Weiler-Simmerberg

Weilerer Heimatpfleger Gerd Zimmer: Rückkehr nach jahrelanger Pause

Historisches Kinderfest Ellhofen

Das Historische Kinderfest in Ellhofen fällt wegen Corona heuer aus, soll aber 2021 nachgeholt werden – inklusive einer Aufführung, für die Heimatpfleger Gerd Zimmer 40 Sprechrollen für Kinder vorgesehen hat.

Bild: Linda Sendlinger

Das Historische Kinderfest in Ellhofen fällt wegen Corona heuer aus, soll aber 2021 nachgeholt werden – inklusive einer Aufführung, für die Heimatpfleger Gerd Zimmer 40 Sprechrollen für Kinder vorgesehen hat.

Bild: Linda Sendlinger

Der 69-Jährige ist erneut Ortsheimatpfleger von Weiler-Simmerberg. Wieso er sein Amt zwischendurch niedergelegt hatte und welche Projekte er plant.

02.06.2020 | Stand: 12:12 Uhr

„Ich freue mich, dass ich vor meinem 70. Geburtstag wieder auf das Gleis zurückkehre, auf dem ich mich am wohlsten fühle“, sagt Gerd Zimmer. Nach fast drei Jahren Pause hat ihn der Gemeinderat wieder zum Ortsheimatpfleger von Weiler-Simmerberg bestellt. Dieses Ehrenamt hatte der pensionierte Lehrer zuvor bereits mehr als drei Jahrzehnte mit viel Herzblut und Akribie bekleidet. Für seine heimatgeschichtliche Arbeit ist er mehrfach ausgezeichnet worden. Und auch jetzt hat er schon wieder einige, teils schon sehr konkrete Ideen für neue Projekte, die er in der Marktgemeinde umsetzen will.

Streit mit dem Weilerer Bürgermeister sorgte für Rückzug Zimmers

Bereits 1983 hatte Zimmer das Amt des Ortsheimatpflegers übernommen. Als er im Dezember 2015 für sein vielfältiges Engagement – er war auch 18 Jahre lang Gemeinderat und sechs Jahre lang Zweiter Bürgermeister – von der Gemeinde mit der Silbernen Bürgermedaille ausgezeichnet worden ist, kündigte er aber an, seinen Posten abgeben zu wollen. Da sich kein Nachfolger fand, blieb er jedoch kommissarisch im Amt. Bis zum Juli 2017. Nachdem ihn Bürgermeister Karl-Heinz Rudolph, zu dem er ohnehin schon ein angespanntes Verhältnis hatte, öffentlich in Zusammenhang mit dem Eschenlohrhaus kritisiert hatte, legte Zimmer das Amt endgültig nieder. Der Posten war seitdem vakant.

Kulturpreis der Stadt Lindenberg für den Heimatpfleger 

Nun hat mit Tobias Paintner, der wie Zimmer der CSU angehört, seit 1. Mai ein neuer Mann im Rathaus das Sagen. Und deshalb erklärte sich der 69-Jährige auch bereit, seine Tätigkeit wieder aufzunehmen. Paintner schlug ihn in der Gemeinderatssitzung wieder als Ortsheimatpfleger vor. Die Verdienste Zimmers seien groß, sein Wirken werde weit über den Ort hinaus geschätzt. Zuletzt ist Zimmer im Herbst beispielsweise mit dem Kulturpreis der Stadt Lindenberg ausgezeichnet worden.

Westallgäuer Kunstausstellung
Gerd Zimmer
Bild: Thomas Gretler

CSU-Fraktionssprecher Eberhard Rotter bezeichnete Zimmer als Glücksfall für die Gemeinde. Das sahen offenbar auch die meisten seiner Ratskollegen so. Mit 18:2 Stimmen bestellte das Gremium den früheren Realschullehrer erneut zum Ortsheimatpfleger. Nur die SPD-Räte Gerd Ilg und Guido Klauß votierten dagegen. Letzterer begründete dies damit, dass Zimmer sich damals bei der Wiedra-Sammlung „für meinen Geschmack zu sehr proaktiv für Oberstaufen und zu wenig für Weiler eingesetzt hat“. Ein Vorwurf, den Zimmer gegenüber unserer Redaktion von sich weist.

Gerd Zimmer plant Freilichttheater in Weiler 

In jedem Fall hat der gebürtige Mittelfranke, der auch Führungen im Deutschen Hutmuseum in Lindenberg gibt, schon einige neue Projekte im Köcher. So plant er ein Freilichttheater zum Dreißigjährigen Krieg, der aus seiner Sicht das wohl grausamste Ereignis in der Geschichte des Westallgäus gewesen ist. „Damals sind ganze Dörfer weggestorben“, sagt er. Zwar hätten auch andere Gemeinden bereits signalisiert, der Gastgeber dafür sein zu wollen, doch Zimmer möchte das Stück nun auf jeden Fall in Weiler verwirklichen: „Das ist meine Heimat und der Kirchplatz ist der beste Platz dafür.“ Eine Umsetzung ist aber frühestens 2022 denkbar, zumal das Stück mit vielen Schauspielern, Pferden und auch Kutschen recht aufwendig werden soll.

Und nicht nur das. Eigentlich würde das Historische Kinderfest in Ellhofen heuer seinen 70. Geburtstag feiern. Aufgrund von Corona soll das Jubiläum nun 2021 nachgeholt werden – inklusive einer Aufführung, für die Zimmer allein 40 Sprechrollen für Kinder vorgesehen hat. 2022 jährt sich zum 50. Mal die Zugehörigkeit von Ellhofen zu Weiler-Simmerberg. Hier plant er zusammen mit den Ortsvereinen eine Art Zeitreise.

Das 100-jährige Bestehen des Westallgäuer Heimatvereins steht auch auf seiner Agenda. Zimmer wirkt zudem an Ausstellungen zur Eisenbahn im Westallgäu und über die Hexenprozesse mit. Viele Ideen, viel Arbeit. Er ist also nicht nur zurück auf seinem angestammten Gleis – sondern auch gleich schon wieder mit Volldampf unterwegs.