Amtsgericht Wangen

Prozess in Wangen: Pilze angebaut und Ecstasy im Darknet gekauft

Das Amtsgericht Wangen hat einen jungen Mann verurteilt, weil er wiederholt im Besitz von Drogen war.

Das Amtsgericht Wangen hat einen jungen Mann verurteilt, weil er wiederholt im Besitz von Drogen war.

Bild: Peter Steffen, dpa

Das Amtsgericht Wangen hat einen jungen Mann verurteilt, weil er wiederholt im Besitz von Drogen war.

Bild: Peter Steffen, dpa

Der Angeklagte wurde schon mehrfach mit Drogen erwischt. Vor Gericht erklärt er seine Taten und  schildert seine Zukunftspläne. Das Urteil fällt deutlich aus.
25.08.2020 | Stand: 17:26 Uhr

Nach einem in der Stadthalle abgehaltenen Prozess des Amtsgerichts Wangen muss ein junger Mann für ein halbes Jahr ins Gefängnis, weil er einmal mehr unerlaubt im Besitz von Drogen war.

Gleich zu Beginn der Verhandlung schilderte der Angeklagte seine Zukunftspläne. Gerade habe er seine Lehre abgeschlossen und hoffe auf eine Übernahme. Demnächst wolle er seine Verlobte heiraten, mit der er ein gemeinsames Kind hat. Das alles muss nun wohl warten.

50 Tabletten im Darknet gekauft

Die Staatsanwaltschaft warf dem Angeklagten aus dem Raum Wangen vor, über das Darknet 50 Tabletten der Droge Ecstasy erworben zu haben. Davon sei die eine Hälfte zum Eigenbedarf vorgesehen gewesen und die andere zum Verkauf. In einem Gasthof habe er versucht, 15 Tabletten Ecstasy zu veräußern, dazu sei es aber nicht gekommen, da die Polizei die Drogen im Vorfeld sicherstellte. Zudem hatte der junge Mann Pilze in seiner Wohnung angebaut, deren Wirkstoff zu den verbotenen Betäubungsmitteln gehört.

Der Angeklagte kann nicht mit Geld umgehen

Seit über fünf Jahren steht der Angeklagte unter der Obhut zweier Betreuer. Beide schilderten eine positive Entwicklung ihres Schützlings. „Als ich ihn kennenlernte, war er völlig entwurzelt“, sagte einer der Betreuer. Nun habe sein Klient die Lehre abgeschlossen und arbeite ehrenamtlich, mache weder krank noch „blau“, erklärte der Sozialarbeiter. Jedoch könne er finanzielle Angelegenheiten nicht bewältigen. Daher bekomme er in der Woche 40 Euro Taschengeld. Alle anderen Zuwendungen, die derzeit noch von den Ämtern kommen, verwalten die Betreuer.

Das Vorstrafenregister des jungen Mannes beinhaltet „eine ganz Latte“ von Straftaten, so der Richter. Bei einem Delikt läuft die Bewährung noch. „Wie soll es weitergehen?“, fragte er den Angeklagten. Er werde wohl nur noch am Wochenende mal Marihuana rauchen, aber es falle ihm schwer, ganz aufzuhören. „Es ist, wie es ist, es ist verboten. Irgendwann führt Sie das nach Hinzistobel“, sagte der Richter dazu.

Polizei durchsucht Wohnung und findet Dorgen

Ein als Zeuge geladener Polizeibeamter bestätigte, dass bei der Durchsuchung der Wohnung des Angeklagten sowohl Ecstasy-Tabletten als auch die Pilze sichergestellt wurden. Die Aussage des Angeklagten, er habe die Drogen nicht verkaufen wollen, wertete die Staatsanwältin als reine Schutzbehauptung.

Zwar sei der Angeklagte in einer stabilen familiären Situation, jedoch bezweifle sie, dass er aufhöre mit den Drogen. Dazu sei er zu einschlägig vorbestraft. Daher kam eine Freiheitsstrafe auf Bewährung für die Staatsanwältin nicht in Frage.

Dieser Meinung war auch der Richter. „Ihre Bemühung und Entwicklung weiß ich durchaus zu schätzen“, sagte er in der Begründung seines Urteils. „Aber Sie sagten nicht, dass Sie hier einen Schlussstrich ziehen wollen.“

(Autorin: Claudia Bischofberger)