Dialekt

Westallgäuer „Versleschmied“ bringt neues Buch heraus

Michael Lehmann, Mundart-Autor aus Ellhofen, veröffentlicht mit Unterstützung des Fördervereins Mundart Allgäu in Kempten, Bücher im Westallgäuer Dialekt.

Mundartdichter Michael Lehmann aus Ellhofen hat ein neues Buch veröffentlicht.

Bild: Caroline Oelschlägel

Mundartdichter Michael Lehmann aus Ellhofen hat ein neues Buch veröffentlicht.

Bild: Caroline Oelschlägel

Michael Lehmann aus Ellhofen beschreibt in gereimter Mundart seine Heimat und den Lauf der Dinge. Wie er junge Menschen anregt, sich im Dialekt auszudrücken.

02.06.2020 | Stand: 09:28 Uhr

Zugegeben: Nicht geübte Leser müssen sich erst mal einfühlen in Klang und Anmutung der Wörter und Wendungen, wenn sie Michael Lehmanns Bücher aufschlagen, um zu erfahren, „was i vielna Johr as Versleschmied so zämetku isch“. Weil aber Lehmann nicht nur ein Liebhaber der Westallgäuer Mundart, sondern auch pensionierter Lehrer ist, liefert er oft die Übersetzung ins Schriftdeutsche gleich mit - und so verstehen auch Unkundige, was sich bei Lehmann „in vielen Jahren als Versleschmied angesammelt hat“. Kräftige Unterstützung erhält der 80-jährige Autor, der seit 15 Jahren Mundart-Texte veröffentlicht, seit gut drei Jahren durch den Förderverein Mundart Allgäu. Dieser ermöglichte jetzt zwei weitere Veröffentlichungen aus Lehmanns unermüdlicher Feder.

Im Buch „Huimatversle“ beschreibt Michael Lehmann die Heimat - heute und „wia’n’as friahnr gis isch“. Auch führt er die Leserinnen und Leser in Reimen „dur’s Johr“ und erzählt „vu de Tierle“, etwa „iasam Giggelar“ und „blöde Kiah“. Mit seinem liebevollen Blick auf das Allgäu entdeckt der Autor zudem einiges „zum Schmunzle und Lache“, und Beobachtungen im Alltag regen ihn „zum Nochesinne“ an.

Zeichnungen, Karikaturen und Fotos aus alten Zeiten

Bei aller Heiterkeit und oft unbeschwert klingender Dialektverse bleibt Michael Lehmann mit seinen Betrachtungen nicht an der Oberfläche. Sein Buch hält keine gefällige Nostalgie bereit, sondern hintersinnige und kluge Beschreibung der Region und der Menschen, die sie bewohnen. Nachdenklich und augenzwinkernd analysiert der lebenserfahrene Autor manche aktuelle Strömung oder Haltungen von Zeitgenossen. Auch ganz Persönliches lässt der Ellhofener in sein Buch einfließen, etwa, wenn er „a paar Gebeatr i isa Mundart“ formuliert.

Zeichnungen und Karikaturen von Günther Holzer, Fotos aus alten und aktuellen Zeiten schmücken Michael Lehmanns Versle-Schatz mit vielen passenden Ansichten.

Früher Lehrer im Simmerberg und Schulleiter 

Die zweite Neuerscheinung Lehmanns ist eine Ergänzung zum bereits 2019 erschienenen Buch „Fabeln“, in dem der pensionierte Lehrer und frühere Schulleiter lehrreiche Tiergeschichten in Westallgäuer Mundart und in schriftdeutscher Übersetzung erzählt. In einem neuen Heft dazu weist der Autor, der von 1967 bis 2003 an der Grundschule Simmerberg unterrichtete, den vermenschlichten Tierpersönlichkeiten Sprechrollen im Dialekt zu, einen Erzähler lässt er auf Schriftdeutsch die Rahmenhandlung schildern. Witzige und bildreiche Westallgäuer Sprichwörter würzen die kleinen Spielszenen - die Erklärung jeder Redewendung liefert Lehmann gleich mit.

Gedacht ist diese Fabel-Fassung für die Verwendung in Schulklassen oder für szenische Aufführungen. Ein ähnliches Angebot hat Michael Lehmann im vorigen Jahr bereits mit seinem Märchenbuch gemacht, aus dem etwa Buben und Mädchen der Grundschule Stiefenhofen beim Schulfest das „Rotkäppchen“ in Reimform aufführten.

Wegen der Pandemie-Situation sind derzeit keine Veranstaltungen geplant, um die neuen Bücher Lehmanns vorzustellen. Rektorin Johanna Bötsch von der Grundschule Stiefenhofen hat jedoch zugesagt, zu gegebener Zeit einen Rahmen für die Präsentation des Fabelbuchs zu bieten.

Derweil ist das nächste – und laut Autor letzte – Buch Michael Lehmanns bereits fast fertig. Es soll „etwas zum Lachen“ bieten und enthält Geschichten, in die Witze eingebaut sind.