Kunst

Wolfram Diehl stellt im Dorfstadel Ellhofen aus

Der ehemalige Kunstlehrer Wolfram Diehl stellt momentan im Dorfstadel Ellhofen aus.

Der ehemalige Kunstlehrer Wolfram Diehl stellt momentan im Dorfstadel Ellhofen aus.

Bild: Stefanie Gronostay

Der ehemalige Kunstlehrer Wolfram Diehl stellt momentan im Dorfstadel Ellhofen aus.

Bild: Stefanie Gronostay

Wolfram Diehl erschafft mit seiner speziellen Druckmethode Bilder mit Tiefe und Bewegung.Insbesondere die Natur spielt in seinen Motiven eine große Rolle.

11.09.2020 | Stand: 07:15 Uhr

Es ist die Natur, die sich durch Wolfram Diehls Kunst zieht wie ein roter Faden – die Natur der Dinge, die Natur des Seins. Im einen Moment ist sie sanft und ruhig, im anderen ungestüm, grob – aber stets leidenschaftlich. Es ist die Bewegung, die sich in Diehls Bildern widerspiegelt. Ein Hauch, der nicht zu fassen ist, ein Flimmern und dann diese Tiefe, in der noch so viel mehr verborgen scheint. „Bilder im Hochdruck“ heißt die aktuelle Ausstellung im Dorfstadel Ellhofen, die noch bis Sonntag, 13. September geht.

Wolfram Diehl ist kein Künstler, der einfach nur malt, wie er sagt. Er erschafft, stellt her, probiert, kombiniert und experimentiert. Diehl durchläuft einen Prozess. Mit einer speziellen Druckmethode kreiert der Ellhofener seine Bilder. Dafür stellt er mehrere Platten mit hoch liegenden Teilen und Vertiefungen her und streicht sie mit einer Farbe ein. Übereinander gedruckt ergeben sie ein Bild, das alles andere als zweidimensional erscheint. Diehl ordnet die Bildteile an und fügt sie zu einem Kunstwerk zusammen.

Beim Betrachter werden unterschiedliche Assoziationen geweckt

„Im Herbst I“ heißt ein Werk von ihm. Es lebt durch satte rote Farben. Durchzogen von Sehnen und Fasern wird die Leinwand zum Blatt, das, bevor es vom Baum fällt, ein letztes Mal in den leuchtendsten Farben erstrahlt. Seine Mitte scheint zu beben. Pulsieren. Kleine schwarze Striche bilden das Zentrum des Bildes – das Herz. Die scheinbare Klarheit am Rand steht dem inneren Chaos entgegen. Wer genau hinsieht, entdeckt unter der Oberfläche ein Leuchten. Die unterschiedlichen Bildteile ergänzen sich, verbinden sich äußerlich zu einem Ganzen, das spannende Gegensätze bereit hält.

Ruhe und Beständigkeit strahlt hingegen „frühmorgens“ aus. In hellen Farben – weiß und grün – scheint das Bild aus seinem Schlaf zu erwachen. Bei seinem Betrachter weckt es Assoziationen wie eine nasse Wiese, das Abperlen des Taus und die ersten Sonnenstrahlen, die durch die Wolkendecke brechen. „Jeder sieht in den Bildern etwas anderes“, sagt ihr Erschaffer. Eher zufällig, wie Diehl es formuliert, berührt das eine oder andere Bild. „Wenn das gelingt, schenkt das Freude.“

Die neuste Reihe aus Diehls Sammlung ist ein Motiv in unterschiedlichen Ausführungen, Facetten und Emotionen. „Beschwingt“ heißt eine Version, die eine Person, eingehüllt in einen Umhang, zeigt. Hell aufflammendes Licht durchbricht dunkle Farben. Die Person strahlt Wärme, Begeisterung und Leidenschaft aus. Die unterschiedlichen Strukturen erschaffen Bewegung und Lebendigkeit. Im Gegensatz dazu steht „eingehüllt“. Eine Person mit einem langen Umhang, umgeben von dunklen Farben. Der Umhang scheint durchsichtig, fast schon transparent. Er sieht inmitten der schweren Farbtöne leicht aus und erweckt den Eindruck, zu schweben. Dahinter ist ein Schatten zu erkennen. In einem kurzen Moment erkennt man ein Gesicht, doch dann verschwindet es auch schon wieder hinter den Falten und Fasern des Mantels. Die Leichtigkeit steht den Brauntönen gegenüber. Das Bild erdet – hüllt in die Natur ein.

Die Natur spielt bei Diehl eine große Rolle

Diehl verwendet für seine Werke hauptsächlich Naturfarben. Braun, grün, rot dominieren die Wände des Dorfstadels. Licht und Schatten spiegeln sich in den Werken wider, die wie ein Fenster in die Landschaft erscheinen. „Der Dorfstadel ist ein guter Ort zum Betrachten der Bilder“, sagt Diehl. Er habe das alte Holzhaus lieber als eine weiße sterile Galerie. Der Boden knarzt, die Sonne taucht die Wände in ein warmes Licht. Dann fällt der Blick durch das Fenster des Dorfstadels auf den angrenzenden Garten. Dort stehen ein großer Apfelbaum, Bienenstöcke und eine große Tanne, die ihren Schatten wirft. Natur pur.