Corona und Religion

So feiern gläubige Westallgäuer Fronleichnam trotz Corona

Fronleichnam

Bunt und fröhlich gestaltet sich das Fronleichnam-Fest in vielen Westallgäuer Gemeinden wie Scheffau. Das Bild ist vor einigen Jahren entstanden.

Bild: Manfred Sendlinger

Bunt und fröhlich gestaltet sich das Fronleichnam-Fest in vielen Westallgäuer Gemeinden wie Scheffau. Das Bild ist vor einigen Jahren entstanden.

Bild: Manfred Sendlinger

Wegen der Pandemie ist vieles an Fronleichnam nicht erlaubt. Welche Alternativen sich Westallgäuer Katholiken überlegt haben - und wie die Stimmung unter ihnen ist.

10.06.2020 | Stand: 17:58 Uhr

Fronleichnam bleibt dank blumengeschmückter Kirchen fast überall im Westallgäu bunt. Doch den religiösen Umzug, die Prozession, wird es heuer nicht geben. Das Coronavirus sorgt dafür, dass das Hochfest des Leibes und Blutes Christi heuer nur in komprimierter Form stattfinden kann.

Jährlich besuchen Pfarrer, Ministranten und andere Gläubige nach einer heiligen Messe vier mit Blumenteppichen verzierte Altare, während sie Evangelien lesen, Fürbitten aussprechen und Lieder singen. Eine Kapelle begleitet den Umzug. Im Mittelpunkt steht an Fronleichnam das Allerheiligste – eine spezielle Hostie, die in einer Monstranz, einem verzierten Schaugefäß, steckt und den Leib Christi darstellt.

Religiöse Bilder aus Blumen in den Westallgäuer Gemeinden 

„Es ist sehr schade, dass wir nicht in der festlichen und würdigen Form wie sonst feiern können“, bedauert Monika Sutter, Pfarrgemeinderatsvorsitzende in Weiler. „Aber wir machen das Beste daraus.“ Die Kirchen der Pfarreiengemeinschaft Weiler-Simmerberg sollen laut Sutter dem Feiertag entsprechend geschmückt werden – bunt, mit vielen Blumen, wie es die Tradition vorsieht. „Die Pflanzen sind eine bildliche Darstellung des Glaubens. Fronleichnam eine Verehrung für Jesus“, erklärt Sutter. So gibt es beispielsweise die typischen, bildhaften Blumenteppiche, die unter anderem die heilige Maria, ein Kreuz oder Brot und Wein darstellen, ausschließlich an diesem Feiertag. Das Allerheiligste wird in Weiler in der Kirche vor einem statt vier Altaren verehrt.

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Doch nicht nur die Prozession, die Gebete und die Verehrung sind Bestandteil Fronleichnams: Menschen aus der Gemeinde kehren danach meist zusammen in einer Wirtschaft ein und feiern den Tag zünftig. „Das gehört auch dazu. Normalerweise sitzen wir gegen dreiviertel Elf beim Frühschoppen“, sagt Sutter humorvoll.

Dekan Thomas Renftle: Gläubige gewöhnen sich an Gottesdienste in Corona-Zeiten

„Das Ganze ist zwar schade, aber kein großes Drama“, sagt Dekan Thomas Renftle. „Die Kirchgänger sind die Gottesdienste unter Auflagen seit Wochen gewöhnt.“ Renftle glaubt daher nicht, dass Corona der Stimmung an Fronleichnam einen Abbruch tut. „Die Gläubigen mögen das Frohe bei diesem Fest. Das geht in der Kirche vielleicht ein wenig verloren“, sagt Renftle. Fronleichnam werde aber ohnehin ab und an in der Kirche gefeiert, wenn das Wetter schlecht ist. Allerdings ist Renftles Gesamteindruck, dass wegen Corona nach wie vor weniger Menschen in die Kirche gehen.

Pfarrer Martin Weber glaubt, dass Fronleichnam schön wird in der Pfarreiengemeinschaft Heimenkirch, wo er predigt. Eine Prozession findet zwar nicht statt, jedoch eine „kleine Form“ davon, wie Weber den Gottesdienst beschreibt. „Wir wollen uns natürlich an die Richtlinien halten“, sagt er. Aber seit die Coronakrise besteht, „haben wir ausgeschöpft, was für uns als Pfarreiengemeinschaft möglich war.“

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An Fronleichnam soll sich an dieser Einstellung nichts ändern: In Heimenkirch, Opfenbach, Maria-Thann und Wohmbrechts feiern die maximal 50 Gläubigen im Freien, zwei Altäre bilden einen Kompromiss zusammen mit der Änderung, dass die Priester und Ministranten um die Menschen herumlaufen und so die Messe abhalten. „Auch ein kleines Musikensemble spielt“, freut sich Weber. Eine Richtlinie der Diözese Augsburg begrenzt die Zahl an Musikern auf fünf, Abstandsregeln gelten ebenso wie beim gesamten Gottesdienst. Auch ein Blumenteppich ist geplant.

Das Fronleichnam-Gefühl soll in Lindenberg und am Pfänderrücken trotzdem aufkommen

Die Pfarreiengemeinschaft Pfänderrücken möchte den Gottesdienst am Donnerstag so gestalten, „dass etwas von Fronleichnam zu spüren ist“, beschreibt es Pfarrer Joachim Gaida. Damit das klappt, endet die Zusammenkunft im Freien: „Ein Priester, unter anderem ich, wird am Schluss mit der Monstranz vor die Kirche treten und den eucharistischen Segen geben“, erklärt der Pfarrer. Blumenteppiche wird es allerdings nicht geben. Die Gläubigen beschränken sich bei den Gebeten auf einen Altar, außerdem soll der Gottesdienst nicht viel länger als eine Stunde dauern.

„Wie die Stimmung dann sein wird, kann ich noch nicht sagen“, sagt Gaida. „Aber nach den ersten Gottesdiensten und Christi Himmelfahrt kann ich sagen, dass sie dort positiv war.“ Die eigenartige Situation nimmt Gaida in Kauf, denn letztlich überwiege die Freude, dass er wieder Gottesdienste abhalten darf. Auch anderen Gläubigen ginge es so: Laut Gaida sind sie einfach glücklich, wenn die Menschen wieder einen Gottesdienst besuchen. „Wir Gläubigen wissen, dass die Maßnahmen nötig sind – so wie in anderen Bereichen auch“, sagt er.