Lindenberg

Stadtwerke Lindenberg bauen Gastanks ab: Was geschieht damit?

Stadtwerke

Die pillenförmigen Gastanks auf dem hinteren Teil des Betriebsgeländes werden nicht mehr benötigt. Die Stadtwerke Lindenberg bauen sie deshalb ab.

Bild: Benjamin Schwärzler

Die pillenförmigen Gastanks auf dem hinteren Teil des Betriebsgeländes werden nicht mehr benötigt. Die Stadtwerke Lindenberg bauen sie deshalb ab.

Bild: Benjamin Schwärzler

Das Betriebsgelände ist derzeit eine große Baustelle. Ein anderes Projekt beginnt bald in Steibis. Was der Energieversorger dort vorhat und sonst noch so plant.

06.06.2020 | Stand: 12:08 Uhr

Zwischen den Erdhügeln und dem Bauschutt wirken die pillenförmigen Behälter wie historische U-Boote, die gestrandet sind. Ein bisschen aus der Zeit gefallen sind sie tatsächlich. Die Stadtwerke Lindenberg haben keine Verwendung mehr für die alten Gastanks. Daher gleicht der hintere Bereich des Betriebsgeländes gerade einer großen Baustelle. Die Tanks werden abgebaut – und die Fläche in eine grüne Wiese „ohne weitere Nutzung“ verwandelt, wie Stadtwerke-Chef Markus Mischke erklärt. Sie bleibt aber eingezäunt.

Gastanks waren eine Art Notvorrat für den Winter

Der hintere Bereich des Werksgeländes, das vom Geh- und Radweg in Richtung Scheidegg gut einsehbar ist, wurde seit jeher für die Lagerung von Gas genutzt. Einst standen hier mächtige Glockengasbehälter, die doppelt so hoch waren wie das eigentliche Gebäude. Laut Mischke sind sie zwischen den beiden Weltkriegen errichtet worden und waren bis in die 60er-Jahre in Betrieb. Ihre Fundamente blieben bis heute erhalten. Danach wurden dort oberirdische und unterirdische Gastanks installiert. Sie dienten lange Zeit als eine Art Notvorrat für den Winter – wie der Extrastapel Brennholz im Keller für den Kachelofen. „Bis vor zehn Jahren wurden damit im kalten Winter die Spitzen beim Verbrauch abgefangen“, sagt Mischke. Dadurch mussten die Stadtwerke kein Gas zukaufen und konnten die Preise stabil halten.

„Das ist inzwischen nicht mehr notwendig“, sagt Mischke. Inzwischen gebe es andere Lieferverträge. Zudem sei das Volumen der Gastanks vergleichsweise klein: Die sieben Behälter fassen insgesamt rund 1550 Kubikmeter. Das entspricht in etwa dem, was ein Einfamilienhaus in einem Jahr an Gas verbraucht. Zum Vergleich: Die Stadtwerke haben rund 4775 Erdgas-Kunden in ihrem Versorgungsgebiet.

Die ausrangierten Gastanks wird das Unternehmen veräußern. Dafür gibt es einen regelrechten Gebrauchtmarkt mit spezialisierten Händlern. Diese verkaufen die Tanks etwa an Kommunen weiter, welche diese als Löschwassertanks verwenden. Die drei noch vergrabenen unterirdischen Tanks werden Ende Juni oder Anfang Juli mit einem großen Kran gehoben und auf einen mächtigen Transporter verladen. Der Abtransport dürfte eine logistische Herausforderung werden – vor allem beim Einbiegen von der Austraße in die Hauptstraße.

Auch Steibis wird künftig mit Erdgas versorgt

Die Baustelle auf dem Firmengelände ist die offensichtlichste Baustelle des Energieversorgers. Nicht aber die wichtigste. Die liegt im Oberallgäu: In diesem Sommer werden die Stadtwerke Lindenberg den Ort Steibis an ihr Erdgasnetz anschließen. Dort werden künftig fast 60 Haushalte versorgt. „Das ist eine deutlich höhere Resonanz als erwartet“, sagt Mischke. Das zu Oberstaufen gehörende Steibis anzuschließen, sei bereits vor 20 Jahren angedacht gewesen. Nun klappt es endlich. „Bei so etwas sind wir immer von den politischen Rahmenbedingungen abhängig“, sagt Mischke.

Das gilt auch für ein weiteres Projekt. Die Stadtwerke wollen das Dach des Hochbehälters auf der Rieder Höhe und das Betriebsgebäude in der Austraße mit Photovoltaikanlagen ausstatten. „Die Pläne sind fix und fertig“, sagt er. Allerdings gibt es noch Unklarheiten bezüglich der Vergütung. Hier warte man auf das grüne Licht der „großen Politik“. Die erzeugte Energie soll ins Netz eingespeist werden. „Unser Verbrauch vor Ort ist gering“, so Mischke. Die Stadtwerke wollen in Sachen Nachhaltigkeit mit gutem Beispiel vorangehen.

Stadtwerke Lindenberg sind gut durch die Corona-Krise gekommen

Bislang sind die Stadtwerke gut durch die Corona-Krise gekommen. Die 14 Mitarbeiter arbeiten wieder im normalen Turnus. Auch das Kundencenter ist wieder zugänglich. Allerdings haben die Stadtwerke beim Gasverbrauch im April einen Rückgang um fast 20 Prozent festgestellt. Einerseits, weil Betriebe aufgrund von Corona weniger produziert haben. Andererseits aber auch, weil der April deutlich wärmer gewesen sei als im Vorjahr. Was das für die Gesamtbilanz bedeutet, kann Mischke noch nicht sagen: „Wir werden sehen, ob Nachholeffekte eintreten.“

In den vergangenen Wochen haben die Stadtwerke auch eine neue Homepage gestaltet. Diese soll demnächst online gehen. „Wir wollen sie im zweiten Schritt zu einem Kundenportal ausbauen“, sagt Mischke. Denn gerade während Corona habe man gesehen, wie wichtig es ist, den Kundenverkehr elektronisch abwickeln zu können.

Das Unternehmen in Zahlen

  • Die Stadtwerke Lindenberg versorgen sieben Kommunen mit Erdgas: Lindenberg, Weiler-Simmerberg, Scheidegg, Röthenbach, Oberreute, Stiefenhofen und Oberstaufen.
  • Zu seinen 4775 Kunden transportiert der Energieversorger pro Jahr rund 227 Millionen Kilowattstunden Erdgas.
  • Zudem versorgen die Stadtwerke rund 2400 Haushalte in Lindenberg mit Wasser.
  • Durch das 126 Kilometer lange Leitungsnetz fließen pro Jahr rund 687000 Kubikmeter Wasser.