Armut in Indien

Westallgäuer Verein schnürt hunderte Corona-Hilfspakete

Durch Projektpartner vor Ort versorgt der Grünenbacher Hilfsverein CCARA etliche Familien mit Corona-Lebensmittel-Hilfspaketen.

Durch Projektpartner vor Ort versorgt der Grünenbacher Hilfsverein CCARA etliche Familien mit Corona-Lebensmittel-Hilfspaketen.

Bild: CCARA

Durch Projektpartner vor Ort versorgt der Grünenbacher Hilfsverein CCARA etliche Familien mit Corona-Lebensmittel-Hilfspaketen.

Bild: CCARA

Der Grünenbacher Verein CCARA ist seit Jahren in Indien tätig. Initiatorin Heike Maurus berichtet, wie die Pandemie seine die Arbeit der Helfer verändert hat,
04.12.2020 | Stand: 12:02 Uhr

Reis, Mehl, Kartoffeln und Linsen kommen hinein, ebenso Öl, Gewürze, Zucker und Tee. Die Lebensmittel kaufen die Projektpartner vor Ort ebenso wie Seife oder Waschmittel im Großhandel – und packen sie in Haushaltsgrößen ab. Mit diesen sogenannten Covid-Packs hat der Grünenbacher Hilfsverein CCARA seit Beginn der Pandemie schon über 2.700 Familien in Indien geholfen, die ohnehin schon ums Überleben kämpfen: Tagelöhnern, alleinerziehenden Müttern oder Bewohnern von Lepra-Kolonien. „Wie immer trifft es die Ärmsten der Armen am härtesten“, sagt Heike Maurus.

Die Isnyerin und ihr Mann Roman haben den gemeinnützigen Verein CCARA 2005 gegründet. Er kümmert sich vor allem um Mädchen aus den untersten Bevölkerungsschichten, ermöglicht ihnen Schulbesuch und eine Ausbildung. Seit März sind Heike Maurus und ihre Mitstreiter in erster Linie damit beschäftigt, die Folgen der Pandemie abzufedern. Aus der Ferne koordinieren sie die Corona-Hilfen. Die Essenspakete werden wöchentlich gezielt in den Slums der Millionenstädte Mumbai, Kalkutta und Jaipur verteilt.

CCARA
Heike Maurus hat CCARA mit ihrem Mann Roman gegründet.
Bild: Verein

Aber auch auf dem Land. Massenhaft Tagelöhner sind mittlerweile in ihre Heimatdörfer geflüchtet, nachdem sie aufgrund der Pandemie plötzlich keine Arbeit mehr hatten. Baustellen stehen still, Geschäfte größtenteils geschlossen. „Da keine Busse und Bahnen fuhren, liefen sie mit ihren Familien teils tagelang viele Kilometer zu Fuß, ohne Essen und Obdach“, sagt Heike Maurus und ergänzt: „Noch immer ist die Situation kritisch, denn der Lockdown wurde erst letzten Monat etwas gelockert und der wirtschaftliche Schaden ist immens.“

In den fünf Lepra-Kolonien, in denen CCARA rund 1.000 Menschen betreut, ist die Armut noch mehr angewachsen. „Den von Lepra Gezeichneten blieb vor der Pandemie schon nur das Betteln, aber selbst das wurde ihnen während des Lockdowns untersagt“, berichtet Maurus. Umso mehr sei der Hilfsverein auf Spenden angewiesen, mit deren Hilfe er seine Arbeit finanziert.

Zwei Kinderheime im Norden von Indien aufgebaut

CCARA versorgt regelmäßig gut 1.000 Kinder jeden Monat durch zwei Kinderheime, zehn Betreuungseinrichtungen und sechs Slum-Schulen in Nord-Indien. „Wir haben in den letzten Monaten nochmals zusätzlich über 50 Familien in unser Familien-Hilfsprogramm aufgenommen und vergeben für sie Patenschaften“, berichtet Maurus. Die dafür benötigte Summe klingt für westliche Ohren vergleichsweise gering: Mit 30 Euro pro Monat und Familie könne man Lebensmittel, Schulbesuche und medizinische Grundversorgung sichern.

Spenden finanzieren Nähmaschinen für arme Frauen

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Ebenfalls über Spenden werden Nähmaschinen finanziert, die die Absolventinnen der CCARA-Nähschule, meist arme Frauen und Witwen, mit in ihr Heimatdorf nehmen können, um sich eine Existenz aufzubauen. Momentan werden viele Alltagsmasken genäht, denn auch Aufklärung zum Schutz vor Corona durch Hygienemaßnahmen und Abstandsregeln steht auf der Agenda. „Unsere Partnerorganisation in Tamil Nadu arbeitet sehr engagiert und zuverlässig“, sagt Maurus.

Mehr über den Verein und seine Arbeit: www.ccara.de