Beratung

Telefonaktion: Sozialstationen Westallgäu beraten zum Thema Demenz

Zusammen mit Cathrine Herter von der Sozialstation Lindau steht Irmgard Wehle-Woll mit der Kontaktstelle Demenzhilfe Betroffenen bei Sorgen, Nöten und Fragen rund um das Thema Demenz zur Seite.

Zusammen mit Cathrine Herter von der Sozialstation Lindau steht Irmgard Wehle-Woll mit der Kontaktstelle Demenzhilfe Betroffenen bei Sorgen, Nöten und Fragen rund um das Thema Demenz zur Seite.

Bild: Ruth Ploessel (Archivbild)

Zusammen mit Cathrine Herter von der Sozialstation Lindau steht Irmgard Wehle-Woll mit der Kontaktstelle Demenzhilfe Betroffenen bei Sorgen, Nöten und Fragen rund um das Thema Demenz zur Seite.

Bild: Ruth Ploessel (Archivbild)

Die Sozialstationen Westallgäu und Lindau bieten mit einer Telefonaktion Angehörigen und Betroffenen rund um das Thema Demenz Unterstützung. Durch Corona sind pflegende Familienangehörige besonders stark getroffen
20.09.2020 | Stand: 12:03 Uhr

Eine Demenzerkrankung stellt nicht nur Betroffene, sondern insbesondere auch deren Angehörige vor große Herausforderungen. Der Partner verändert sich, die Eltern benötigen Pflege. Mit Corona sind jedoch viele Betreuungsangebote weggefallen. „Pflegende Angehörigen sind oftmals am Ende ihrer Kräfte“, sagt Irmgard Wehle-Woll von der Caritas Sozialstation im Westallgäu. Zusammen mit Cathrine Herter von der Sozialstation Lindau steht sie mit der Kontaktstelle Demenzhilfe Betroffenen bei Sorgen, Nöten und Fragen rund um das Thema Demenz zur Seite. Mit einer Telefonaktion zum internationalen Demenztag wollen sie zeigen: „Wir sind für euch da.“

Wehle-Woll über Demenz: "Es hat sich viel getan"

In Sachen Demenz hat sich in den vergangenen Jahren viel getan, findet Wehle-Woll. Die Krankheit sei in das Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt, Betroffenen werde mehr Teilhabe ermöglicht. „Doch mit Corona kam alles zum Stillstand“, sagt Wehle-Woll. Mit der Kurzzeit- und Tagespflege sind wichtige Hilfssysteme weggebrochen. „Angehörige standen auf einmal vor der Herausforderung, ihre Familienmitglieder rund um die Uhr pflegen zu müssen“, sagt Herter. „Auch Kinder und Enkel konnten nicht mal eben einspringen, da die sozialen Kontakte stark eingeschränkt wurden.“

Wehle-Woll und Herter wissen um die Herausforderungen und Probleme, die diese Situation mit sich bringt. Sie wissen aber auch, dass viele zögern, um Hilfe zu bitten. „Wir wollen Angehörige und Betroffene unterstützen“, sagt Wehle-Woll. So etwas könne nur gemeinsam bewältigt werden. „Wir müssen reden“ lautet das Motto des diesjährigen Demenztages. „Wir wollen miteinander ins Gespräch kommen“, sagen Wehle-Woll und Herter.

Betroffene aus dem Landkreis Lindau können sich Telefonisch melden

Normalerweise werden anlässlich des Demenztages besondere Aktionen organisiert wie Fachvorträge, Büchertische und Autorenlesungen. Doch das ist dieses Jahr wegen Corona nicht möglich. Deshalb starten Wehle-Woll und Herter am Dienstag, 22. September, von 16 bis 20 Uhr eine Telefonaktion. Anrufen könne jeder, der Fragen, Sorgen oder Probleme rund um das Thema Demenz hat. „Wir haben ein offenes Ohr“, sagt Herter. Betroffene aus dem unteren Landkreis wenden sich am besten nach Lindau, Betroffene aus dem oberen nach Lindenberg. „So können wir auch die passenden Hilfestellungen geben“, sagt Wehle-Woll. Die Zeit sei bewusst am Abend gewählt worden, sodass auch Berufstätige anrufen können. „Natürlich sind wir auch an allen anderen Tagen für Hilfesuchende da“, betont Herter.

Ob bei der Pflegeversicherung, einer Vollmacht, Anträgen bei der Krankenkasse oder Vorsorgemaßnahmen: Die Beraterinnen kennen sich im „Pflege-Dschungel“ aus und helfen weiter, wo sie können. „Wir sind aber auch dafür da, dass Angehörige einfach mal ihren Ballast ablassen können“, sagt Wehle-Woll. Sie vergleicht die Beratung mit dem Gespräch mit einer Freundin. „Nachdem man alles rausgelassen hat, geht’s einem besser.“

Betreuungsgruppe findet im Westallgäu trotz Corona statt

Trotz Corona bieten die Kontaktstellen Demenzhilfe mittlerweile wieder Hilfsangebote an. In Lindenberg, Weiler, Opfenbach und Lindau findet beispielsweise einmal im Monat eine Angehörigengruppe statt. Bei begrenzter Teilnehmerzahl und nach telefonischer Anmeldung können sich dort pflegende Angehörige austauschen. Auch die Betreuungsgruppen im oberen Landkreis finden wieder statt – „wenn auch in minimierter Form“, sagt Wehle-Woll. Fünf Gäste, die an Demenz erkrankt sind, kommen einmal die Woche. Die Abstandsregeln und die Maskenpflicht müssen dabei eingehalten werden. „Das klappt hervorragend“, sagt Wehle-Woll. Auch in Lindau soll die Betreuungsgruppe Ende September wieder geöffnet werden, sagt Herter.

„Wir helfen Angehörigen, sich in die Welt eines Demenzkranken reinzuversetzen“, sagt Wehle-Woll. Und wenn man diesen neuen Zugang findet, können dabei positive Erfahrungen rauskommen.