Winterwetter

Straßensperrungen, Baumstürze: So hart traf das Schnee-Chaos Westallgäu und Umgebung

Das Winterwetter machte auch Westallgäuern zu schaffen.

Das Winterwetter machte auch Westallgäuern zu schaffen.

Bild: Olaf Winkler

Das Winterwetter machte auch Westallgäuern zu schaffen.

Bild: Olaf Winkler

Der Schnee macht Straßen im Westallgäu teils nicht befahrbar. Vertreter von Bauhöfen, Müllabfuhr, Polizei und Feuerwehr erklären die Lage in der Region.
Das Winterwetter machte auch Westallgäuern zu schaffen.
Von Redaktion Der Westallgäuer
14.01.2021 | Stand: 18:06 Uhr

Im Schneckentempo über dick verschneite Straßen fahren, teilweise schlittern. Sich gefühlt millimeterweise Steigungen hochkämpfen. Eventuell das ein oder andere Stoßgebet Richtung Himmel schicken oder das Lenkrad verkrampft festhalten. Wenn ein Lastwagen hängen geblieben oder ein Baum Richtung Fahrbahn gestürzt ist und man an ihm vorbei soll, sind das erschwerte Bedingungen. Stundenlang im Stau ausharren und nicht wissen, wann und wie es weitergeht. Das erlebten Auto- und Lastwagenfahrer am Donnerstag im Westallgäu.

Aber auch die, die nicht auf die Straße mussten, hatten mit der weißen Pracht zu kämpfen. Schneeschippen in Dauerschleife war angesagt angesichts von 70 Zentimeter Niederschlag. Das nahmen die Westallgäuer aber meist recht gelassen. Sprüche wie „Da braucht man nicht zu überlegen, was man heute tut“, „Jetzt haben wir etwas Arbeit“ und „Mal schauen, wann wir aufs Dach müssen“ waren beispielsweise bei einem Rundgang durch das verschneite Grünenbach zu hören.

500 Fahrzeuge hängen bei Lindau fest

Wie schon am Dienstag ist der Verkehr auf der A 96 zwischen Lindau und München lahmgelegt worden. Nach Angaben der Polizei kam es zwischen der Landesgrenze und der Autobahnausfahrt Sigmarszell ab etwa 8.30 Uhr wegen festgefahrener Lastwagen zu Stau. Thomas Steur, Chef der Lindauer Polizeiinspektion, sprach von etwa 500 Fahrzeugen, die stundenlang nicht weiterkamen. Auch für Polizei und Räumfahrzeuge gab es kein Durchkommen. Die Polizei sperrte teilweise die Autobahn.

Richtung Österreich war die Strecke zwar frei – Vorarlberger Beamte leiteten den Verkehr bei Lindau jedoch ab. Dies führte zu überlasteten Ausweichstrecken im Stadtgebiet Lindau. Die Polizei sperrte die Steigung am Schönbühl, da dort Autos hängen blieben beziehungsweise ins Rutschen gerieten. Insgesamt wurden im Landkreis Lindau zehn Verkehrsunfälle mit Sachschaden verzeichnet.

Wangen-West-Abfahrt der A 96 gesperrt

Den gesamten Vormittag über war an der A 96 aus Richtung Memmingen die Abfahrt Wangen-West gesperrt, da festgefahrene Lkw ein Weiterkommen unmöglich machten. Im gesamten Zuständigkeitsbereich des Verkehrsdienstes Kißlegg auf dem Autobahnabschnitt der A 96 in Baden-Württemberg blockierten noch am frühen Abend in beiden Richtungen liegen gebliebene Lkw die rechten Fahrspuren. Für kleinere Fahrzeuge stand zumindest eine Spur zur Verfügung, ein Vorankommen war jedoch ebenfalls nur erschwert möglich.

Schnee Grünenbach
Schnee Grünenbach
Bild: Olaf Winkler

Mehrere Landes- und Kreisstraßen zwischen Allgäu und Bodensee waren nicht passierbar, entweder aufgrund der Schneelage selbst oder aufgrund von Schneebruch, da insbesondere in Waldgebieten Bäume der Schneelast teilweise nicht mehr standhielten und umstürzten.

Zwischen 6 und 15 Uhr registrierte das Führungs- und Lagezentrum im Polizeipräsidium Ravensburg 124 Verkehrsunfälle, davon 70 im Landkreis Ravensburg. In den meisten Fällen entstand glücklicherweise nur Sachschaden.

Lindauer Bauhof startete in der Nacht mit Schnee-Räumarbeiten

Der Lindauer Bauhof war nach Aussage von Jürgen Widmer, Pressesprecher der Stadt, seit 3.30 Uhr im Einsatz. Von Straßenmeisterei und Autobahnmeisterei seien Anfragen zur Amtshilfe gekommen. Widmer sagte jedoch bereits am Donnerstagvormittag: „Sie werden nicht alles schaffen, dafür ist es einfach zu viel.“

Schneefall
Schneefall
Bild: Peter Mittermeier

Bis Donnerstagmittag wurden der Polizei in Lindau vier Unfälle mit Sachschaden gemeldet, verletzt wurde niemand. Der Schnee machte auch den Lastwagenfahrern im Westallgäu zu schaffen. „Es sind jede Menge Lastwagen liegen geblieben“, sagte ein Sprecher der Polizei Lindenberg. Besonders betroffene Stellen gab es nicht. Bei dem Wetter seien die Fahrzeuge an diversen Stellen hängen geblieben. Die Polizei appellierte deshalb an Lastwagenfahrer, ihre Fahrt zu unterbrechen, bis sich die Straßenverhältnisse verbessern. Auch Autofahrer sollten, wenn möglich, auf Fahrten verzichten. Schneekettenpflicht bestand beispielsweise für die Alpenstraße zwischen Oberstaufen und Simmerberg.

Feuerwehren im Westallgäu überrascht - trotz umgestürzter Bäume

Die Westallgäuer Feuerwehren waren überraschend wenig gefordert. Am frühen Nachmittag mussten bei Ebratshofen zwei auf die Straße gestürzte Bäume beseitigt werden, berichtete Kreisbrandinspektor Paul Sporrädle. Bei Grünenbach – etwa 300 Meter entfernt vom Feuerwehrhaus – rutschte ein Auto in den Graben und fuhr sich dort fest. Auch in diesem Fall half die Feuerwehr. Die Gefahr, dass Dächer wegen der Schneelast nachgeben könnten, sieht Sporrädle derzeit noch nicht. Er hat allerdings eine Bitte: Die Bürger sollen die Hydranten freischaufeln, damit im Falle eines Brandes die Löschwasserentnahme sichergestellt ist.

Die Schneepflüge rollten am Donnerstag im Dauereinsatz. Bereits um 4 Uhr waren Mitarbeiter des Lindenberger Bauhofs damit beschäftigt, die Straßen freizuräumen. „Der ziemlich schwere Schnee erschwert die Arbeit“, sagte Bauhofleiter Richard Herz. In Lindenberg stiegen die Temperaturen in der Nacht kurzzeitig auf etwa ein Grad plus. „Das ließ den Schnee anschmelzen“, erklärte Herz. Am Steuer von zehn Schneepflügen sowie ausgestattet mit einigen Fräsen und Schaufeln waren alle 18 Bauhofmitarbeiter unterwegs.

Schneehaufen sorgen für Straßen-Probleme in Lindenberg

Große Schneehaufen ließen die Straßenbreite in Lindenberg stetig schrumpfen. „Jeder will natürlich so schnell wie möglich seinen Schnee vom Grundstück schaffen“, sagte der Bauhofleiter. „Der wird dann einfach auf die Straßen geräumt.“ Autofahrer hatten es in der Folge schwer, sich zu ihrem Zielort zu schlängeln.

Die schneebedeckten Straßen sorgten außerdem für kleinere Verspätungen bei der Müllabfuhr. „Wir nehmen mit, was zugänglich ist und nicht unter einem Schneeberg liegt“, erklärte Markus Pranke, Geschäftsführer von Fischer Recycling Lindau. Auf dem Programm stehe aber selbst bei hartem Winterwetter die normale Tour. „Vielleicht gibt es nachträglich einen zusätzlich Tag, an dem wir rausfahren“, erklärt Pranke. Größere Probleme und Umplanungen gab es bei der Müllabfuhr am Donnerstag nicht.

Schnee Grünenbach
Schnee Grünenbach
Bild: Olaf Winkler

Zu tun hatten auch die Mitarbeiter der E-Netze Allgäu. Sie mussten am Donnerstag ihr fast 90 Kilometer langes Freileitungsnetz abgehen und – wo es notwendig war – durch „Abklopfen“ der Masten die Leiterseile von Schneelasten befreien. „Dies stellt eine vorsorgliche Maßnahme dar, um die Versorgungssicherheit zu gewährleisten“, sagte Sprecher Andreas Neuhauser von den Vorarlberger Kraftwerken.