Konzert in Lindenberg

Westallgäuer Kammerorchester: Endlich wieder auf der großen Bühne

Die in Tokio geborene Pianistin Mizuka Kano war bereits im Jahr 2016 mit dem Westallgäuer Kammerorchester auf der Bühne. Jetzt beeindruckte sie ihr Publikum mit einem temperamentvoll interpretierten Klavierkonzert von Haydn.

Die in Tokio geborene Pianistin Mizuka Kano war bereits im Jahr 2016 mit dem Westallgäuer Kammerorchester auf der Bühne. Jetzt beeindruckte sie ihr Publikum mit einem temperamentvoll interpretierten Klavierkonzert von Haydn.

Bild: Babette Caesar

Die in Tokio geborene Pianistin Mizuka Kano war bereits im Jahr 2016 mit dem Westallgäuer Kammerorchester auf der Bühne. Jetzt beeindruckte sie ihr Publikum mit einem temperamentvoll interpretierten Klavierkonzert von Haydn.

Bild: Babette Caesar

Das Westallgäuer Kammerorchester gibt in Lindenberg sein erstes Konzert seit zwei Jahren. Beim Auftritt im Löwensaal begeistert vor allem eine Pianistin.
11.05.2022 | Stand: 14:44 Uhr

Die Durststrecke hat ihr Ende gefunden. Nach gut zwei Jahren sind die Musikerinnen und Musiker des Westallgäuer Kammerorchesters wieder auf der Bühne. Im Lindenberger Löwensaal feierten sie ihr „Comeback“. Mit ihrem Dirigenten Marcus Hartmann und der Pianistin Mizuka Kano boten sie Bekanntes und Unbekanntes von vier Komponisten des 18. und 19. Jahrhunderts. Sie deckten damit ein breites Spektrum unterschiedlicher Stilrichtungen ab.

Marcus Hartmann, der das Kammerorchester seit 2015 leitet, hat seine Werkauswahl wohl bedacht. So hob das Allegro der Mannheimer Sinfonie in G-Dur des Komponisten und Bratschisten Carl Stamitz (1745 bis 1801) statt pompös eher verhalten an. Nein, die beiden vergangenen Jahre lassen sich nicht einfach vom Tisch wischen, so als wäre nichts gewesen. Die Leichtigkeit und Selbstverständlichkeit, mit der Besucherinnen und Besucher sich vor dieser Zeit in Konzertsälen einfanden, hat stark gelitten und will erst wieder zurückgewonnen werden. Dieses Gefühl blieb spürbar unter der Oberfläche einer vermeintlichen Normalität.

Konzert des Westallgäuer Kammerorchesters in Lindenberg

Was die Streicher in Stamitz´ Allegro an Behutsamkeit und Tröstlichem boten, setzte sich im Larghetto als Grundstimmung fort, um dann im Presto sehr forsch und aufstrebend alles Gedämpfte aufzulösen. Zwischen Violinen, Bratschen und Celli entwickelte sich ein feuriger Dialog, der exemplarisch für die berühmte Mannheimer Schule steht. Als Sohn von Johann Stamitz, der die Mannheimer Hofkapelle zum wohl berühmtesten Orchester des 18. Jahrhunderts formte, hat Carl allein an die 80 Sinfonien geschrieben. Obwohl er als Vorbild für Komponisten der Wiener Klassik, auch Ludwig van Beethoven, galt, ist Stamitz nicht berühmt geworden.

So erging es auch Wassili Sergejewitsch Kalinnikow (1866 bis1901) und dessen aus dem Jahr 1891 stammender g-Moll-Serenade. Sie mag melancholisch gefärbt erscheinen und damit dem Klischee der russischen Seele entsprechen. Doch zeichnete sie sich am Konzertabend durch eine Fülle aus, die nicht einfach nur überbordend daherkam, sondern von großem Einfallsreichtum in den Details bestimmt war.

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Ganz andere Klangfarben gestaltete Peter Warlocks (1894 bis 1930) in seiner „Carpriol Suite“. Im Oktober 1926 entstanden, gehört sie zu Philip Heseltines (so sein richtiger Name) bekanntesten Werken. Das Werk basiert auf französischen Tänzen des 16. Jahrhunderts. Einem hell aufleuchtenden, energetisch aufgeladenen Basse-Danse folgte die unter Choristen viel geliebte Pavane „Belle qui tiens ma vie captive dans les yeux“, die in ausschweifenden Streicherbögen mittelalterliche Tanzrhythmen aufnimmt: verspielt und leicht, als die Instrumente durch bloßes Zupfen erklangen, um dann wilde Dynamik zu entwickeln.

Nach zwei Jahren Pause feiert das Westallgäuer Kammerorchester seinen Auftritt im Löwensaal. Das Bild zeigt Ekkehart Mirwald (links) und Marcus Hartmann (rechts).
Nach zwei Jahren Pause feiert das Westallgäuer Kammerorchester seinen Auftritt im Löwensaal. Das Bild zeigt Ekkehart Mirwald (links) und Marcus Hartmann (rechts).
Bild: Babette Caesar

Den Höhepunkt bot die in Tokio geborene Pianistin Mizuka Kano mit ihrem Solopart in Joseph Haydns D-Dur Klavierkonzert Nr. 11. Sie dürfte dem Publikum noch aus einem Auftritt im Juni 2016 bekannt sein. Temperamentvoll im Anschlag gestaltete sie die Nuancen zwischen vorwärts drängenden und zurückgenommenen Partien im Adagio schön aus und ließ Akkorde weich perlen.

Dirigent Marcus Hartmann zeigt sich tief berührt

„Sie können sich gar nicht vorstellen, wie glücklich wir sind, dass wir wieder da sind“, sagte Marcus Hartmann tief berührt. Er erinnerte an das Gründungsjahr 1997 des Westallgäuer Kammerorchesters und würdigte zwei seit 25 Jahren aktive Gründungsmitglieder: den Violinisten Ekkehart Mirwald und Hans-Martin Böhm.

Marcus Hartmann ist seiner Art des Dirigierens treu geblieben: Stets lässt er Spielraum und reizt nicht alles aus, sodass ein Gefühl von Freiheit entsteht. Das Publikum im nahezu ausgebuchten Lösensaal dankte mit nicht enden wollendem Applaus.

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