Warnung Deutscher Wetterdienst

Wie entsteht Nebel - und warum sind manche Landkreise besonders stark betroffen?

Gefährlich und schön zugleich: Nahe des Forggensees im Ostallgäu ist Nebel in den Herbstmonaten keine Seltenheit.

Gefährlich und schön zugleich: Nahe des Forggensees im Ostallgäu ist Nebel in den Herbstmonaten keine Seltenheit.

Bild: Benedikt Siegert (Archivbild)

Gefährlich und schön zugleich: Nahe des Forggensees im Ostallgäu ist Nebel in den Herbstmonaten keine Seltenheit.

Bild: Benedikt Siegert (Archivbild)

Wetter: Warnungen vor Nebel hat es in den vergangenen Tagen im Allgäu nahezu täglich gegeben. Doch wo kommt der Nebel her und wie gefährlich ist er wirklich?
12.11.2020 | Stand: 12:04 Uhr

Fast täglich schickt der Deutsche Wetterdienst Warnungen vor Nebel im Allgäu heraus. So auch für den heutigen Donnerstag. Und tatsächlich dominiert der Nebel mancherorts bereits am Morgen, verzieht sich bis zum späten Nachmittag, um dann gegen Abend wieder Einzug zu halten. Doch warum macht sich der Nebel ausgerechnet in den Herbstmonaten breit? Wo kommt er her und welche Nebelformen gibt es? Und: Was kann an der "Bodenwolke" so gefährlich sein? Wir haben mit einem Wetterexperten gesprochen.

Was ist eigentlich Nebel?

In ganz Deutschland scheint der Nebel überhandzunehmen - von der Nordsee bis zu den Alpen sind zahlreiche Regionen betroffen. Die Sichtweite liegt verbreitet unter 500 Metern, in einigen Flusstälern sind es teils sogar unter 100 Metern.

"Wenn die Luftfeuchtigkeit 100 Prozent erreicht, bildet sich Nebel", sagt Jürgen Schmidt, Diplom-Meteorologe von WetterKontor. Im Prinzip ist Nebel also nichts anderes als eine Wolke am Boden. Von Nebel spricht man, sobald die Sichtweite unter einem Kilometer liegt. Bei Sichtweiten ab einem Kilometer ist von feuchtem Dunst die Rede.

Nebel entsteht, wenn die Luft mit Wasserdampf gesättigt ist und der überschüssige Wasserdampf kondensiert. Das geschieht meistens bei Abkühlung, denn warme Luft kann mehr Wasserdampf halten als kühle Luft. Wenn sich die Luft unter einen bestimmten Temperaturwert abkühlt, dann kondensiert der nicht mehr zu haltende Wasserdampf an Staub oder Rußpartikeln, sodass sich kleinste Tröpfchen bilden.

Nebel entwickelt sich vor allem in klaren Nächten, da der tagsüber aufgewärmte Boden durch Ausstrahlung so viel Wärme verliert, dass die Luft irgendwann gesättigt ist. Tagsüber wird der Nebel von der wärmenden Sonne meist aufgelöst. Nur im Winter ist die Einstrahlung der Sonne zu schwach dazu, weshalb sich der Nebel dann oftmals über mehrere Tage hartnäckig hält, sagt Schmidt.

Verschiedene Formen von Nebel

Strahlungsnebel entsteht laut dem Meteorologen vor allem in wolkenlosen Nächten. "Die Temperatur kühlt sich bis zum Taupunkt ab und der kondensierte Wasserdampf heftet sich an die Dreckpartikel in der Luft an, sodass sich der Strahlungsnebel bildet."

Mischungsnebel bildet sich, wenn sich kältere und wärmere Luft miteinander vermischen. Diese Nebelform sieht man häufig über Gewässern, da dort warme Luft auf das kalte Wasser trifft.

Nebel an den Bergen

Ein hierzulande bekanntes Nebelphänomen ist die Bildung von Hochnebel. "Dieser hebt sich ab, liegt auf den Mittelgebirgen auf und ist von weiter oben als dicke, graue 'Decke' zu sehen", sagt Meteorologe Schmidt. Hochnebel bildet sich vor allem während der Übergangsjahreszeiten und bei windschwachen Hochdruckwetterlagen. Dann kommt es in der Nacht im Bereich der Talachse dazu, dass sich die bodennahe Kaltluft mit der darüber liegenden wärmeren Talluft durchmischt - die sogenannte Inversionswetterlage.

Dadurch setzt im mittleren Talbereich die Kondensation ein, sodass sich im oberen Bereich zuerst eine Dunstschicht bildet. Im Laufe der Nacht kühlt sich diese immer weiter ab, wodurch sich die Schicht verdichtet, bis Nebel entsteht.

Neben den Hochnebeln bilden sich im Winterhalbjahr unter bestimmten Bedingungen auch ausgedehnte Nebelmeere in den Tieflagen. Diese werden durch ein stabiles Hochdruckgebiet begünstigt. Da in den Wintermonaten die Sonneneinstrahlung häufig schwächer ist, lösen sich die Nebelmeere thermisch kaum auf und bleiben teils den ganzen Tag über.

Kein seltenes Bild in den Allgäuer Alpen: Wer im Herbst früh in den Bergen unterwegs ist, schaut oft auf eine dicke Nebelschicht herab.
Kein seltenes Bild in den Allgäuer Alpen: Wer im Herbst früh in den Bergen unterwegs ist, schaut oft auf eine dicke Nebelschicht herab.
Bild: Mark Bihler (Archivbild)

Warum ist es in manchen Allgäuer Landkreisen öfter neblig?

Generell besteht in der Nähe von Gewässern eine höhere Wahrscheinlichkeit, dass Nebel auftritt. Wo sich der Nebel bildet und hält, hängt laut Schmidt vor allem von Hebungseffekten und dem Luftdruck ab. Deshalb ist es oftmals so, dass der Nebel sich von der Schwäbischen Alb bis nach Memmingen und Teile des Unterallgäus hartnäckig hält, während in Kempten und südlich davon die Sonne scheint.

Ist Nebel gesundheitsschädlich?

"Nebelgebiete zeugen davon, dass der Luftaustausch nicht funktioniert. Umso länger dann die Inversionslage andauert, desto schlechter wird auch die Luft", sagt Schmidt. Lufthygienisch ist Nebel somit durchaus kritisch zu bewerten. Laut Diplom-Meteorologe Schmidt entsteht Nebel nämlich dort, wo die Luft nicht ganz sauber ist. Löst sich der Nebel über Tage nicht mehr auf, können sich Luftschadstoffe dort konzentrieren, sodass sich Wintersmog bildet.

"Tiefdruckgebiete sorgen meist dafür, dass der Wind den Nebel wegbläst. Die Hebungseffekte heben dann den Nebel", sagt der Meteorologe. Winde kurbeln also den Luftaustausch wieder an.

Nebel verschlechtert die Sicht und erhöht die Unfallgefahr

Besonders Nebelbänke sind laut dem Wetterexperten gefährlich, da die Sicht dann auch mal unter 200 Meter sinkt. Und das teils ganz plötzlich. "Nebelbänke können ganz unerwartet auftauchen und können wegen der schlechten Sicht vor allem im Straßenverkehr zur Gefahr werden."

Wie gefährlich Nebel tatsächlich werden kann, zeigt ein Beispiel aus Plattling in Niederbayern. Dort sind am vergangenen Sonntag fünf Jugendliche bei starkem Nebel auf die Gleise gegangen und haben gleich zwei Züge zur Notbremsung gezwungen. Die Teenager im Alter von etwa zwölf Jahren waren auf den Gleisen, worauf der erste Zug stark abbremsen musste und zum Stehen kam, wie die Bundespolizei mitteilte. Als der Zug weitergefahren war, gingen die Jugendlichen wieder auf die Gleise in der Nähe der Isar-Brücke. Ein zweiter Zug musste dann ebenfalls abrupt bremsen.

Eine Anwohnerin hatte das Geschehen am Sonntag beobachtet und die Polizei alarmiert. Die Gruppe war allerdings schon weg, als die Ermittler anrückten. "Glücklicherweise konnten die Lokführer rechtzeitig die Züge zum Anhalten bringen", hieß es in der Mitteilung. Schäden gab es nicht. Ermittelt wird nun wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr.

Immer wieder kommt es auf Gleisen zu tödlichen Unfällen. Zuletzt waren Mitte Oktober bei Landshut zwei Brüder gestorben, als sie bei heruntergelassener Schranke über die Gleise gingen und von einem Zug erfasst wurden. "Moderne Züge sind schnell, leise und dadurch erst sehr spät zu sehen und hören. Niemand darf sich darauf verlassen, dass er einen herannahenden Zug rechtzeitig bemerkt", warnte die Polizei. Vor allem wenn Nebel die Sicht verschlechtert, ist das Gefahrenrisiko daher hoch.

Nebel sorgt für tolle Herbststimmung

Doch nicht nur Verkehrsteilnehmer sollten bei Nebel aufmerksamer sein, auch für Naturfreunde und Fotografen lohnt es sich, den Nebel genau zu betrachten. Denn die "Wolken am Boden" können für tolle Stimmung sorgen. Vor allem wenn sich der Nebel an die Allgäuer Alpen schmiegt, gibt das oftmals ein beeindruckendes Bild. Wie schön Nebel die Allgäuer Natur verzaubern kann, zeigt unsere Bildergalerie:

Bilderstrecke

So schön kann Nebel sein

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