Naturphänomen über dem Bodensee

Beobachter staunen über Tornado auf dem Bodensee

Am Sonntag gegen 19 Uhr bildeten sich nacheinander zwei Wasserhosen auf dem Bodensee. Jede von ihnen steuerte den Ort Langenargen an.

Am Sonntag gegen 19 Uhr bildeten sich nacheinander zwei Wasserhosen auf dem Bodensee. Jede von ihnen steuerte den Ort Langenargen an.

Bild: Harald Ruppert

Am Sonntag gegen 19 Uhr bildeten sich nacheinander zwei Wasserhosen auf dem Bodensee. Jede von ihnen steuerte den Ort Langenargen an.

Bild: Harald Ruppert

Ein Tornado hat sich am Sonntagabend über dem Bodensee gebildet. So ein Naturschauspiel ist aber gar nicht so selten, erklärt ein Allgäuer Meteorologe.
02.08.2021 | Stand: 18:20 Uhr

Kurz nacheinander haben sich am frühen Sonntagabend zwei Wasserhosen über dem Bodensee gebildet. Das Naturschauspiel faszinierte minutenlang mehrere Beobachter am Ufer. Der erste kleine Tornado zog gegen 19 Uhr zwischen Langenargen und Friedrichshafen (Baden-Württemberg) auf. Er und die zweite Wasserhose steuerten die Gemeinde Langenargen an, die etwa acht Kilometer östlich von Friedrichshafen liegt, flauten dann aber wieder ab.

Allgäuer Meteorologe Schug erklärt das Phänomen

„Solche Wasserhosen sind über dem Bodensee gar nicht so selten“, sagt der Allgäuer Diplom-Meteorologe Joachim Schug vom Wetterdienstleister Meteogroup. „Sie treten am Bodensee gerne auf, praktisch jeden Sommer: man muss sie nur sehen.“

Weil viele Menschen aber mittlerweile Handys haben, würden solche Naturphänomene häufiger beobachtet, gefilmt und gemeldet. Auch soziale Netzwerke böten ja eine breite Plattform für solche Inhalte.

Wie entsteht so ein Tornado?

Die Entstehung von Tornados sei generell komplex, sagt Meteogroup-Chef Schug aus Sonthofen (Oberallgäu). Eine Wasserhose entsteht, wenn sehr kalte Luft in großer Höhe über warme Luft oder warmes Wasser strömt. Dadurch entsteht ein schlauchförmiger Wirbelsturm, der Wasser nach oben saugt. Auslöser bei solchen Wasserhosen sei feuchte, kühle Luft über noch warmem Seewasser. Sie trete oft bei schlechtem Wetter auf. Dieses Phänomen trete häufig im Sommer und Frühherbst auf, da es dazu einen gewissen Temperaturunterschied braucht: unten warm und oben kühl.

Joachim Schug ist Chef des privaten Wetterdienstleisters Meteogroup in Appenzell (Schweiz). Er stammt aus Sonthofen (Oberallgäu). 

Joachim Schug ist Chef des privaten Wetterdienstleisters Meteogroup in Appenzell (Schweiz). Er stammt aus Sonthofen (Oberallgäu). 

Bild: Michael Munkler

Dazu müssten die Winde in Bodennähe stimmen, erklärt der Meteorologe: Ein großräumiger West/Nordwest-Wind, der zusammen mit dem Wind aus Richtung Süden von den Alpen aus dem Rheintal und Bregenzerwald die Rotation in der Wolkenbasis anfacht.

Wasserhosen verursachen kaum Schäden

Solche Wasserhosen stellen aber keine große Gefahr dar, erläutert Schug. Sie verursachten kaum Schäden und forderten kaum Menschenleben. Darum wurden diese Tornados früher kaum beachtet. Und dennoch treten sie aber eigentlich auf allen größeren Alpenrandseen auf.

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