Firma Hochland

Trotz Rekordabsatz plagen Käsehersteller aus Heimenkirch Sorgen

Patros gehört zu den bekannten Marken von Hochland. Es gibt den Weißkäse aus Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch.

Patros gehört zu den bekannten Marken von Hochland. Es gibt den Weißkäse aus Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch.

Bild: Matthias Becker

Patros gehört zu den bekannten Marken von Hochland. Es gibt den Weißkäse aus Kuh-, Schaf- oder Ziegenmilch.

Bild: Matthias Becker

Das Unternehmen aus Heimenkirch hat den Umsatz in Osteuropa und mit seinen Marken gesteigert. Jetzt fragt sich die Geschäftsführung: Was wird aus Russland?
01.05.2022 | Stand: 06:20 Uhr

Ein Rekordabsatz, mehr Umsatz und mehr Mitarbeiter denn je, aber Sorgen wegen der Ukraine und extremer Preissteigerungen. So lässt sich die Lage bei Hochland zusammenfassen. Bei einer Pressekonferenz hat der Vorstand des Käseherstellers eine „zufriedenstellende“ Bilanz des vergangenen Jahres gezogen.

Insgesamt 410.000 Tonnen Käse hat Hochland im vergangenen Jahr abgesetzt und 1,7 Milliarden Euro erlöst – mehr als je zuvor. Von erfreulichen Zuwachsraten spricht Hochland unter anderem beim Markengeschäft und den Food-Service. Dazu gehört der Verkauf an die Systemgastronomie, also Schnellrestaurants. Der Bereich hat laut Finanz-Vorstand Hubert Staub das Vor-Corona-Niveau erreicht.

Käsehersteller aus Heimenkirch hält an Tochter in Russland fest

Den Umsatz um zehn Prozent und mehr gesteigert haben die Hochland-Töchter in Polen, Rumänien und Russland. In dem Land hat Hochland zuletzt circa ein Viertel seines Gesamtabsatzes erzielt. An dem Geschäft in Russland will der Käsehersteller auch trotz Putins Überfall auf die Ukraine festhalten (wir berichteten). „Wir verurteilen diesen Krieg, haben dafür keinerlei Verständnis. Doch wir lassen unsere russischen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter nicht im Stich. Sie sind für diesen Krieg nicht verantwortlich“, begründete der Vorstandsvorsitzende Peter Stahl die Entscheidung.

Über viele Jahre hinweg hat das Unternehmen in Russland mehr als 150 Millionen Euro investiert – hohe Abschreibungen wären die Folge, wenn Hochland die Werke aufgeben oder das Unternehmen enteignet würde. Völlig ausschließen will Peter Stahl das nicht, auch wenn er eine Enteignung als unwahrscheinlich einstuft.

Werk in Russland verfügt über eigene Ersatzteile

Unabhängig davon wird die Produktion in den drei Werken in Russland schwieriger. Ersatzteile für die Produktionsanlagen und Verpackungsfolien muss Hochland aus der EU importieren. Noch würden die Lieferketten halten, und der Zahlungsverkehr könne abgewickelt werden, berichtete Hubert Staub. Zudem hat die russische Tochter einen hohen Bestand an Ersatzteilen vor Ort. Vorstand Josef Stitzl nimmt deshalb an, dass zumindest nicht die Produktion ganzer Werke gefährdet ist. Einzelne Linien aber könnten ausfallen.

Firmenchef aus Heimenkirch hat solche Preissteigerungen noch nie erlebt

Kopfzerbrechen bereiten dem Vorstand auch die extremen Preissteigerungen. In dieser Form hat sie Peter Stahl – seit 28 Jahren bei Hochland – nach eigenem Bekunden noch nicht erlebt. Es sei unausweichlich, die steigenden Kosten an den Handel weiterzugeben, kündigte er an. Letztlich müssen sich deshalb auch Verbraucher auf Preissteigerungen einstellen.

Teilweise gibt es auch Probleme, überhaupt an Ware zu kommen. Das betrifft Landwirte, die das Werk von Hochland in Schongau beliefern. Dort stellt das Unternehmen Frisch- und Weißkäse her. Hochland verarbeitet nur gentechnikfreie Milch. Um die liefern zu können, benötigen die Bauern gentechnikfreies Futter. Das aber bekommen sie teils nicht mehr oder nicht in der nötigen Menge, wie Stahl schilderte.

Hochland investiert kräftig in Heimenkirch

Unabhängig davon investiert das Unternehmen weiter in seine Standorte. Im vergangenen Jahr wurden dafür 200 Millionen Euro freigegeben. Die gleiche Summe war es bereits vor drei Jahren. Die Investitionen sind nötig. Viele Werke seien mit ihren Kapazitäten am Limit, erklärte Staub. Die Mittel fließen unter anderem in die Werke Schongau – dort entsteht ein vollautomatisches Hochregallager mit zwei Klimazonen – und Heimenkirch. Am Firmensitz baut Hochland die Logistik neu auf.

Die Mittel für die sehr hohen Investitionen hat der Käsehersteller. Das Unternehmen hat eine sehr hohe Eigenkapitalquote und ist kerngesund. Und: Obwohl der Käsehersteller eine Aktiengesellschaft nach europäischem Recht ist, ist Hochland immer noch ein Familienunternehmen, das drei Familienstämmen gehört.