Scheidegg

Vorreiter im Westallgäu: Scheidegg hat in Sachen Klimaschutz viel vor

An allen Ortseingängen von Scheidegg weisen Tafeln auf den European Energy Award in Gold hin.

An allen Ortseingängen von Scheidegg weisen Tafeln auf den European Energy Award in Gold hin.

Bild: Peter Mittermeier

An allen Ortseingängen von Scheidegg weisen Tafeln auf den European Energy Award in Gold hin.

Bild: Peter Mittermeier

Scheidegg hat den European Energy Award in Gold bereits. Doch der Markt ruht sich darauf nicht aus. Das Energieteam hat dem Gemeinderat nun neue Ideen vorgelegt.
15.08.2020 | Stand: 07:12 Uhr

Die Auszeichnung in Gold hat die Gemeinde Scheidegg schon. Doch das ist für den Markt kein Grund, sich in Sachen European Energy Award (EEA) auszuruhen. Im Gegenteil: „Der Prozess geht immer weiter“, sagt Bürgermeister Uli Pfanner. Basis der weiteren Arbeit ist ein energiepolitisches Arbeitsprogramm, das der Gemeinderat einstimmig verabschiedet hat. Ziel ist es, noch mehr des klimaschädlichen CO2 einzusparen.

Scheidegg liegt in Bayern auf Platz 2

Scheidegg ist seit Herbst 2007 beim EEA dabei. Dabei vergeben unabhängige Fachleute Punkte für die Anstrengungen von Kommunen in Sachen Energieeffizienz und Klimaschutz. Alle vier Jahre wird Scheidegg zertifiziert. Die Fortschritte lassen sich in Prozent der Zielerreichung messen. Der Markt hat sich von 40, über 55 und 66,7 auf 79 Prozent verbessert. Damit rangiert Scheidegg unter 22 bayerischen Kommunen auf Platz zwei.

Um das Thema kümmert sich das Energieteam. Dort sind Mitarbeiter der Verwaltung genauso vertreten wie Handwerker und Bürger, die sich intensiv mit dem Thema Energieeinsparung beschäftigen. „Ausruhen geht nicht“, beschreibt Frank Seidel die Motivation. Er begleitet das Projekt seitens der Gemeinde.

Das Energieteam hat sich ein Arbeitsprogramm gegeben, das möglichst in den kommenden Jahren umgesetzt werden soll. In vielen Fällen ist die Zustimmung des Gemeinderates nötig, beispielsweise dann, wenn es ums Geld geht oder gemeindliche Gebäude. Ein Problem ist das in der Regel nicht. Der Gemeinderat steht hinter dem energiepolitischen Kurs des Marktes, was sich an vielen einstimmigen Entscheidungen ablesen lässt.

Grunschule Scheidegg soll Umweltschule werden

Eines der neuen Projekte betrifft die Grundschule. Sie verfügt bereits über eine Photovoltaikanlage. Nach den Vorstellungen des Energieteams könnte sie in den nächsten Jahren Umweltschule werden. Solche vermitteln ihren Kindern in besonderem Maß ein Umweltbewusstsein und bemühen sich, die Natur zu schonen. Die Energieeinsparung ist dabei ein wichtiger Baustein. Mit einer solchen Schule will sich die Gemeinde am Bündnis Klimaneutrales Allgäu 2030 beteiligen.

Vorschläge hat das Team auch in Sachen Bauen. So schlägt es Verschattungssimulationen für Baugebiete vor. Sie zeigen, wie Gebäude benachbarte Bebauung durch Schatten beeinträchtigen. Per Computer lässt sich das für jeden Tag und jede Stunde im Jahr darstellen.

Scheidegg will bei der Wasserversorgung Energie sparen

Ideen hat das Team auch für die Wasserversorgung. Der Markt hat sie in den vergangenen Jahren unter Federführung von Bauamtsleiter Roland Schlechta bereits verbessert. Beispielsweise wurden die Verluste erheblich vermindert, die durch Leckagen im Leitungsnetz entstehen. Auch das hat mit Klimaschutz zu tun: Geht weniger Wasser verloren, muss die Gemeinde weniger aus den Tiefbrunnen nach oben pumpen. Und das spart richtig Energie. Die Pumpen „sind der größte Verbraucher in der Gemeinde“ (Seidl). Deshalb gibt es Überlegungen für eine energieautarke Pumpenanlage. Sonnenenergie könnte dafür vor Ort gespeichert werden.

Im Übrigen bezieht die Marktgemeinde seit 2018 für ihre Liegenschaften ausschließlich zertifizierten Ökostrom der Vkw – als „einzige Gemeinde im Westallgäu“, wie Bürgermeister Pfanner erklärte. Die Energie stammt aus Vorarlberger Kleinwasserkraftwerken und Photovoltaikanlagen. Allein das spart im Vergleich zum deutschen Strommix 165 Tonnen CO2 im Jahr ein. Der Vertrag soll 2021 erneuert werden. Der Rathauschef sieht gerade bei diesem Thema eine Chance für jede Gemeinde und jeden Haushalt, etwas für den Klimaschutz zu tun. „Wir sprechen alle vom Kohleausstieg, aber wir als Kommune sind die einzige, die den Ökostrom bezieht. Auch jeder Privathaushalt könnte das tun“, sagte er im Gemeinderat.

Kleinere Maßnahmen beziehungsweise Vorhaben ergänzen die größeren Projekte. Dazu gehören Vorträge, Energie-Projektwochen im Kindergarten und eine jährliche Baumpflanzung. Das Arbeitsprogramm ist im Übrigen nicht in Stein gemeißelt. Das Team sei „offen für Anregungen“, sagte Seidel im Gemeinderat. Damit reagierte er auf eine Nachfrage von Ralph Arnold, Bio-Landwirt aus Allmannsried. Er vermisst das Thema Landwirtschaft in dem Arbeitsprogramm.