Revolution in einer Männerdomäne

Von der ersten Frau zur "Muddi" in der Simmerberger Musikkapelle

Michaela Deubele war das erste weibliche Mitglied in der Simmerberger Musikkapelle. Kleine Flickarbeiten erledigt die Trachtenwartin selbst.

Michaela Deubele war das erste weibliche Mitglied in der Simmerberger Musikkapelle. Kleine Flickarbeiten erledigt die Trachtenwartin selbst.

Bild: Olaf Winkler

Michaela Deubele war das erste weibliche Mitglied in der Simmerberger Musikkapelle. Kleine Flickarbeiten erledigt die Trachtenwartin selbst.

Bild: Olaf Winkler

Als Michaela Deubele vor 40 Jahren aufgenommen wurde, legten zwei Männer aus Protest ihre Instrumente nieder. Heute kümmert sie sich um Trachten und Essen.
14.11.2020 | Stand: 19:33 Uhr

Für die heutigen Mitglieder der Musikkapelle Simmerberg ist Michaela Deubele die „Muddi“, ein „guter Geist“, der rund um Trachten und das Essen sehr viel im Hintergrund wirkt. Dabei wäre sie vor 40 Jahren beinahe nicht in die Kapelle aufgenommen worden. Denn die war seinerzeit noch eine Männerdomäne. Der damalige Vorsitzende Remig Siegel hatte sich zwar dafür stark gemacht, dass mit Michaela und ihrer Schwester Andrea erstmals weiblicher Nachwuchs zur Kapelle stößt, doch in einer ersten Abstimmung votierten die männlichen Mitglieder dagegen.

"Da kommen keine Frauen rein"

Es brauchte viele Gespräche und eine zweite Abstimmung, bis der Weg frei war. Stimmen wie „Da kommen keine Frauen rein“ und „Wenn die kommen, hören wir auf“ sind überliefert. Letztlich entschied eine Stimme – und zwei Männer machten daraufhin ihre Drohung ernst und gaben ihr Instrument samt Tracht an Vorsitzenden Siegel ab.

Ihr Blick geht immer nach unten - auf die Füße

Fortan aber spielte Michaela Deubele Klarinette, später mitunter auch Saxofon. Die verschiedenen Posten in der Kapelle blieben aber noch über Jahre in Männerhand. Fast 30 Jahre später aber war es soweit: Michaela Deubele übernahm das Amt der Trachtenwartin, das sie noch heute inne hat. „Ich schaue mir jeden Musikanten an, ob seine Tracht zu groß oder zu klein ist. Oder ob er was Neues braucht“, erzählt die 54-Jährige. Sie pflegt die Kontakte zu den lokalen Lieferanten. Zu denen gehört bei den inzwischen zahlreichen Frauen in der Kapelle seit dem vorigen Jahr auch die Hutfabrik Seeberger in Weiler. Sie liefert die Hüte, die die Simmerberger Frauen erstmals beim Bezirksmusikfest in Scheidegg 2019 zeigten. Zu den Aufgaben von Michaela Deubele gehört auch die Verwaltung des Lagers – mitunter näht sie auch Knöpfe an und übernimmt kleinere Flickarbeiten. „Das Nähetui habe ich immer dabei“, erzählt sie lachend. Und ihr Blick geht immer nach unten auf die Füße: „Ich muss schon manchen Mann zum Schuhputz ermahnen.“

Küchenchefin beim „Näääxxt Fescht“

Als die „MuKaSi“ 2014 ein großes Musikfest veranstaltete, saß Michaela Deubele erstmals im Festausschuss. Damals übernahm sie die Verantwortung für die Küche. „Ich wusste nicht, was da alles auf mich zukommt“, erinnert sie sich. Denn die Aufgaben reichten vom Bestellen über den Aufbau bis hin zur Organisation und Einteilung der Helfer. Und nicht zuletzt stand sie selbst während des fünftägigen Fests in der Küche. Seither ist sie bei jedem der jährlichen Feste („Näääxxt Fescht“) die Küchenchefin. Und auch sonst versorgt sie die Musikanten immer mal mit einer Mahlzeit. „Ich möchte doch, dass es ihnen gut geht“, beschreibt sie ihre Motivation. Und da sie gerne kocht, „taugt mir das schon“. Überhaupt hat die Kapelle für sie einen hohen Stellenwert. Die Kameradschaft schätzt sie, auch das Miteinander der Generationen. Inzwischen gehört sie in der 40-köpfigen Kapelle zu den Ältesten.

Auch ihr Mann und ihre Tochter sind in der Kapelle aktiv

Mit ihrer Begeisterung hat Michaela Deubele auch ihre Familie angesteckt. Ihr Mann Anton ist seit vielen Jahren Fähnrich der Kapelle, ihre Tochter Pia Schriftführerin. Ihr hat sie auch ihren Spitznamen „Muddi“ zu verdanken. Als die Tochter beim Festzeltaufbau die Mutter um Hilfe rief, antwortete die „Muddi macht das schon“. Das ist inzwischen ein geflügeltes Wort bei der „MuKaSi“ und „mancher kennt mich gar nicht mehr unter meinem Vornamen“, erzählt Michaela Deubele schmunzelnd.