Naturschutz

Wie Bergwälder bei Starkregen im Allgäu helfen können

Wagneritz Rettenberg

Siedlungen am Fuße des Grüntens wurden bei einem Unwetter Ende Juli stark beschädigt.

Bild: Martina Diemand

Siedlungen am Fuße des Grüntens wurden bei einem Unwetter Ende Juli stark beschädigt.

Bild: Martina Diemand

Bäume können zum Schutz von Siedlungen gegen Unwetter beitragen, weil sie den Boden stabilisieren. Doch die Speicherkapazität ist begrenzt.
03.09.2021 | Stand: 06:00 Uhr

Wassermassen schossen nach einem Starkregen Ende Juli durch die Rettenberger Ortsteile Wagneritz und Altach. Auch in anderen Oberallgäuer Orten liefen nach dem Schlagwetter Keller voll und das Wasser hinterließ eine Spur der Verwüstung. Doch der Millionenschaden wäre wohl noch deutlich höher ausgefallen, wenn ein natürlicher Schutz gefehlt hätte: der Bergwald.

„Der Waldboden wirkt wie ein Schwamm“, sagt Simon Östreicher vom Kemptener Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF). Das Wasser fließt so langsamer ab. Unbegrenzt halte der Schutz aber nicht. Wenn es zu stark und oder zu lange regnet, ist der „Schwamm Waldboden“ irgendwann zu voll und kann das Wasser nicht mehr halten. „Aber dann ist es immer noch besser, als wenn das Wasser gleich ungebremst über Fels und Wiesen ins Tal gelaufen wäre.“

Waldboden als guter Wasserspeicher

Je intensiver und tiefgründiger ein Boden durchwurzelt ist, desto höher ist seine Speicherkapazität. „Wald hält den Boden besser zusammen“, sagt Peter Titzler vom AELF. „Tiefwurzler“ wie die Tanne seien besonders wertvoll. Aber die Mischung der Bäume müsse stimmen und zum Boden passen.

„Die Funktion des Bergwaldes kann man dort am besten erkennen, wo er nicht mehr vorhanden ist“, sagt Karl Schindele, Leiter des Wasserwirtschaftsamts Kempten. So würden gerade in Ländern in Südeuropa Schlamm und Wassermassen teilweise ungebremst in die Täler schießen, weil die Wälder in früherer Zeit abgeholzt wurden. Dort sei die Erosion häufig auch durch aufwendige technische Projekte nicht mehr aufzuhalten. „Der Bergwald ist unglaublich wichtig für den Erosionsschutz und den natürlichen Wasserrückhalt in der Fläche“, erläutert Schindele. „Bei großen Hochwasserereignissen kann der Bergwald alleine unsere Siedlungen jedoch nicht ausreichend schützen.“ Hier müssten zusätzlich Bauten wie Dämme und Geschiebesperren errichtet werden.

"Wo im Gebirge Boden verschwunden ist, kommt er nicht wieder"

Die positiven Effekte des Waldes sind vielfältig: Bäume entziehen dem Boden Wasser, um ihren großen Bedarf zu decken. Zudem halten sie Wasser in ihren Kronen zurück und über Nadeln und Blätter verdunstet es. Äste, Zweige, Nadeln und Blätter reduzieren zudem die Wucht, mit der die Wassertropfen auf die Erde treffen. Das ist vor allem bei Starkregen wichtig, weil der Boden so nicht abgetragen wird. Wo im Gebirge Boden verschwunden ist, kommt er nicht wieder, sagt Forstdirektor Östreicher. Technische Maßnahmen seien mühsam, teuer und nicht immer erfolgreich. Nackter Fels speichert das Wasser nicht. (Lesen Sie auch: Schutz vor Starkregen und Hochwasser: So wappnet sich das Günztal für Fluten)

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Damit der Wald seine Schutzfunktion erfüllen kann, kommt auch dem Menschen eine wichtige Rolle zu. Denn Waldarbeiten haben Folgen. Lücken im Baumbestand sollten so klein wie möglich sein und bei der Holzernte sei maximale Vorsicht geboten, warnen die Förster vom AELF. Flächendeckendes Befahren des Waldes mit schweren Fahrzeugen sei zu vermeiden: Wenn der Boden verdichtet werde, sinke seine Fähigkeit, Wasser aufzunehmen und zu speichern.

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