Bergwaldoffensive

Wie schützen wir den Allgäuer Schutzwald?

Auch am Hirschberg bei Bad Hindelang wurde der Bergwald stark in Mitleidenschaft gezogen.

Auch am Hirschberg bei Bad Hindelang wurde der Bergwald stark in Mitleidenschaft gezogen.

Bild: Michael Munkler

Auch am Hirschberg bei Bad Hindelang wurde der Bergwald stark in Mitleidenschaft gezogen.

Bild: Michael Munkler

Seit Beginn des bayerischen Sonderprogramms wurden im südlichen Ober- und Westallgäu 230.000 Bäumchen gepflanzt. Doch welche Arten sind zukunftsfähig?
16.08.2021 | Stand: 05:30 Uhr

Wenn es die Bergwaldoffensive (BWO) im Allgäu nicht bereits seit 13 Jahren geben würde, dann müsste sie dringend gegründet werden. So sehen es die BWO-Verantwortlichen angesichts des Klimawandels, der massiv voranschreitet, mit dem Risiko von Dürren, Starkregen und Hochwasser. „Das Leben kommender Generationen wird düster sein, wenn wir heute nicht handeln“, mahnt der frühere Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, Vorsitzender des BWO-Beirats für die Landkreise Oberallgäu und Lindau. In diesem Gremium sitzen 24 Vertreter von Forst- und Landwirtschaft, Jagdwesen, Politik, Verbänden und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Seit der BWO-Gründung 2008 wurden 230 000 Bäumchen gepflanzt, fast 90 Kilometer Forst- und Rückewege instandgesetzt oder neu gebaut und über 30 Runde Tische initiiert. Dabei geht es darum, alle Beteiligten zusammenzubringen und Konzepte für die Waldpflege und den Umbau zu stabilen Berg-Mischwäldern zu erarbeiten. (Lesen Sie auch: Außergewöhnlicher Fund in Schwangau: Ein Tintenfisch im Garten?)

"Neue Länder braucht das Land"

Dass die Zeit drängt, ist für den ehemaligen Oberallgäuer Forstdirektor und Buchautor Dr. Ulrich Sauter keine Frage. Er fordert: „Neue Länder braucht das Land!“ –angesichts des durch die Erwärmung und Trockenperioden verursachten Fichtensterbens, das in anderen Teilen Deutschlands noch weit schlimmer als im Alpenraum ist. Doch wie sieht der Bergwald der Zukunft aus? Selbst Fachleute haben darauf keine hundertprozentige Antwort. Experimentiert wird beispielsweise mit der Douglasie oder der Libanon-Zeder. Beide Baumarten sollen Trockenheit und Wärmephasen besser überstehen. Als sicher gilt, dass der Anteil der Weißtannen und anderer Laubbäume vergrößert werden soll. (Lesen Sie auch: Die Wildtiere im Allgäu sind immer öfter unter Stress)

Informationen zur Waldbewirtschaftung in sozialen Medien

Neben dem Klimawandel stehe die Waldbewirtschaftung auch durch die zunehmende Freizeitnutzung vor neuen Herausforderungen, hieß es jüngst in der ersten BWO-Beiratssitzung nach Ausbruch der Corona-Pandemie. Entsprechend versucht die BWO in der Öffentlichkeitsarbeit neue Wege zu gehen. Mit Informationen beispielsweise auch in den sozialen Medien. „Umso mehr Menschen sich mit dem Bergwald beschäftigen, desto besser ist es“, sagt der Allgäuer Schutzwaldmanager Klaus Dinser. Conny Nigg, nach eigenen Angaben selbst bergbegeisterte Social-Media-Managerin, will die BWO-Thematik auch jüngeren Menschen näher bringen. Unter anderem postet sie wöchentlich zwei Beiträge. Die Jugend sei naturbegeistert, ist Nigg überzeugt. Ob der geschätzte Aufwand dafür in Höhe von 50.000 bis 100 00 Euro jährlich gerechtfertigt ist, stellt Jürgen Wälder, Geschäftsführer der Hochwildhegegemeinschaft Sonthofen, in Frage. Er moniert: Jagdthemen kämen zu kurz. Demgegenüber sind beispielsweise Grünen-Landtagsabgeordneter Thomas Gehring und Wasserwirtschaftamts-Chef Karl Schindele überzeugt, dass die neuen Medien „bespielt“ werden müssen.

Es braucht Einigkeit

Aktuell gibt es bei der BWO im Bereich des Oberallgäuer Amtes für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) 15 Projektgebiete, wobei momentan aber nicht in allen gearbeitet wird. Nur wenn Jagdwesen und Grundstückseigentümer „mitspielen“ sei es vertretbar, Steuergeld einzusetzen, meint Dinser. Aktueller Streitpunkt ist der Bereich Anatswald-Leiterberg südlich von Oberstdorf. Nach Ansicht des AELF sind dort Wilddichte und Verbiss-Schäden zu groß. Dem widerspricht Jürgen Wälder von der Hochwildhegegemeinschaft entschieden: Die Schäden seien geringer als im bayernweiten Durchschnitt. Er ist überzeugt: „Das Gebiet verdient die BWO.“ Eine Entscheidung darüber soll im Herbst fallen.

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