Wirtschaft im Allgäu

Wie kann man Käse umweltfreundlich verpacken? Ideen kommen aus dem Allgäu

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Mit seinen Kunden entwickelt Multivac am Standort Wolfertschwenden Maschinen, damit Lebensmittel möglichst nachhaltig verpackt werden können.

Bild: Thomas Schwarz

Mit seinen Kunden entwickelt Multivac am Standort Wolfertschwenden Maschinen, damit Lebensmittel möglichst nachhaltig verpackt werden können.

Bild: Thomas Schwarz

Verpackungen sollen Lebensmittel frisch halten und umweltschonend sein. Bei manchen Produkten ist das schwierig – aber Allgäuer Firmen entwickeln Ideen.
04.09.2021 | Stand: 08:24 Uhr

Müll – vor allem aus Kunststoff – belastet die Umwelt. Wie kann er reduziert oder besser verwertet werden? Welche Ansätze gibt es gerade bei Verpackungen von Lebensmitteln, die einen Großteil des Mülls ausmachen? Mit diesen Fragen befassen sich im Allgäu eine Reihe von Firmen, die in ihren Bereichen international führend sind. „Nachhaltigkeit“ lautet der Begriff, unter dem viele Ideen und Initiativen gebündelt werden.

So auch beim Verpackungsmaschinen-Hersteller Multivac in Wolfertschwenden (Unterallgäu) mit weltweit 6500 Mitarbeitern. Dessen Kunden verpacken Produkte aus den Bereichen Medizin und Non-Food, aber vielfach auch verderbliche Lebensmittel. Rund 1300 Verpackungsmaschinen liefert Multivac pro Jahr aus.

Papierverpackungen nicht immer eine Option

„Wir schauen mit unseren Kunden, wo man Verpackungen weglassen oder zumindest reduzieren kann, ohne dass sich die Haltbarkeit der Lebensmittel verringert“, sagt Stefan Scheibel, Hauptbereichsleiter im Trainings- und Innovationscenter von Multivac. Oft könnten dünnere, aber für den Produktschutz ausreichende Folien zum Einsatz kommen oder die Formen der Verpackungen verändert werden – so wird weniger Material benötigt. Scheibel beobachtet, dass umweltfreundliche Papierverpackungen zunehmen – die eignen sich jedoch nicht für alle Produkte. Für Nudeln oder Müsli schon, aber ohne zusätzliche Kunststofffolie zum Beispiel nicht für Fleisch oder Käse.

Ein Kunde von Multivac ist die Firma „Endori Food“ aus dem oberfränkischen Stegaurach. Sie stellt Fleischersatzprodukte auf Basis von Erbsen her und setzt auf eine Verpackung aus Wellpappe. Die wird innen mit einer Folie beschichtet, um die erforderlichen Barriere-Eigenschaften für die Lebensmittel zu gewährleisten. Die Innenfolie lässt sich vom Konsumenten nach Gebrauch mit einem Handgriff von der Pappe trennen, sodass die Komponenten den jeweiligen Recyclingströmen zugeführt werden können.

Nachwachsende Rohstoffe aus Mais oder Bambus

Bis 2025 hat sich Multivac die Ziele gesetzt, dass ein Großteil aller Verpackungen aus recyclingfähigen Materialien sind und bis zu 15 Prozent weniger Verpackungsmaterialien benötigt werden – was durch bessere Technik und Abläufe erreicht werden soll. Beispielsweise engagiert sich die Firma in der Initiative R-Cycle. Unter anderem ist die Idee, Informationen auf Verpackungen anzubringen, die weltweit ein sortenreines Sortieren von Abfall möglich machen – zum Beispiel mit einem QR-Code oder einem digitalen Wasserzeichen. Einen genauen Zeitplan gibt es noch nicht. Zudem soll es auch eine App geben, mit der die Verbraucherinnen und Verbraucher erkennen können, ob eine Verpackung gut zu recyclen ist.

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Um den CO2-Ausstoß und Kunststoffabfälle zu reduzieren, treibt Multivac die Entwicklung nachhaltiger Packstoffe zusammen mit deren Herstellern voran. Dabei geht es unter anderem um nachwachsende Rohstoffe wie Mais oder Bambus sowie die passenden Maschinentechnologien.

Käse verpacken als Herausforderung

Einen etwas anderen Weg geht das 1964 in Ochsenhausen nahe Memmingen gegründete Unternehmen Südpack. Am Standort Erolzheim betreibt es ein „intelligentes Wertstoffmanagement“. Da nicht alle Kunststoffe mechanisch wiederverwertet werden können, wird auch auf chemisches Recycling gesetzt, erklärt Carolin Grimbacher als geschäftsführende Gesellschafterin. So könnten wertvolle Rohstoffe gewonnen werden. Dazu zählen verunreinigte und gemischte Kunststoffe, aber auch die für die Lebensmittelindustrie weitgehend unverzichtbaren Folienverbunde. „Die Rohstoffe stehen in Neuware-Qualität zur Verfügung und lassen sich für die Herstellung von Hochleistungsfolien einsetzen.“ Nachteil: Es ist dafür viel Energie nötig.

Besondere Herausforderungen an Verpackungen stellt Käse, der Grund dafür ist sein Feuchtigkeitsgehalt. Als Pionier in diesem Bereich sieht sich die Firma „Allfo Vakuumverpackungen Hans Bresele KG“ mit Sitz in Waltenhofen (Oberallgäu). Mit 270 Mitarbeitern entwickelt das Familienunternehmen spezielle Vakuumbeutel. Diese bestehen nicht nur zu 95 Prozent aus recyclingfähigen Kunststoff, sondern unterstützen das Nachreifen des Käses und erhalten so sein Aroma.

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