Fußball in der Corona-Krise

Wird die Fußballsaison in Bayern vorzeitig abgebrochen?

Dürfen Timo Gebhart und der FC Memmingen in dieser Regionalliga-Saison noch einmal ran? Inzwischen fordern immer mehr bayerische Vereine einen Abbruch der laufenden Spielzeit.

Dürfen Timo Gebhart und der FC Memmingen in dieser Regionalliga-Saison noch einmal ran? Inzwischen fordern immer mehr bayerische Vereine einen Abbruch der laufenden Spielzeit.

Bild: Olaf Schulze

Dürfen Timo Gebhart und der FC Memmingen in dieser Regionalliga-Saison noch einmal ran? Inzwischen fordern immer mehr bayerische Vereine einen Abbruch der laufenden Spielzeit.

Bild: Olaf Schulze

Immer mehr Vereine fordern den Verband auf, die Saison in Bayern vorzeitig zu beenden. Welche Folgen das für den Regionalligisten FC Memmingen hätte.
30.03.2021 | Stand: 18:30 Uhr

Der Bayerische Fußballverband (BFV) gibt dem Druck der Vereine nach – zumindest zum Teil. Bei einer Videokonferenz mit den Bayern- und Landesligisten wurde noch am Freitagabend ein Saisonabbruch von Verbandsseite ausgeschlossen. Es folgten Brandbriefe von vielen Vereinen, auf die nun reagiert wurde. Bei einer Präsidiumssitzung am Montagabend wurde ein Vier-Punkte-Plan beschlossen. Der wichtigste Punkt: Wenn bis 3. Mai bayernweit kein nahezu uneingeschränkter Trainingsbetrieb möglich ist, dann wird über den Abbruch entschieden.

Vereine fordern sofortigen Abbruch

Etliche Vereine fordern weiterhin einen sofortigen Schlussstrich, weil mit den steigenden Inzidenzzahlen keine Lockerungen für den Amateursport in Sicht seien. Ein Sonderfall bleibt zudem die Regionalliga Bayern mit dem FC Memmingen, der noch zehn Punktspiele auszutragen hat und deshalb, wie berichtet, bereits aus dem Zusatz-Wettbewerb Liga-Pokal ausgestiegen ist. Bei einer Genehmigung des Trainingsbetriebs ab 3. Mai und dem Re-Start nach zugestandener dreiwöchiger Vorbereitungszeit bis Pfingsten sei das Programm nicht mehr stemmbar.

Laut Statuten muss die Runde 25 Tage vor den Drittliga-Aufstiegsspielen gegen den Vertreter der Regionalliga Nord beendet sein. Zuvor (spätestens Ende Juni) sind noch „Play-offs“ vorgeschaltet, um unter der Viktoria Aschaffenburg, der SpVgg Bayreuth und dem FC Schweinfurt den Bayern-Meister zu ermitteln. Unter dieser Prämisse blieben dem FC Memmingen neun Tage für zehn Spiele. Als Alternative wurde angedacht, dass Aschaffenburg, Bayreuth und Schweinfurt aus dem Regionalliga-Betrieb genommen werden und als „Profis“, die ja weiter kicken dürfen, den Meister unter sich ausmachen.

Oder der Spielplan wird so zusammengekürzt, dass „unwichtige Spiele“ wegfallen und nur noch Begegnungen ausgetragen werden, die für Auf- und Abstieg entscheidend wären. Für den FCM blieben so oder so noch acht Partien stehen. Offen bleibt die Frage, was etwa passiert, wenn Mannschaften in Quarantäne müssen. Von den unterschiedlichen Rahmenbedingungen mal ganz abgesehen.

Unterschiedliche Vorzeichen: Die einen dürfen trainieren, die anderen nicht

Schweinfurt darf seit geraumer Zeit unter dem „Profistatus“ wieder trainieren. Die zweiten Mannschaften des FC Augsburg, 1. FC Nürnberg und SpVgg Greuther Fürth hatten gar keine Zwangspause. Allen anderen Amateurklubs ist das Training verboten.

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Schrittweise Lockerungen für Fußballer - einen Plan gibt es aber noch nicht

Zu all diesen Gedankenspielen will sich beim FC Memmingen öffentlich momentan niemand äußern. Überhaupt scheint zwischen Verband und den Regionalligisten Funkstille zu herrschen. „Ich weiß überhaupt nichts“, äußerte sich Liga-Sprecher Markus Clemens (SV Schalding-Heining) am Montag auf Nachfrage des stellvertretenden FCM-Vorsitzenden Thomas Reichart.

Testpflicht im Amateurfußball abgelehnt

Dass der Verband eine Testpflicht im Amateurfußball ablehnt, wurde auch in Memmingen positiv aufgenommen. Der FCM hat schon mal ausgerechnet, dass für die Mannschaften vom Regionalliga-Team bis zur Jugend wöchentliche Kosten von mindestens 5000 Euro anfallen würden, die selbst getragen werden müssten. (Lesen Sie auch: Alle oder keiner: Die Inzidenz-Regel stellt Allgäuer Ligen vor große Probleme)

Der Plan für den Fußballsport in Bayern
  • Liga-Pokal: Ist ab 19. April kein flächendeckender Trainingsbetrieb in Bayern möglich, wird der Wettbewerb abgebrochen.
  • Abbruch: Sollte bis spätestens 3. Mai kein uneingeschränkter Trainingsbetrieb möglich sein, stimmt die BFV-Spitze über den Abbruch ab. Zuvor wird das Votum der Vereine eingeholt. Mit einem Abbruch tritt eine Quotienten-Regelung zur Ermittlung der Platzierungen bzw. Meister und Absteiger in Kraft. Relegationsspiele entfallen.
  • Corona-Tests: Eine mögliche Testpflicht für alle Spieler als Voraussetzung für den Spielbetrieb hält der BFV für nicht realisierbar.
  • Toto-Pokal: Hier soll der Modus bis auf Weiteres nicht verändert werden. Hinsichtlich der Ermittlung des Teilnehmers an der 1. DFB-Pokalrunde im August wird im Dialog mit den verbliebenen Teilnehmern ein Vorschlag erarbeitet. Aus Allgäuer Sicht sind der SV Egg und der 1. FC Sonthofen in diesem Wettbewerb noch vertreten.
  • Folgen für die Regionalliga Bayern: Die Platzierungen werden nach einem Quotienten ermittelt. Meister und Teilnehmer an der Aufstiegsrelegation zur 3. Liga gegen den Vertreter der Regionalliga Nord wäre Aschaffenburg. Der Tabellenvorletzte FC Memmingen würde sich um einen Rang verbessern und stünde weiter auf einem Relegationsrang. Die Relegation entfällt aber bei Abbruch, der Klassenerhalt wäre sicher. Schlusslicht Garching müsste aber absteigen. In der nächsten Spielzeit würde die Regionalliga nach aktuellem Stand 19 Teams umfassen, es wären nach vollzogenem Auf- und Abstieg aber auch bis zu 22 Klubs möglich.