Schneefälle im Allgäu

Winter-Comeback im Allgäu: Obstbauern bangen, Vögel suchen Futter

In Oberjoch freuten sich gestern die Langläufer über frisch gespurte Loipen. Andernorts bangen die Menschen um ihre Blüten.

In Oberjoch freuten sich gestern die Langläufer über frisch gespurte Loipen. Andernorts bangen die Menschen um ihre Blüten.

Bild: Fotos: Ralf Lienert

In Oberjoch freuten sich gestern die Langläufer über frisch gespurte Loipen. Andernorts bangen die Menschen um ihre Blüten.

Bild: Fotos: Ralf Lienert

Eisige Luft bringt Schneefälle und teils Dauerfrost ins Allgäu. Sogar am Bodensee hat es geschneit. Kälter könnte die Wetterlage Anfang April gar nicht sein.
06.04.2021 | Stand: 20:57 Uhr

Aus meteorologischer Sicht war es allemal beeindruckend, was sich am Abend des Ostermontags in der Atmosphäre über dem Allgäu abspielte: Bei stürmischem Wind kühlte es innerhalb von gut einer Stunde um zehn Grad ab und der Regen ging rasch in Schnee über – begleitet von einem eisigen Nordwind. Innerhalb von Minuten war alles weiß – um 2 Uhr in der Nacht lagen südlich von Kempten 13 Zentimeter Schnee bei drei Grad unter null. Bis zum Morgen fielen in Oberstdorf 15 Zentimeter – in den Staulagen der Allgäuer Alpen waren es bis zu 30 oder sogar noch mehr. „Am Dienstagnachmittag war es elf bis 16 Grad kälter als einen Tag davor zur selben Zeit“, sagt Meteogroup-Chefmeteorologe Joachim Schug. er spricht von der „kältesten möglichen Luftmasse“ in dieser Jahreszeit. Die sei direkt aus der Region Nordgrönland/Nordpol nach Mitteleuropa gerauscht. Auch am Mittwoch soll es noch Schneeschauer geben.

Was Hobbygärtner nervt, freut die Wintersportler: In Oberjoch beispielsweise können Skilangläufer wieder ihre Runden ziehen, und viele Tourengeher freuen sich über beste Schneeverhältnisse.

Erst ab Freitag wieder milder

„Es ist eine einzige Zitterpartie“, beschreibt Obstbaumeisterin Lena Nüberlin aus Lindau die Lage der Obstbauern am Bodensee. Bis einschließlich Freitag müssen die Erwerbsobstbauern weiter um die Erträge bangen. Erst dann sollen die Nächte wieder milder werden. Am Bodensee werden Erinnerungen wach an den April 2017. Nach einem extrem milden Februar und März hatte es damals in der zweiten Aprilhälfte nochmals Frost gegeben. Die meisten Kulturen – vor allem Äpfel – standen in voller Blüte, als die Kaltluft zuschlug. Ernteausfälle von 70 Prozent und mehr waren die Folge für viele Landwirte. Nur mit staatlichen Finanzhilfen konnten sich einige über Wasser halten.

Heuer scheint die Lage nicht ganz so dramatisch. „Die Apfelbäume blühen noch nicht“, sagt Obstbaumeisterin Nüberlin. Sie haben schon Knospen. Leichte Bodenfröste machen dann nichts. Aber Temperaturen von minus fünf Grad oder noch tiefer würden zu Schäden führen, erläutert Nüberlin. Besonders gefährlich ist die Kälte, wenn kein Schnee liegt. Denn eine Schneebedeckung wirkt wie eine Isolierung. Beispielsweise auch für Erdbeeren, die – je nach Sorte – bald zu blühen beginnen. Das Problem: Am Erdboden ist es meist noch zwei bis drei Grad kälter als in zwei Metern Höhe. Deswegen haben viele Obstbauern eine schützende Folie über die Erdbeerfelder gezogen. „Und dann können wir nicht mehr machen, als hoffen“, sagt Nüberlin.

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Der Winter ist zurück im Allgäu

Vögel sollten wieder gefüttert werden

In der Geschäftsstelle des Landesbundes für Vogelschutz in Memmingen gingen am Dienstag zahlreiche Anrufe ein. „Die Leute wollen wissen, was sie für die Vögel tun können“, berichtet Diplom-Biologin Monika Schirutschke. Sie rät: Wer den heimischen Vögeln helfen will, sollte angesichts der frostigen Temperaturen wieder füttern – wie im Winter. Die mit dem Schnee einhergehende Nahrungsknappheit sei übrigens mindestens so gefährlich wie die Kälte. Denn viele Tiere haben ihre eigenen Strategien gegen eisige Temperaturen entwickelt. „Manche Vögel bilden regelrechte Schlafgemeinschaften, kuscheln sich also zusammen“, beschreibt die Biologin. Beispielsweise Baumläufer und Goldhähnchen, die zu den kleinsten heimischen Vogelarten gehören. Dem König der Lüfte, dem Steinadler, könnte die Kälte ebenfalls zusetzen. Fünf Steinadler-Brutpaare gibt es derzeit im Allgäu. „Die haben schon mit der Brut begonnen“, sagt die Biologin.

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Keine Probleme mit Schnee und teilweise glatten Straßen meldet das Polizeipräsidium Schwaben Süd/West in Kempten. Es habe nicht mehr Unfälle gegeben, so eine Polizeisprecherin. Offensichtlich seien die meisten Autofahrer auch noch mit Winterreifen unterwegs. Die sollte man bis Donnerstag auch weiter fahren. Erst ab Freitag wird es laut Meteorologe Schug deutlich milder. Richtiges Frühlingswetter sei aber erst in der letzten Aprilwoche zu erwarten.

Der April macht, was er will

Der April gilt als launischer Wettermonat, was die Statistik bestätigt.

  • Die je in einem April gemessene Höchsttemperatur beträgt in Oberstdorf 28,2 Grad (das war am 30. April 1915).
  • Die je in einem April gemessene Tiefsttemperatur in Oberstdorf beträgt minus 12,8 Grad (2. April 2010).
  • Die höchste Schneehöhe in einem April in Oberstdorf wurde am 1. April 1944 gemessen: 1,17 Meter.
  • Die gestern Morgen in der Region gemessenen Schneehöhen sind also alles andere als rekordverdächtig. In Oberstdorf waren es 15 Zentimeter, in Reutte/Tirol 13, in Kempten 13 und in Bregenz immerhin 7 Zentimeter. (Quelle: DWD/Wetteronline)

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