Diskussion um Verkehr im Landkreis Lindau

Tempolimit in Weiler-Simmerberg: "Wer hier die erlaubten 30 km/h fährt, ist zu schnell"

Weiler Ignaz-Dornach-Straße

Die Ignaz-Dornach-Straße in Weiler ist teilweise nur fünf Meter breit und verfügt über keinen Gehweg.

Bild: Olaf Winkler

Die Ignaz-Dornach-Straße in Weiler ist teilweise nur fünf Meter breit und verfügt über keinen Gehweg.

Bild: Olaf Winkler

Weiler-Simmerberg möchte die Sicherheit für Fußgänger und Radfahrer erhöhen. Unter anderem geht es um Tempo-30-Zonen. Rechtlich sind die aber kaum umzusetzen.
05.07.2021 | Stand: 18:14 Uhr

Den Straßenverkehr insbesondere für Fußgänger und Radfahrer sicherer zu machen: Das ist das Ziel eines von den Freien Wählern im Gemeinderat angestoßenen Verkehrskonzeptes. Alle Fraktionen haben dazu Vorschläge gemacht. Eine Liste mit 46 Maßnahmen in Weiler und Simmerberg hat der Bauausschuss jetzt verabschiedet. Bei zahlreichen Punkten machte Sebastian Wiencek von der Polizeiinspektion Lindenberg den Räten aber wenig Hoffnung auf eine Umsetzung.

Die Freien Wähler fordern Tempo 40 auf der durch Weiler führenden Staatsstraße 2001 und der Kreisstraße LI 4 in Simmerberg. SPD und CSU plädieren für Tempo 30 in verschiedenen Bereichen. Doch Polizist Sebastian Wiencek machte deutlich: „Das sieht der Gesetzgeber nicht vor.“ Auf innerörtlichen Hauptstraßen – und dazu zählen Bundes-, Staats- und Kreisstraßen – sei eine Geschwindigkeit von 50 Stundenkilometer Standard. Von dem könne im direkten Umfeld beispielsweise vor Seniorenheimen, Schulen oder Kindergärten abgewichen werden. Doch die gibt es in Weiler-Simmerberg direkt an Hauptstraßen nicht.

Tempo 30 in Weiler-Simmerberg hat keine rechtliche Grundlage

Zudem seien Temporeduzierungen nur vorstellbar, wenn „eine besondere Gefahrenlage dies begründet“. Das sei weder in Weiler noch in Simmerberg der Fall. „Es gibt hier keinen Unfallschwerpunkt“. Und es werde auch nicht zu schnell gefahren, erklärte Wiencek. Das habe eine verdeckte Messung in der Bregenzer Straße in Weiler gezeigt. Während einer Woche fuhren 60 Prozent der gemessenen Fahrzeuge weniger als 50 Kilometer pro Stunde. 32,5 Prozent waren mit maximal Tempo 58 und 6,6 Prozent mit maximal 71 Stundenkilometern unterwegs. „Es reicht schon einer, der zu schnell fährt“, argumentierte dagegen Margot Hodrius (FW).

Die Vorschlagsliste umfasst neben den Geschwindigkeitsreduzierungen vor allem auch Überquerungshilfen, Radschutzstreifen und Fahrbahnanhebungen. Für Diskussion sorgte die Situation in der Ignaz-Dornach-Straße. Sie führt zur Kindertagesstätte St. Blasius in Weiler. Die Straße ist an der schmalsten Stelle fünf Meter breit, ein Gehweg fehlt.

In Weiler-Simmerberg wünschen sich Kommunalpolitiker deutlich mehr Tempo-30-Zonen.
In Weiler-Simmerberg wünschen sich Kommunalpolitiker deutlich mehr Tempo-30-Zonen.
Bild: Thomas Schwarz (Archivbild)

Häufig entstünden gefährliche Situationen durch Eltern, die ihre Kinder in die Einrichtung bringen und dabei zu schnell unterwegs sind, stellte Guido Klauß (SPD) fest. „Wir müssen also die Kinder vor den Eltern schützen“, monierte er und appellierte an den „gesunden Menschenverstand“. Einen Hinweis auf die Kita will die Gemeinde bewusst nicht anbringen, sagte Bauamtsleiter Stephan Bauer auf Nachfrage von Werner Weiß (CSU). Denn im Zusammenhang mit geplanten Geschwindigkeitsmessungen sollte es einen solchen Hinweis nicht geben. Denkbar in diesem Bereich ist aus Sicht der Polizei eine Einbahnregelung. Der Verkehr könnte dann beispielsweise über den Gallusweg und die Käsgasse abfließen.

Freie Wähler: Messungen ergeben in Weiler-Simmerberg keinen Sinn

Lesen Sie auch
##alternative##
Verkehrsausschuss

Zu eng, zu schnell, zu laut: In Buchloe gibt es mehrere problematische Stellen

Die Messungen machen aus Sicht von Bernd Ferber (FW) dort allerdings auch gar keinen Sinn: „Wer hier die erlaubten 30 Stundenkilometer fährt, ist zu schnell unterwegs“. Seiner Meinung nach wären hier 15 oder 20 Stundenkilometer angepasst.

Aus Sicht von Günter Sattler (ÖDP/ Grüne) geht es in der Ignaz-Dornach-Straße um die Frage: „Schütze ich die Schwächsten oder erkläre ich sie zum Freiwild?“. Ferber monierte auch, dass an zahlreichen Stellen im Ort die Haltestreifen entfernt wurden. Die sind nach Auskunft von Wiencek in Tempo-30-Zonen auch nicht erlaubt.

Weitere Verkehrs-Updates aus dem Allgäu lesen Sie hier.