Scheidegg

Soll Scheidegg das Feriendorf Saarland abreißen?

Feriendorf KInberg

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Bild: Caroline Mittermeier

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Flächenfraß Der Bund Naturschutz schlägt das der Gemeinde vor. Mit einer Renaturierung könne sie ein „einmaliges Signal“ senden. Bürgermeister Uli Pfanner lehnt das ab und argumentiert dabei auch mit dem Klimaschutz
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Von pem
07.10.2019 | Stand: 15:22 Uhr

Die Gemeinde Scheidegg soll das frühere Feriendorf Saarland in Ostkinberg abreißen und das Gelände renaturieren. Das schlägt der Bund Naturschutz vor. Dessen Kreisvorsitzender Erich Jörg spricht von einem „Leuchtturmprojekt“, das Scheidegg schaffen könnte. Bürgermeister Ulrich Pfanner hat das Ansinnen postwendend abgelehnt. Er verweist auf die Verantwortung der politisch Handelnden für die Finanzen der Gemeinde. „Eine Renaturierung und Aufgabe der bestehenden rechtlich zulässigen Nutzung des Geländes käme wirtschaftlich beinahe einem Totalverlust gleich“, schreibt er. Pfanner argumentiert allerdings auch mit dem Flächenverbrauch, wenn es um die künftige Nutzung des Areals geht.

Das Feriendorf gehört seit dem Jahr 2012 der Marktgemeinde. Sie hat es damals von einem Insolvenzverwalter übernommen. Der rechtsgültige Bebauungsplan sieht für das Areal eine touristische Nutzung vor. Die hat die Gemeinde auch im Sinn. Sie strebt eine Anlage für Familien an. Seit geraumer Zeit laufen Gespräche mit einem Projektentwickler, die aus Sicht der Gemeinde auch erfolgversprechend sind.

Ursprünglich wollte die Gemeinde das Thema heuer weiter vorantreiben. Allerdings ist es in der Priorität etwas nach hinten gerutscht. Grund: Die Gemeinde arbeitet aktuell an einem Projekt für altengerechtes Wohnen am Seniorenheim St. Vinzenz. Ein entsprechender Bebauungsplan soll demnächst auf den Weg gebracht werden, bestätigt Bürgermeister Pfanner. „Das beschäftigt uns intensiv.“

Freilich will die Verwaltung auch eine Nachnutzung des Feriendorf-Areals weiter verfolgen. Dagegen regt der BN eine Renaturierung der Flächen an. Damit könne Scheidegg bundesweit punkten und ein einmaliges Signal setzen, wie dem Flächenfraß begegnet werden kann, schreibt Jörg. Die bayerische Staatsregierung, so der BN-Kreisvorsitzende, „würde das gebührend zur Kenntnis nehmen“. Grundsätzlich sieht Jörg den Tourismus an einer Grenze angelangt. Und er zweifelt angesichts der 550 000 Übernachtungen in Scheidegg am Sinn weiteren Wachstums. „Besteht nicht die Gefahr, mit dem Aus- und Neubau von neuen Ferienanlagen einen Übertourismus zu erzeugen?“, schreibt Jörg.

Den „20-jährigen Stillstand am Ostkinberg“ wertet er als Zeichen für eine Sättigung des Tourismusmarktes für Ferienanlagen in freier Landschaft und bezweifelt, dass die Gemeinde einen Investor und Betreiber findet. In seinem Schreiben an den Bürgermeister verweist er auch auf die Bemühungen der Gemeinde in Sachen Energieeinsparung und Erzeugung von Ökostrom. Jörg: „Mit der Renaturierung könnte der Markt Scheidegg in einem weiteren Umweltschutzsegment eine herausragende Vorreiterrolle einnehmen.“ Mit einem entsprechendenden Vorschlag war der BN allerdings bereits vor fünf Jahren gescheitert. Das ist wohl auch diesmal so. Jedenfalls weist der Rathauschef das Ansinnen zurück. Bürgermeister und Gemeinderäte seien verpflichtet, sorgsam mit dem Vermögen des Marktes umzugehen. Dazu gehöre es, Vermögensverluste zu vermeiden, schreibt Pfanner. Bei Verstößen könnten die politisch Handelnden – Bürgermeister und Gemeinderäte – aber auch leitende Verwaltungsangestellte, schadensersatzpflichtig werden.

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Zudem argumentiert der Bürgermeister auch mit dem Naturschutz. Im Zeitalter des weltweiten Tourismus’ und einer beginnenden Klimaerwärmung werde sich der Tourismussektor stark wandeln. Urlaub zu Hause beziehungsweise im eigenen Land werde weiter zunehmen und dazu beitragen, den CO2-Ausstoß zu senken.

Um die nötigen Beherbergungskapazitäten zu schaffen, sei es grundsätzlich sinnvoll, brach liegendes Gelände zu nutzen. „Hier habe ich bereits eine gefressene Fläche“, sagt Pfanner. Und sollte der Markt tatsächlich gesättigt sein, wie Jörg annehme, werde sich kein Investor und Betreiber finden. Andernfalls „können wir einen Beitrag zu einem sinnvollen, regionalen und dadurch auch ökologischen Tourismusangebot leisten“.