Stromrechnung nicht bezahlt

Wenn der Anbieter den Strom abdreht - so viele Haushalte im Allgäu sind betroffen

Im Jahr 2019 waren 289.000 Haushalte in Deutschland von einer Stromabschaltung betroffen - Tendenz fallend.

Im Jahr 2019 waren 289.000 Haushalte in Deutschland von einer Stromabschaltung betroffen - Tendenz fallend.

Bild: Uwe Zucchi, dpa (Symbolbild)

Im Jahr 2019 waren 289.000 Haushalte in Deutschland von einer Stromabschaltung betroffen - Tendenz fallend.

Bild: Uwe Zucchi, dpa (Symbolbild)

Licht aus, Strom weg: Jährlich wird tausenden deutschen Haushalten der Strom abgedreht. Wie die Situation im Allgäu ist und was die Stromanbieter sagen.
29.10.2020 | Stand: 07:16 Uhr

Ein Leben ohne Strom ist kaum mehr vorstellbar. Licht, Waschmaschine und Kühlschrank laufen wie selbstverständlich. Das gilt allerdings nicht für jeden. Im Jahr 2019 wurde in Deutschland 289.000 Haushalten der Strom abgedreht, wie aus einer Mitteilung der Bundesnetzagentur zum Energiemarkt hervorgeht. Zum Vergleich: Im Jahr 2018 waren es noch 296.000, im Jahr 2017 sogar noch 330.000 Haushalte, die zeitweise ohne Strom leben mussten.

Die Zahlen sprechen für einen positiven Trend. Der Wert aus 2019 ist sogar der niedrigste seit Beginn der Aufzeichnungen im Jahr 2011. Es gibt also eine bundesweite Verbesserung, die man auch im Allgäu und seinen angrenzenden Gebieten spürt. Stefan Nitschke, Pressesprecher des Allgäuer Überlandwerks, berichtet von 383 Stromsperrungen im Vertriebsgebiet. Dieses umfasst sowohl Kempten, das nördliche und Teile des südlichen Oberallgäus. Zwei Jahre zuvor waren es noch über 500 Haushalte, denen der Strom genommen wurde.

Das Allgäu steht vergleichsweise gut da

Doch die Zahlen enthalten auch Mehrfach-Sperrungen. "Es sind also nicht nur Einzelschicksale", weiß Pressesprecher Nitschke. Vergleicht man Deutschland mit dem Allgäu, dann wird schnell deutlich, dass es der Region insgesamt ziemlich gut geht. Das AüW verzeichnete 2018 eine Sperrquote von 0,42 Prozent, während es in Deutschland eine Sperrqoute von 0,6 Prozent gab. Luisa Rauenbusch, Pressesprecherin der LEW, berichtet bei ihren Kunden sogar von Stromsperrungen nur im "Promillebereich".

Momentan gibt es keine Analysen dazu, womit der positive Abwärtstrend zusammenhängt. Wider Erwarten habe auch die Corona-Krise am Trend nichts geändert. "Das liegt aber vor allem an der verlängerten Sperrfrist", meint Nitschke. Denn während des Lockdowns wurde den Menschen seitens des AüW der Strom nicht eingestellt.

Stromsperrung: Was tun, damit das Licht nicht ausgeht?

Dabei ist die absolute Stromsperrung eigentlich nur der letzte Ausweg. "Grundsätzlich müssen wir nur sperren, wenn man nicht mit uns spricht", betont Nitschke. Auch die LEW setze alles daran, "dass eine Stromsperre immer die letzte Option" ist.

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Das Gesetz sieht das anders: Ab einem Zahlungsversäumnis von 100 Euro und mehr oder einem überschrittenen Zahlungsziel von sieben Tagen, darf der Anbieter den Strom abstellen. Zu streng, findet das AüW. Grundsätzlich läuft das Verfahren beim Allgäuer Überlandwerk in mehreren Schritten ab.

Zahlt ein Kunde nicht innerhalb der sieben Tage, bekommt er zunächst eine freundliche Zahlungserinnerung. Das Wort "Mahnung" komme darin überhaupt nicht vor. Erst zwei Wochen später erfolge die Mahnung. Dann auch mit dem Hinweis zu einer möglichen Stromsperrung. Wird immer noch nicht bezahlt, erhält der Kunde ein Informationsblatt mit Möglichkeiten zur Hilfe sowie den Hinweis, dass nach weiteren sieben Tagen der Strom abgeschaltet wird.

Allgäuer Überlandwerk: Strom aus erst nach 49 Tagen

Von Beginn der Erinnerung bis zur tatsächlichen Sperrung vergehen insgesamt 49 Tage. Dann erst herrscht Dunkelheit. Doch das Licht muss nicht ausgehen. Geraten Kunden in Zahlungsschwierigkeit, sollen sie zunächst die Stromversorger kontaktieren. Wichtig sei, keine Hemmungen vor einem Gespräch zu haben, betont Nitschke. Gerade auch in der aktuellen Zeit seien die Stromversorger bereit für Gespräche. Hilfsorganisationen wie die Caritas bieten zudem Unterstützung an.