So läuft die Ausbildung

Wie wird man eigentlich Bergführer?

Als angehender Bergführer begleitet Manuel Haff Gäste sicher durchs Gebirge.

Als angehender Bergführer begleitet Manuel Haff Gäste sicher durchs Gebirge.

Bild: Angelika Warmuth, dpa

Als angehender Bergführer begleitet Manuel Haff Gäste sicher durchs Gebirge.

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Sie müssen echte Bergsport-Profis sein: Bergführer haben einen herausfordernden Job. Sie werden aber mit unvergleichlich schönen Naturerlebnissen belohnt.
dpa
28.12.2020 | Stand: 10:42 Uhr

Klettern und Bergsteigen sind seine Leidenschaft. Und der geht Manuel Haff nicht nur in seiner Freizeit nach. Der 31-Jährige aus Pfronten im Allgäu ist dabei, sein Hobby zum Beruf zu machen. Wenn alles rund läuft, ist der gelernte Mechaniker in Kürze staatlich geprüfter Berg- und Skiführer.

Als solcher wird er Gäste durch die alpine Welt führen. Wanderungen, Hochtouren und Sportklettern haben Bergführer wie er ebenso im Angebot wie Skitouren, Lawinenkurse und Tiefschneefahren. "Das Schöne ist, immer draußen in der Natur unterwegs zu sein und gemeinsam mit Gästen die Alpenwelt zu erkunden", sagt Haff.

Staatlich geprüfter Berg- und Skiführer - wer sich so nennen darf, hat eine äußerst anspruchsvolle und anstrengende Ausbildung hinter sich. Eine der größten Hürden auf dem Weg zum Berufsziel: der Eignungstest. Um dafür zugelassen zu werden, müssen Bewerber eine mehrjährige alpinistische Vorerfahrung in den Bereichen Eisklettern, Skifahren, Skihochtouren, Hochtouren und alpines Felsklettern in Form eines Tourenberichts vorweisen können.

"Pro Jahr starten bis zu zwölf junge Kandidaten mit den Eignungstests, leider schaffen ihn aber nur einige wenige", sagt Hans Honold, Geschäftsführer der Alpine Welten Die Bergführer GmbH mit Sitz in Berghülen. Der Grund für die hohen Eingangsvoraussetzungen: Das persönliche Können ist ein Muss, wird aber während der Ausbildung kaum noch geschult. Stattdessen stehen Risikobeurteilung und Führungstechnik im Vordergrund.

"Man muss als Bergführer oft vorausschauend denken und handeln", erzählt Haff. Wer mit einer Gästegruppe etwa in einem eher brüchigen Gelände unterwegs ist, muss zwischendurch innehalten und abwägen, an welchen Stellen ein schönes Naturerlebnis oder womöglich Gefahren drohen könnten. Auch Sicherungstechniken müssen Bergführer aus dem Effeff beherrschen und im Notfall umgehend und vor allem umsichtig und besonnen anwenden können.

Bergführer werden: Viel Theorie und sieben praktische Lehrgänge

Die insgesamt etwa dreijährige Ausbildung gliedert sich in zahlreiche Kursabschnitte, die berufsbegleitend absolviert werden können. Im theoretischen Teil geht es um Themen wie etwa Wetterkunde, Orientierung oder Sicherung. Lawinenkunde, alpine Gefahren oder Aspekte des Naturschutzes werden ebenfalls beleuchtet.

Im praktischen Teil der Ausbildung absolvieren die Anwärter sieben Lehrgänge rund um Fels, Eis und Winter, die mit einer Prüfung enden. "Das Niveau ist hoch, auch das physische", sagt Haff. Wer die Prüfungen bestanden hat, kann mit dem Praktikum bei einem lizenzierten Ausbildungsbetrieb beginnen.

Während des Praktikums stehen Anwärter einem Bergführer zur Seite - auf Ski- und Hochtouren mit Gästen oder bei Kletter- und Hochtourenkursen. "Jetzt kommt es nicht zuletzt darauf an, das Zwischenmenschliche zu erlernen", erklärt Honold. Denn Bergführer sind auch Risikomanager und Kamerad. Sie müssen in der Lage sein, sich in unterschiedliche Charaktere hineinzuversetzen.

Geraten einzelne in der Gruppe in eine Extremsituation, zum Beispiel, weil sie schlicht Angst vor der nächsten alpinen Herausforderung haben, muss der Bergführer sie trösten und motivieren. "Man darf nie vergessen, wie es war, als man selbst mal angefangen hatte", so Haff.

Motivieren gehört zum Job: Der angehende Bergführer Manuel Haff übt auf Trainingstouren, sich auf unterschiedliche Charakter einzustellen.
Motivieren gehört zum Job: Der angehende Bergführer Manuel Haff übt auf Trainingstouren, sich auf unterschiedliche Charakter einzustellen.
Bild: Angelika Warmuth, dpa

Die Ausbildung einschließlich Praktikum steht unter Aufsicht der Technischen Universität München (TUM) und endet mit einer staatlichen Prüfung nach der Ausbildungs- und Prüfungsordnung der Fachsportlehrer im freien Beruf in Bayern. Die Prüfung erfolgt an mehreren alpinen Standorten. Sie kostet rund 1700 Euro. Hinzu kommen Kurs- und Lehrgangsgebühren sowie Kosten für Arbeitsmittel, Fachliteratur und auswärtige Übernachtungen. Laut Hanold müssen Anwärter rund 12 000 Euro für die Ausbildung veranschlagen.

Aber bereits in der Ausbildung erhalten Bergführer-Aspiranten - so heißen sie nach den Lehrgängen - für jeden Führungstag eine Vergütung, was die Finanzierung erleichtert. Nach der Ausbildung arbeiten Berg- und Skiführer überwiegend auf freiberuflicher Basis, zum Beispiel im Auftrag einer Bergschule. "Zunehmend suchen Gäste über soziale Medien einen Bergführer", sagt Haff.

Zwischen 450 und 1000 Euro Honorar am Tag

Die Verdienstmöglichkeiten sind unterschiedlich und hängen davon ab, wie der Bergführer sich engagiert. "Der empfohlene Honorarsatz für einen Bergführer beginnt bei 450 Euro pro Tag und kann je nach Auftrag durchaus auf bis zu 1000 Euro steigen", erklärt Honold.

Bergführer, die sich spezialisieren und den Beruf hauptberuflich ausüben, können gut davon leben. Viele sind aber auch parallel zu einem anderen Beruf in Industrie oder Handel als Bergführer tätig.

Haff kann sich vorstellen, eines Tages in Vollzeit als Berg- und Skiführer zu arbeiten. "Vielleicht eröffne ich eines Tages auch eine kleine Bergschule." Wo er sich in 10 bis 20 Jahren sieht? "Hoffentlich sammele ich bis dahin viele schöne Erfahrungen in der Bergwelt. Und hoffentlich bin ich dann noch immer topfit."

Denn der Job steht und fällt mit der Gesundheit. Honold sieht den Bergführer-Beruf so: "Du bist wie eine Mama, die sich um ihre Schützlinge kümmert." Man ermögliche Gästen das Erreichen ihrer Ziele und achte darauf, dass sie möglichst viel erleben und eine gute Zeit haben. "Dafür muss man Menschen mögen." (Sabine Meuter)