Liedermacher

Werner Specht ist mit ganzer Spielfreude zurück auf der Bühne

Westwind

Mit ungetrübter Spielfreude zurück auf der Bühne: Dieter Peinecke, Moritz Rädler, Werner Specht (von links).

Bild: Angela Feßler

Mit ungetrübter Spielfreude zurück auf der Bühne: Dieter Peinecke, Moritz Rädler, Werner Specht (von links).

Bild: Angela Feßler

Werner Specht und seine Band haben das Publikum vermisst. Bei ihrem ersten Auftritt nach der Coronapause erobern sie die Herzen der Gäste im Löwensaal im Sturm.
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Von Von Angela Feßler
04.07.2021 | Stand: 10:30 Uhr

Mit Sicherheit war der Ansturm auf das Konzert von „Westwind“ nicht auf die coronabedingte Kulturabstinenz zurückzuführen. Die fünf Musiker verstehen es, Herzen im Sturm zu erobern. Nach über einem Jahr, in dem sie ohne Publikum gespielt haben, bemerkte Werner Specht bei der Begrüßung, dass die Zeit sehr schwer war und dass die Band an Zuhörer gar nicht mehr gewöhnt sei. Mit treuherzigem Blick sagte er: „Wir hoffen, dass wir Sie nicht enttäuschen.“

Die Begeisterung der Musiker ist ungebremst

Die Sorge war grundlos, schon beim ersten Lied sprang der Funke über. Der Titel war „Huiweh“ – Heimweh, das man nach allem haben kann. Auch nach dem Publikum. Dieses stellte fest: Die Bühnenabstinenz hat den Musikern nicht geschadet. Ihre Begeisterung am Spielen ist ungebremst.

So unterschiedlich die Themen der Lieder, so verschieden sind auch die Rhythmen: Boogie oder Blues, rockig oder verträumt. Und bei der „Tarantella“ wird es südländisch temperamentvoll. Als reizvoller Kontrast verleiten sanfte, melodiöse Instrumentalstücke wie die „Älpler Andacht“ zum Träumen.

Specht erläutert die hintergründigen Lieder

Die Liedtexte sind philosophisch, heiter oder hintergründig – und mitten aus dem Leben gegriffen. So klingen auch die Melodien: melancholisch, verspielt oder spritzig. Der Liedermacher Specht gab erheiternde Erläuterungen. Beim „Solo Blues“ erklärte er, wie verlassen, „so total allui“, man sich fühlt, wenn Frau und Kinder verreist sind. Der Song handelt vom schweren Leben eines Strohwitwers und vom abschließenden Zustand der Küche. Beim „Schwätzer“ geht es um einen Typen, dem man überall begegnet. Er kann alles, weiß alles – vor allem besser – und kennt alles. Nur sich selber kennt er nicht.

Mit ihrem spontanen Wortgeplänkel gaben Werner Specht und Dieter Peinecke ihren Gästen das Gefühl, nicht im Konzertsaal, sondern mit Freunden in der Stube zu sitzen. Der Dialekt tat das Seine zur heimleigen Atmosphäre.

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Mit Geschichten und Gedichten in Versform lockerte Specht das Programm zusätzlich auf. Köstlich charakterisierte er etwa einen „katzenfreundlichen, geschniegelten“ Versicherungsvertreter. Jeder der Westwind-Musiker spielt mehrere Instrumente. Von der Maultrommel bis zur „Zauberflöte“ ist alles dabei. Das begeisterte Publikum spendete immer wieder langen Applaus und erklatschte am Schluss fünf Zugaben.

Eine Ausstellung mit Bildern von Werner Specht ist noch bis 25. Juli 2021 im Deutschen Hutmuseum in Lindenberg zu sehen.