Lindau/Kempten

Zusammen mit zwei Clowns den Dealer überfallen

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Bild: boxler

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Prozess Angeklagter landet seit seiner frühen Jugend wegen verschiedener Delikte regelmäßig vor Gericht. Jetzt muss er zum ersten Mal ins Gefängnis – und das bringt den 24-Jährigen bitterlich zum Weinen
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Von sz
23.09.2019 | Stand: 15:18 Uhr

Er war fast noch ein Kind, als er 2011 zum ersten Mal auf der Anklagebank saß – damals wegen besonders schweren Diebstahls. Daraus gelernt hat der heute 24-jährige Lindauer offenbar nicht viel: Es folgten weitere Diebstähle, Körperverletzungen, Hausfriedensbruch. Doch so hart er auf der Straße zu sein scheint: Vor Gericht schießen ihm immer wieder die Tränen in die Augen. Vor allem, als Richter Christoph Schwiebacher das Urteil spricht. Denn zum ersten Mal in seinem Leben muss der Angeklagte ins Gefängnis – wegen schweren Raubs, gefährlicher Körperverletzung und Beschaffen von Betäubungsmitteln. Von den Mittätern, die Clownmasken trugen, fehlt jede Spur.

Was genau vor der Tat zwischen dem Angeklagten und seinem Opfer passiert ist, konnte das Kemptener Landgericht nicht mehr rekonstruieren. Laut Angeklagtem hatte es vorher einen Marihuana-Deal gegeben, bei dem das spätere Opfer seinen Bekannten abgezockt habe. Der 31-jährige Geschädigte bestritt dies. Fest stand nach drei Stunden Verhandlung: In einer Nacht Ende Januar 2018 hat der Angeklagte gemeinsam mit zwei Bekannten dessen Wohnungstür eingetreten, den 31-Jährigen verprügelt und 16 Cannabispflanzen geklaut.

Der Angeklagte bestritt zunächst vehement, dass er in besagter Nacht mit in der Wohnung war. „Der Strafrahmen ist mindestens fünf Jahre. Wenn Sie das nach unten korrigieren möchten, ist die einzige Möglichkeit ein Geständnis“, sagte Richter Schwiebacher. Das darauf folgende Geständnis wirkte halbherzig. Gemeinsam mit den zwei Bekannten sei er in besagter Nacht zur Wohnung des späteren Opfers in Vorarlberg gefahren. Zuvor habe es Unstimmigkeiten gegeben, weil das Opfer einem dieser Bekannten für 1500 Euro Gras von schlechter Qualität verkauft habe. Dieses habe der 31-Jährige nicht mehr zurücknehmen wollen. Also sei man gekommen, um die Angelegenheit zu klären. Was dann passierte, sei ihm nicht klar gewesen. „Ich hab’ erst damit gerechnet, als sie die Masken herausgezogen haben“, sagte er.

Im Gegensatz zu ihm hatten sich die beiden anderen mutmaßlichen Täter offenbar vorbereitet. Sie zogen sich Clownmasken übers Gesicht, bevor sie gemeinsam die Tür ihres Opfers auftraten. Die beiden Männer in Clownmasken sollen Messer und Schlagring gezückt haben. Damit bedrohten sie den 31-Jährigen, bevor das Trio all seine Hanfpflanzen einpackte. Die drei schlugen ihr Opfer, sodass es unter anderem eine Rippenprellung erlitt – wahrscheinlich zumindest. Denn das Opfer ist nach der Tat weder zur Polizei noch zu einem Arzt gegangen. Seine Aussage dazu machte der 31-Jährige erst viel später, als das Landeskriminalamt Vorarlberg gegen ihn ermittelte, weil bei ihm 120 Cannabispflanzen gefunden wurden. Dass sowohl Opfer als auch Angeklagter Dreck am Stecken haben, war für das Gericht eindeutig. „Der Zeuge hat uns auch nicht mit der Wahrheit bedient“, sagte Schwiebacher in seiner Urteilsbegründung.

Die Staatsanwaltschaft forderte für den 24-Jährigen eine Haftstrafe von fünfeinhalb Jahren. Zu seinen Gunsten wertete sie das Teilgeständnis und die Tatsache, dass er zumindest versucht hatte, die beiden Männer in Clownmasken zu identifizieren, allerdings erfolglos. Dass er sich nachts Zutritt zur Wohnung des Opfers verschafft hatte, spreche dagegen für eine hohe kriminelle Energie.

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Der Verteidiger forderte eine Bewährungsstrafe für seinen Mandanten. Immerhin sitze dieser schon seit neun Monaten in Untersuchungshaft und habe mittlerweile begriffen, dass sich in Zukunft etwas ändern müsse. „Die Tat war nicht geplant, sonst hätte er eine Maske getragen“, sagte er.

Die Schöffenkammer um den vorsitzenden Richter Schwiebacher verurteilte den Angeklagten schließlich zu drei Jahren Haft. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. „Das ist eine der übelsten Taten, die Sie da begangen haben“, sagte Schwiebacher. Man müsse sich nur vorstellen, wie es ist, wenn nachts drei Männer in die eigene Wohnung einbrechen. Mit seinem Geständnis habe der Angeklagte gerade noch die Kurve gekriegt. Jetzt habe er noch etwa ein Jahr und drei Monate vor sich, bis er eine Haftverkürzung beantragen könne. „In dieser Zeit können Sie sich überlegen, wie Ihr Leben in Zukunft aussehen soll.“ In seinem letzten Wort konnte der Angeklagte kaum noch sprechen. Er weinte bitterlich.