Lindenberg

Vereint in der Kritik an der GroKo

Auszeichnung Mit Kevin Kühnert und Karl Lauterbach sind am Samstag zwei Gegner der Großen Koalition auf dem Lindenberger Kulturboden. Der eine bekommt den Sozialistenhut, der andere hält die Laudatio
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Von Peter Mittermeier
30.10.2019 | Stand: 15:46 Uhr

Die beiden trennen 26 Lebensjahre, einiges an Erfahrung und auch die eine oder andere politische Position. In einem sind sich Kevin Kühnert (30 ) und Karl Lauterbach (56) aber einig: die Zukunft der SPD sehen sie außerhalb der Großen Koalition. Am Samstag kommen beide auf den Lindenberger Kulturboden. Kühnert erhält dort ab 19 Uhr den Sozialistenhut, Lauterbach hält die Laudatio. „Er passt in die Preisträgerliste“, sagt der frühere SPD-Kreisvorsitzende Leo Wiedemann, der Vater des Sozialistenhutes.

Kühnert ist ein außergewöhnlich junger Preisträger. In der Regel geht der Sozialistenhut an ältere Frauen oder Männer, die über einen langen Zeitraum hinweg Standfestigkeit beweisen haben. Das war für den SPD-Kreisverband allerdings kein Hinderungsgrund. „Die Richtlinien passen zu Kühnert“, sagt Leo Wiedemann. Preisträger müssen „in der Gesellschaft und der Partei gegen den Strom geschwommen“ sein.

Die Fähigkeit werden Kühnert auch politische Gegner nicht abstreiten. Der 30-Jährige ist so etwas wie das junge Gesicht der SPD. Als Vorsitzender führt er die 80 000 Mitglieder starken Jungsozialisten. Auch wenn es um ihn zuletzt etwas ruhiger geworden ist, gilt er als Aushängeschild der Linken innerhalb der Sozialdemokraten. Nach Äußerungen für eine Verstaatlichung großer Unternehmen und von Wohnungen prasselte von vielen Seiten Kritik auf ihn ein. Gleiches geschah, als er die Tendenz von Privateigentum zu einer ungleichen Verteilung thematisierte. So wurde der 30-Jährige so etwas wie der Schrecken des Establishments.

Einige Linke in der SPD hätten es gerne gesehen, wenn sich Kühnert um den Parteivorsitz beworben hätte. Der verzichtete nach einer Bedenkzeit aber, wohl auch, um seine Partei vor einer Zerreißprobe zu bewahren.

Ähnlich wie der Juso-Vorsitzende gehört Lauterbach zu den bekanntesten Gesichtern der SPD. Wie der Juso-Bundesvorsitzende ist auch der 56-Jährige regelmäßig in Talk-Shows zu Gast. Lauterbach, seit 18 Jahren Bundestagsabgeordneter und vor seinem Eintritt bei der SPD schon mal CDU-Mitglied, bezeichnet Kühnert als „Riesentalent“.

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Politisch eint die beiden nicht zuletzt die Kritik an der GroKo. Kühnert hatte schon direkt nach der Bundestagswahl Position gegen eine Neuauflage der Regierung bezogen. Er sah den Niedergang seiner Partei kommen. Die Kampagne gegen die GroKo hat den 30-Jährigen bekannt gemacht.

Lauterbach wiederum würde am liebsten die Mitglieder über den Bestand der Regierung abstimmen lassen. „Ich glaube nicht, dass wir uns in einer Großen Koalition erholen können,“ so sein Standpunkt. Dem einen oder anderen Parteifreund ist das mittlerweile aber offenbar zu viel des Guten. Mit seiner ständigen Nörgelei gehe er einigen Genossen „gehörig auf die Nerven“, hat der Spiegel unlängst über den Mann mit der Fliege geschrieben.

Erfolg war dem Mediziner und Gesundheitspolitiker Lauterbach bei der Abstimmung der SPD-Mitglieder über das künftige Führungsduo der Partei nicht beschieden. Mit seiner Kollegin Nina Scheer – Tochter des Sozialistenhutträgers Hermann Scheer – schaffte er es nicht in die Endausscheidung.