung arbeiten tageweise im Homeoffice, schildert Roland Kappel. „Da, wo es geht, ist es das Mittel der Wahl“, sagt der Hauptamtsleiter. Grundsätzlich stößt Homeoffice in einer Stadtverwaltung aber an gewisse Grenzen. So müssen nicht nur die Daten sicher sein. „Sie können zwar viele Dinge online regeln. Wenn sie ein Bürgerbüro haben, muss aber auch jemand im Rathaus sein“, nennt Kappel ein Beispiel. Zudem müssten die Mitarbeiter in vielen Fällen auf Akten zugreifen. Ein großer Gewinn für den Infektionsschutz ist Homeoffice in der Stadtverwaltung laut Kappel nicht. „Wir haben viele Einzelbüros und kein Großraumbüro.“ Zudem habe die Stadt dem Thema schon vor Monaten Rechnung getragen und wo nötig Glastrennwände eingebaut. Angesichts der Bedingungen vor Ort könnten die Mitarbeiter auch die Mindestabstände einhalten. Auch die Verringerung der Kontakte im Nahverkehr, die immer wieder als Argument für Homeoffice genannt werden, stechen in Lindenberg laut Kappel nicht: „Bei uns kommt kein Mitarbeiter mit Bus und Bahn.“

Noch kein Homeoffice in Weiler-Simmerberg

Weiler-Simmerberg hat bezüglich Homeoffice noch nichts geplant. Bürgermeister Tobias Paintner erklärt, man prüfe, zwei oder drei Beamte von zu Hause aus arbeiten zu lassen. Für zwingend notwendig hält er das aber nicht. „Jeder hat sein eigenes Büro, wir regeln vieles telefonisch“, sagt Paintner. Dass die Gemeinde derzeit auf Homeoffice verzichtet, sei zudem der Haushaltsplanung geschuldet. Den Etat stellen Mitarbeiter aktuell zusammen, weshalb sie laut Paintner „an viele Akten gebunden“ sind.

Heimenkirch investiert ins Homeoffice

Heimenkirch hat kürzlich 3000 Euro für zwei Laptops inklusive Virenschutz, Webcam, Mikrofon und Lizenzen ausgegeben. Grundsätzlich hätten die zwölf Verwaltungsangestellten der Marktgemeinde und der Zweckverbände WHO und AOL die Möglichkeit, von daheim aus zu arbeiten, erklärt Bürgermeister Markus Reichart. „Alle auf einmal geht aber nicht. Die Dienstleistungen für unsere Bevölkerung müssen sichergestellt sein.“ Etwa ein Viertel der Belegschaft arbeite immer mal wieder im Homeoffice. Nach Meinung Reicharts funktioniert Homeoffice in vielen Bereichen des Rathauses nur eingeschränkt, etwa wo Zugriff auf Papierakten erforderlich ist. Bei der wöchentlichen Teamsitzung am heutigen Mittwoch will er das Thema mit den Kolleginnen und Kollegen besprechen. „Wer mit dem Wunsch auf Homeoffice auf mich zukommt und die entsprechenden Hintergründe und die sinnvolle Organisation und Ausgestaltung darlegen kann, stößt auf offene Ohren.“

Opfenbach ist auf den Quarantäne-Fall vorbereitet

Im Rathaus Opfenbach verfügen alle sechs Angestellten über ein eigenes Büro. Bei jeder Begegnung – ob auf dem Gang oder bei Besprechungen – setzen Bürgermeister Matthias Bentz und seine Mitarbeiter Masken auf. Schon seit geraumer Zeit stellt ihnen die Gemeinde FFP2-Masken zur Verfügung. Bürgermeister Bentz und Geschäftsstellenleiter Claus Schwerdle-Biggel können seit dem ersten Lockdown auch von daheim aus auf ihre Rechner im Rathaus zuzugreifen. „Im Fall einer Quarantäne könnte ich meine Arbeit zuhause erledigen“, sagt Bentz.

Auch in Scheidegg geht Homeoffice nicht in allen Bereichen

Die Verwaltung in Scheidegg hat sich gerade in dieser Woche Gedanken gemacht, wie sie Homeoffice ausbauen kann und entsprechende Angebote eines IT-Unternehmens bekommen. „Wir werden das teilweise umsetzen und auch in Geräte investieren“, kündigt der geschäftsleitende Beamte Jürgen Hörmann an. Die Investition sei auch deshalb sinnvoll, weil Mitarbeiter von Quarantäne betroffen sein könnten. Grundsätzlich hält Hörmann Homeoffice in einigen Bereichen für gut umsetzbar, etwa dem Steueramt oder im Bereich der Wirtschaftsförderung. Dort, wo Bürger ins Rathaus müssen, wie beim Einwohnermeldeamt, gehe es aber nicht.

Schon im ersten Lockdown war die VG Argental teilweise im Homeoffice

Von den 14 Mitarbeitern der Verwaltungsgemeinschaft (VG) Argental arbeiten fünf im Homeoffice. Das betrifft die Kämmerei, das Bauamt, die IT-Abteilung und die Friedhofsverwaltung. Die Arbeit anderer Bereiche sei wenig geeignet für daheim, erklärt Angelika Baldauf-Fuchs von der VG. „Beim Steueramt zum Beispiel kommen zu viele Unterlagen zusammen“, sagt sie. Die Verwaltungsgemeinschaft regelt das Homeoffice aktuell ähnlich wie im Frühjahr 2020. Baldauf-Fuchs sagt: „Das hat sich damals bewährt.“

Mobiles Arbeiten auch für das Landratsamt Lindau

Für das Landratsamt Lindau kündigt Sprecherin Sibylle Ehreiser an: „Unser Ziel ist, dass möglichst alle Mitarbeiter, die nicht zwingend vor Ort sein müssen, mobil arbeiten können.“ Bisher gilt das nur für diejenigen mit gesundheitlicher Vorbelastung. Um die Lage räumlich zu entzerren, habe man die Arbeitszeiten ausgeweitet, die Angestellten können montags bis samstags zwischen 6 und 20 Uhr arbeiten. Im Frühjahr hat das Landratsamt vor allem für das Gesundheitsamt mobile Endgeräte angeschafft. Weitere seien vor Monaten bestellt worden, sie stünden aber noch nicht zur Verfügung. Ehreiser verweist jedoch auch auf Bereiche, in denen mobiles Arbeiten nicht möglich ist, beispielsweise die Kfz-Zulassungsstelle.

Ob sich Homeoffice in weiten Bereichen kommunaler Verwaltungen auf Dauer durchsetzen wird, ist indes fraglich. Heimenkirchs Rathauschef Markus Reichart etwa wünscht sich das nicht. „Die Kommunikation untereinander, etwa in der Personalküche, ist nicht zu unterschätzen.“

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