Klimaschutz

Wie wird der Allgäuer Bergwald fit für die Zukunft?

Bergwaldoffensive: Auch am Grünten wurde aufgeforstet.

Bergwaldoffensive: Auch am Grünten wurde aufgeforstet.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Bergwaldoffensive: Auch am Grünten wurde aufgeforstet.

Bild: Matthias Becker (Archiv)

Wegen der Klima-Erwärmung kommt dem Forst eine besondere Bedeutung zu. Ein Förderprogramm soll helfen, die Fichten-Monokulturen umzugestalten.
03.08.2022 | Stand: 05:45 Uhr

Immer mehr sommerliche Hitzeperioden, Trockenheit, Dürre, punktuell Starkregen und seit Jahren sinkende Grundwasserstände: Der Klimawandel hat längst das Allgäu erreicht, die Erwärmung ist übers Jahr gerechnet in alpinen Lagen sogar noch drastischer als weiter unten. Entsprechend komme dem Bergwald eine wichtige Funktion zu, um die Folgen abzumildern, lautet das Fazit der Bergwaldoffensive (BWO). Dieses bayerische Förderprogramm wurde 2008 ins Leben gerufen, um mit staatlicher Hilfe beispielsweise Fichten-Monokulturen in klimastabile Mischwälder umzubauen. Nur so können sie ihre wichtigsten Aufgabe erfüllen: den Schutz vor Muren, Erosion und Lawinen.

Anfangs noch von einigen belächelt oder kritisiert, habe sich die Arbeit der BWO im Allgäu „verstetigt“, schilderte Klaus Dinser, Schutzwaldmanager am Amt für Landwirtschaft, Ernährung und Forsten (AELF) Kempten/Immenstadt in der jüngsten Beiratssitzung der BWO in Weiler (Kreis Lindau). In diesem Gremium sitzen 24 Vertreter von Forst- und Landwirtschaft, Jagdwesen, Politik, Verbänden und anderen Bereichen des öffentlichen Lebens.

Dauerhafte Arbeitsverträge helfen bei Umsetzung

Führten Jahresverträge für junge Forstwirtschaftler in den vergangenen Jahren immer wieder zu personellen Engpässen, können nun dauerhafte Arbeitsverhältnisse angeboten werden. Aktuell gibt es bei der BWO im Raum Oberallgäu/Kreis Lindau 14 Projektgebiete, wobei in vier momentan aber nicht gearbeitet wird. Im Ostallgäu konzentrieren sich die Aktivitäten in fünf Gebieten. Nur wenn Jagdwesen und Grundstückseigentümer „mitspielen“ sei es vertretbar, Steuergeld einzusetzen, heißt ein Grundsatz der BWO.

Seit der Gründung 2008 wurden über eine Viertelmillion Bäumchen gepflanzt, mehr als 90 Kilometer Forst- und Rückewege instandgesetzt oder neu gebaut und über 30 sogenannte Runde Tische mit Betroffenen vor Ort initiiert. Dabei geht es darum, alle Beteiligten zusammenzubringen und Konzepte für die Waldpflege und den Umbau zu stabilen Berg-Mischwäldern zu erarbeiten.

Viel Geld geht in die Öffentlichkeitsarbeit

Um die Menschen über die Bergwald-Themen zu informieren und die Probleme zu sensibilisieren, steckt die BWO viel Geld in die Öffentlichkeitsarbeit. Dabei setzt man auf zwei Schienen: So erscheint das Magazin „Bergwald Allgäu“ in einer Auflage von 70.000 Exemplaren und wird unter anderem unserer Zeitung beigelegt. Neu sei die Kooperation mit dem Ostallgäu, sagt BWO-Förster Moritz Teufel. Nach seinen Worten findet der Leser des Magazins „einen bunten Strauß an Themen“: fachliche Informationen und emotionale Waldbilder. Wöchentlich neue Beiträge gibt es in den Social Media-Auftritten der BWO beispielsweise auf Instagram. Die Zahl der regelmäßigen Nutzer (Follower) steige stetig an und liege inzwischen bei 1700, berichtet BWO-Mitarbeiter Florian Schwarz. Wichtigste Zielgruppe sind nach seinen Worten die 25- bis 45-Jährigen. Das seien die „Waldbesitzer von morgen“. Aber auch die vielen „Waldnutzer“ sollen erreicht und für die Probleme sensibilisiert werden: beispielsweise Wanderer und Outdoor-Sportler.

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Jeder in die Öffentlichkeitsarbeit investierte Euro sei „gut angelegtes Geld“, findet BWO-Beiratsmitglied Rolf Eberhard, Geschäftsführer des Naturparks Nagelfluhkette. Und der Vorsitzende des Gremiums, der frühere Oberallgäuer Landrat Anton Klotz, bekräftigt: „Wir werden so weitermachen, im Interesse zukünftiger Generationen.“

Weitere Informationen gibt es unter www. bergwald-offensive.de/kempten