Vortrag im Gemeinderat

Umweltphysiker aus Maierhöfen über den Klimawandel: „So weitermachen ist vorbei“

Professor Dr. Klaus Pfeilsticker ist Umweltphysiker an der Universität Heidelberg und lebt in Maierhöfen. Im Gemeinderat schilderte er, wie es um das Klima steht und in welchen Bereichen die Kommune aktiv werden sollte.

Professor Dr. Klaus Pfeilsticker ist Umweltphysiker an der Universität Heidelberg und lebt in Maierhöfen. Im Gemeinderat schilderte er, wie es um das Klima steht und in welchen Bereichen die Kommune aktiv werden sollte.

Bild: Olaf Winkler/Ingrid Grohe

Professor Dr. Klaus Pfeilsticker ist Umweltphysiker an der Universität Heidelberg und lebt in Maierhöfen. Im Gemeinderat schilderte er, wie es um das Klima steht und in welchen Bereichen die Kommune aktiv werden sollte.

Bild: Olaf Winkler/Ingrid Grohe

Der Gemeinderat Maierhöfen erfährt vom Umweltphysiker Professor Klaus Pfeilsticker, wie es um das Klima steht - und wo die Westallgäuer Kommune ansetzen kann.
10.10.2021 | Stand: 14:12 Uhr

Das hat es in dieser Form im Westallgäu noch nicht gegeben: Der Gemeinderat Maierhöfen hat sich mit dem Thema Klimaschutz beschäftigt, obgleich weder ein konkretes Projekt noch der Beitritt zu einem Klimabündnis zur Diskussion standen. Für Bürgermeister Martin Schwarz ist aber klar, dass sich der Klimawandel mittel- und langfristig auf viele Projekte in der Kommune auswirken kann. Geladen hatte er deshalb einen besonderen Experten: Professor Klaus Pfeilsticker ist Umweltphysiker an der Universität Heidelberg – und lebt seit Jahren in Maierhöfen. Er zeigte in seinem Vortrag auch einen örtlichen Indikator für den Klimawandel auf.

Professor Pfeilsticker zeigt in Maierhöfen anhang von Diagrammen den Klimawandel auf

Wetterextreme wie Starkregen oder Trockenheit habe es immer wieder gegeben, sagte Pfeilsticker. Rückschlüsse auf Klimaveränderungen ergeben sich aus deren Häufigkeit. Und hier zeigte er anhand zahlreicher Diagramme auf, dass es in Deutschland insgesamt wärmer wird, es weniger Niederschläge gibt, dass diese dann aber immer häufiger sehr intensiv ausfallen: „Und das will kein Landwirt“, sagte er.

Der renommierte Umweltphysiker Pfeilsticker lebt seit Jahren in Maierhöfen

Als Umweltphysiker messe er Bestandteile der Atmosphäre, weise die Zunahme von Kohlendioxid nach, beobachte Indikatoren wie die Abnahme der Gletscher, die Verkürzung der Vegetationsruhe in Bayern innerhalb weniger Jahrzehnte von durchschnittlich 150 auf 139 Tage im Jahr. Aber er zeigte auch einen lokalen Indikator auf: Die Zahl der Betriebsstunden des Iberglifts. Die hat Alois Prinz seit den 1970er Jahren aufgeschrieben. Damals waren es teilweise bis zu 650 pro Jahr. Durch schneearme oder -reiche Winter gab es immer wieder „Ausreißer“ – aber dennoch einen eindeutigen Trend: Die Möglichkeit, in Maierhöfen Ski zu fahren, gibt es immer seltener. Zuletzt lagen die Betriebsstunden nur zwischen 100 und 200 im Jahr.

Professor Pfeilsticker bei seinem Vortrag in Maierhöfen: Den Klimawandel aufzuhalten, bedeutet eine enorme Anstrengung

Die Zunahme der Durchschnittstemperatur und damit den Klimawandel aufzuhalten, sei mit einer enormen Anstrengung verbunden. „Jeder muss handeln, nicht nur der Nachbar“, betonte Pfeilsticker. Denkbare Maßnahmen seien der Einbau neuer Heizungsanlagen, die Aufforstung des Waldes oder die Wiedervernässung von Mooren. Es sei heute vieles technisch möglich: die Nutzung von Elektroautos oder die Erzeugung von Strom per Fotovoltaik. Für den Experten ist klar: „So weitermachen ist vorbei.“

Der Umweltphysiker sieht aber auch: „Die Frage ,Wie rette ich das Weltklima?’ steht der Frage ,Wie ernähre ich meine Familie?’ gegenüber.“ So wünscht er sich neue gesetzliche Rahmenbedingungen beispielsweise bei der PV-Nutzung: „Warum soll ich meinen Mietern oder meinem Nachbarn keinen Strom von der Anlage auf dem Dach verkaufen können?“ Es gelte, daran zu denken, dass sich durch das Reagieren auf den Klimawandel auch neue Geschäftsfelder in einer Kommune auftun, denn: „Am Ende dürfen die Leute nicht arbeitslos sein.“

Klimawandel: Die bäuerliche Landwirtschaft ist laut Pfeilsticker kein Problem, sondern großindustrielle Strukturen

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In Maierhöfen selbst sieht er keine großen Einzelverbraucher von Energie – und dennoch Chancen auf eine Veränderung. So warb er für eine gemeinsame Wärmeversorgung von Wohngebieten oder Einrichtungen wie der Schule. An der örtlichen Landwirtschaft übte er keine Kritik. Auf die Nachfrage von Ratsmitglied und Landwirt Herbert Mader nach den Auswirkungen des Methan-Ausstoßes von Kühen auf das Weltklima machte Pfeilsticker deutlich, dass es dabei um die großindustriellen Strukturen zur Fleischproduktion gehe und nicht um den traditionellen Milchviehbetrieb. Der Vorwurf „Deine Kuh emittiert zu viel Methan“ sei Quatsch.

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