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"Wir sind frustriert": So denken Amerikaner im Allgäu über die US-Wahl

Jeff Aug hat die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, lebt aber in Immenstadt. Was sagt er zu den bisherigen Ereignissen bei der US-Wahl?

Jeff Aug hat die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, lebt aber in Immenstadt. Was sagt er zu den bisherigen Ereignissen bei der US-Wahl?

Bild: Werner Kempf

Jeff Aug hat die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, lebt aber in Immenstadt. Was sagt er zu den bisherigen Ereignissen bei der US-Wahl?

Bild: Werner Kempf

Die US-Wahl sorgt für Aufsehen und teilweise Entsetzen bei den Amerikanern - auch bei denjenigen, die aktuell im Allgäu leben. Wir haben mit einigen gesprochen.
Jeff Aug hat die US-amerikanische Staatsbürgerschaft, lebt aber in Immenstadt. Was sagt er zu den bisherigen Ereignissen bei der US-Wahl?
Von Redaktion Allgäuer Zeitung
05.11.2020 | Stand: 14:36 Uhr

Aktualisiert am 4. November, 16.30 Uhr: US-Präsident Trump wollte nie zusagen, dass er das Wahlergebnis anerkennt. Jetzt tritt ein, was seine Gegner befürchteten: Er erklärt sich während der laufenden Stimmenauszählung zum Sieger. Dabei ist das Rennen noch nicht gelaufen - weder für Donald Trump noch für Joe Biden.

Wir haben mit Amerikanern gesprochen, die im Allgäu leben, was sie zur US-Wahl sagen.

Jeff Aug aus Immenstadt:

US-Staatsbürger Jeff Aug lebt in Immenstadt und kann über die Wahl nur einen Satz sagen: "The population of the U.S. deserves whoever wins." ("Die amerikanische Bevölkerung verdient, wen auch immer sie wählt."). Welche Gedanken Jeff und seine Familie vor der Wahl hatten können Sie hier nachlesen.

Dr. Johannes Huber aus Kempten:

"Wir sind frustriert", sagt Johannes Huber über sich und seine Frau zum aktuellen Stand der Auszählungen. Er muss sich eingestehen: "Wir haben uns getäuscht". Trotzdem will er auch realistisch sein und sieht bislang nichts als entschieden an. In einigen Städten und Dörfern wird noch ausgezählt. "Es steht Spitz auf Knopf", sagt Huber, der mit der US-Amerikanerin Lisa Huber verheiratet ist. Die aktuelle Berichterstattung verfolgt der Kemptener auch auf dem amerikanischen Fernsehsender CNN. "Man beißt sich die Nägel", sagt er über die vor Spannung geladene Situation. Auf den amtierenden Präsidenten Trump ist er nach wie vor nicht gut zu sprechen. Sollte Trump tatsächlich gewinnen, wird er das Ergebnis akzeptieren - anders wie Trump. Es bleibt für Huber dann nur der Wunsch, dass Trump in seiner zweiten Amtsperiode nicht "noch mehr zerstört".

Jeremy Roth aus Kaufbeuren:

Ein Wechselbad der Gefühle erlebt Jeremy Roth (73) am Mittwochvormittag vor dem TV-Gerät. Die Hoffnung auf einen Wechsel – wird sie sich für den US-Amerikaner erfüllen? Auf Donald Trump ist der pensionierte Englischlehrer aus Kaufbeuren nicht gut zu sprechen. Er sei schockiert und fassungslos, dass so viele seiner Landsleute diesen „vulgären, arroganten und rassistischen Menschen“ noch immer wählen, sagt er. Denn egal wie die Abstimmung endet: Der Rückhalt für Trump ist nach vier Jahren seiner Amtszeit offensichtlich nach wie vor groß. Es sei höchste Zeit, in der Politik der Weltmacht USA den Wechsel zu vollziehen, die aufgerissenen Gräben in der Gesellschaft zuzuschütten. Roth hofft nun, dass der Wahlverlauf nicht den erwarteten würdelosen Gang nimmt, der sich mit Trumps Worten andeutet, der sich zum Sieger erklärt, obwohl die Wahl noch offen ist.

Brad Miller aus Füssen:

Auch Brad Miller ist froh, dass er das alles nur aus der Ferne mitbekommt. Dass er nicht so wie seine Freunde und Verwandten 24 Stunden jeden Tag behelligt wird mit Meldungen über das Duell um die US-Präsidentschaft. Übers Internet hat der Verteidiger des Eishockey-Oberligisten EV Füssen aus der Ferne verfolgt, wie die Wahlen in seinem Heimatland verliefen. Seine Meinung dazu? „Trump ist Trump – einfach gesagt“, sagt der 34-Jährige. Viele würden die Art und Weise, wie er Dinge angeht oder ausspricht nicht mögen, aber er sei eben der Präsident. „Unser Land hat bei der Wahl dennoch die Chance, sich zu verändern. Aber wenn nicht wollten es eben mehr als die Hälfte nicht anders“, sagt Miller. Freunde erzählen ihm, die Lage im Land hätte sich weiter zugespitzt, seit er im Sommer nach Füssen kam: „Die Spaltung ist groß, sagen sie, und das hat nicht nur mit der Wahl zu tun, sondern auch mit Corona und einigen großen Unruhen.“

Trump oder Biden? Wer US-Präsident wird, steht am Mittwochmittag noch nicht fest.
Trump oder Biden? Wer US-Präsident wird, steht am Mittwochmittag noch nicht fest.
Bild: Evan Vucci/Patrick Semansky, AP, dpa

Miller stammt aus dem US-Bundesstaat Georgia. Dort könnte Donald Trump am Ende knapp die Nase vorn haben (aktuelle Zahlen zur US-Wahl gibt es hier). Dass es dort überhaupt eng wird, ist für die Demokraten schon allein als Erfolg zu werten. Denn seit 1992 haben sie den Staat nicht mehr für sich gewinnen können. „Ich hoffe einfach, dass sie so schnell wie möglich rausbekommen, wer gewonnen hat“, sagt Miller. Der Eishockey-Profi spielt damit auch auf die Aussagen von Trump an, der bereits am Morgen Betrug bei der Auszählung witterte. „Es wird zweifelsohne ein Riss durch die Gesellschaft gehen nach der Wahl, aber ich hoffe nur solange bis beide Kontrahenten einsehen, dass nichts das Resultat ändern wird“, sagt Miller. Trump und Biden würden sich zwar bestimmt in ewigen Diskussionen abhetzen, aber irgendwann müsse Ruhe einkehren. „Spätestens wenn der Corona-Impfstoff da ist, wird sich alles ändern“, gibt sich Miller überzeugt.

Der Eishockey-Verteidiger ist mit der Füssenerin Jenny Harß liiert, sie steht bekanntlich bei der Frauennationalmannschaft im Tor. Das ganze große Thema seien die Wahlen daher bei ihm zuhause nicht. „Ich bin ganz froh drum, gerade hier in Deutschland zu sein.“

Das sagen Allgäuer Vertreter aus der Wirtschaft

Thomas Guglhör, Geschäftsführender Gesellschafter der ept Gmbh in Peitingen, hat direkt nach dem Aufstehen die ersten Prognosen verfolgt. Er sei überrascht gewesen, dass sich Demokraten und Republikaner die Waage halten. „Ich hatte eher einen zwar knappen aber doch eindeutigen Vorsprung für die Demokraten erwartet“, teilt Guglhör mit. Das Unternehmen, das Leiterplatten-Steckverbinder herstellt, hat in Virginia einen eigenen Produktionsbetrieb mit rund 60 Mitarbeitern. „Wir sind natürlich vom weltweiten wirtschaftspolitischen Geschehen abhängig. Und dieses wird nun mal stark von der US-Politik geprägt“, sagt Guglhör und fährt fort: „Würde die Tendenz zum Wirtschaftsprotektionismus der letzten vier Jahre fortgesetzt, sehe ich in Summe eher schwierigere Rahmenbedingungen auf uns zukommen.“

So hat Memmingens Partnerstadt gewählt:

Im Maricopa County, zu dem Memmingens US-amerikanische Partnerstadt Glendale gehört, stimmten bei der Präsidentenwahl 857.135 Bürger – 52 Prozent – für Joe Biden und 758.194 Bürger - 46 Prozent - für Donald Trump. Der Bundesstaat ging heuer komplett an Biden – 2016 hatte Trump hier noch gewonnen.

Glendale gehört zum US-Bundesstaat Arizona und hat mit fast 250.000 Einwohner. Das Stadtgebiet hat eine Größe von 144,4 Quadratkilometern. Glendale grenzt im Osten an Phoenix und gehört zum Valley of the Sun, der Metropolregion von Phoenix. Mit Memmingen ist die Stadt seit 1976 verschwistert. Damals waren noch viele US-Soldaten auf dem Militärflughafen Memmingerberg stationiert.

Bereits vor der Wahl haben zwei US-Bürger, die in Immenstadt und Kempten leben, mit unserer Redaktion über die US-Wahl gesprochen. Warum sie fordern, dass "Trump gehen muss".

-- Weitere aktuelle Stimmen aus dem Allgäu folgen im Laufe des Tages. --

Von Benedikt Siegert, Felix Futschik, Thomas Schwarz, Alexander Vucko und Jessica Berger

Bilderstrecke

Allgäuer zur Trump-Wahl 2016