Wangen

Rekorde und große Aufgaben

OB Lang Rathausbalkon

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Bild: Susi Weber

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Neujahrsempfang Wangens Oberbürgermeister Lang spricht auf dem vollen Marktplatz über Herausforderungen in Stadtpolitik und Gesellschaft
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Von swe
02.01.2020 | Stand: 16:09 Uhr

Erneut füllten viele Menschen am ersten Tag des neuen Jahres den Marktplatz in Wangen, wohin die Stadt zum einem Empfang geladen hatte. Oberbürgermeister Michael Lang spannte in seiner Ansprache einen weiten Bogen von den 20er-Jahren des vergangenen Jahrhunderts über wichtige Stationen des Jahres 2019 bis zum neuen Jahr 2020. Er konnte sogar eine neuerliche Rekordmarke vermelden: 17,4 Millionen Euro hat die Stadt an Gewerbesteuern eingenommen – und damit das bisherige Höchstjahr 2017 übertroffen.

Nach Einschätzung Langs neigen die Menschen dazu, negative Entwicklungen groß und bedeutend zu sehen – positive Entwicklungen dagegen zu unterschätzen: „Nur, wenn wir auch die kleinen und normalen Dinge und Erfolge positiv wahrnehmen und würdigen, werden wir dem gerecht, was im Gesamten geschieht.“ Darum brauche es Menschen, die positiv denken und vernünftig handeln, die sich gegenseitig helfen und unterstützen und füreinander da sind.

Im Rückblick ging Lang auf viele Ereignisse des Jahres 2019 ein – angefangen bei den Schneemassen Anfang des Jahres bis hin zur Einweihung des neuen St. Vinzenz Pflegeheimes mit dem Umzug der Bewohner und Bewohnerinnen. Beschäftigt hat die Stadt auch die Sanierung der Karlstraße, die Bronzefigur von Maria Neff, letzte Eigentümerin der Eselmühle, und die Generalsanierung des Freibads: „Die Wiedereröffnung des komplett sanierten Bades ist für Mai 2020 eingeplant“, versprach das Stadtoberhaupt.

Eingeweiht wird im Sommer auch der Altbau des Rupert-Neß-Gymnasiums. „Der Kostenrahmen von 12,7 Millionen Euro wurde trotz der großen Probleme beim Gewerk der Fenster gehalten“, stellte Lang fest. Zu den Themen seines Rückblicks gehörten auch die Fridays-for-Future-Demonstrationen und neu freigegebene E-Ladesäulen. „Wangen investiert in den Klimaschutz und in nachhaltige Energie“, sagte Lang und nannte konkrete Projekte: Mehr als 3,5 Millionen Euro fließen in die derzeitige Großbaustelle und Wasserkraftanlage im Bereich Epplings-Kohlplatz, die im Frühjahr fertiggestellt sein soll. Daneben wird das Gelände der früheren Erba-Ausrüstung/NTW überplant. Die Baugenossenschaft Wangen hat 67 Mietwohnungen in zwei Gebäuden im Auwiesenweg vollendet, 51 Menschen sind bereits eingezogen.

Mit den Worten „Rekordverdächtig viel bewegt sich derzeit in unserer Stadt“ leitete Lang auf den Ausblick über: „Große Millionenbeträge fließen in die Bildungsinfrastruktur, Schulen und Kindergärten.“ Weiter belasten werde die Stadt das Nadelöhr Bahnübergang an der B32. Aber: „Die Planungen zur Beseitigung sind auf einem guten Weg.“ Allerdings sei auch weiterhin die Unterstützung aller Verkehrsbehörden von Bund und Land nötig, damit diese Verkehrsfrage „mit der Kernbaustelle nach der Landesgartenschau 2024“ geklärt werden könne. 2020 soll der provisorische Kreisverkehr an der Isnyer Kreuzung angegangen – und die Standortfrage der neuen Sporthalle als Ersatzbau für die Städtische Sporthalle abgeschlossen werden.

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Vor nunmehr zehn Jahren hat die Stadt den Zuschlag für die Landesgartenschau 2024 erhalten. Das Thema wird nun immer konkreter. Es sei gut, dass sich das Bild der früheren Erba-Spinnerei derzeit gewaltig ändere, sagte Lang. Im Frühjahr werden in die historischen Arbeiterhäuser neue Bewohner einziehen. Das neue Parkhaus wurde beim Silvesterkonzert erstmals genutzt.

Und noch eine erfreuliche Nachricht hatte Lang mit im Gepäck: „Neue Flächen für Wohnungsbau im Bereich Erba und Auwiesen sowie neu entstehende Gewerbeflächen auf dem früheren Webereigelände werden uns dauerhafte, zusätzliche Steuereinnahmen ermöglichen.“ Langs Rechnung: Geht man von 1000 zusätzlichen Einwohnern und rund 200 Arbeitsplätzen aus, dann entsteht in diesem Gebiet eine zusätzliche Steuerkraft von 1,3 bis 1,5 Millionen Euro pro Jahr: „Damit lassen sich auch notwendige Kredite finanzieren, die wir in diesen Zeiten benötigen.“

Laut dem Oberbürgermeister steht die Stadt vor großen Herausforderungen. Sie stelle sich darauf ein, dass die Mittel in den nächsten Jahren knapp werden. Sich mit dieser Situation zu beschäftigen, gehöre zu den Aufgaben des Jahres 2020. „Wir wünschen uns keine ,Goldenen Zwanziger’, weil wir heute wissen, was darauf im letzten Jahrhundert folgte“, sagte Lang.

Damit bezog er sich auf seine Schilderung der Zeit vor 100 Jahren, mit der er seine Ansprache begonnen hatte: Damals hatte die noch junge Demokratie der Weimarer Republik einen zunächst guten Start. „Aber sie war im Inneren politisch nicht stabil“, erklärte Michael Lang. Die 1920er-Jahre endeten mit einer Wirtschaftskrise, sechs Millionen Menschen wurden arbeitslos. „Dennoch spricht man im Rückblick von den ’Goldenen Zwanzigern’“, sagte Lang und ergänzte: „Ich wünsche mir, dass das verteidigt wird, was goldene Zeiten ausmacht: nämlich das Leben in Freiheit, Sicherheit, in einer gefestigten Demokratie.“ Dafür gelte es, Werte wie Menschlichkeit und Gelassenheit zu bewahren. „Hass darf sich als Mittel der akzeptierten Politik nicht durchsetzen.“

Die Bewirtung beim Neujahrsempfang erbrachte einen Erlös von 1150 Euro. Mit dieser Summe wird Käse in örtlichen Käsereien gekauft, um ihn im Tafelladen günstig anbieten zu können.