Tourismus

Forschung in Füssen: „Das perfekte Labor“

Besucherlenkung im Allgäu: Digitales Parkleitsystem Alatsee

Digital wird Autofahrern am Alatsee angezeigt, wie viele Parkplätze dort noch frei sind.

Bild: Benedikt Siegert (Archivbild)

Digital wird Autofahrern am Alatsee angezeigt, wie viele Parkplätze dort noch frei sind.

Bild: Benedikt Siegert (Archivbild)

Ein neues Institut hat Erlebnisbus und Besucherlenkung im Blick. Auch in Kempten wird geforscht – etwa an den Urlaubswünschen 2040.
28.11.2021 | Stand: 05:45 Uhr

Zwei Forschungsprojekte zum Thema Tourismus starten in Kürze am WTZ in Füssen (Wissenstransferzentrum für innovative Tourismusentwicklung). Die Wissenschaftler erhoffen sich von den Ergebnissen einen Mehrwert für das gesamte Allgäu. Die Themen: Wie lassen sich Besucherströme wirkungsvoll lenken und wie der Individualverkehr reduzieren? Die WTZ-Leiter Prof. Alfred Bauer und Prof. Guido Sommer sind sicher: „Füssen ist das perfekte Labor für die Beantwortung dieser Fragen.“

Ein Projekt befasst sich mit einem flexiblen Erlebnisbus. Das Ziel: Wie lässt sich vermeiden, dass jeder mit dem eigenen Auto touristische Hotspots anfährt? Basierend auf aktuellen Daten soll eine Besucherlenkung erreichen, dass Hotspots entlastet werden. Das Forschungsprojekt ist auf drei Jahre angelegt, Partner sind etwa Outdooractive aus Immenstadt, das Allgäuer Überlandwerk sowie Flexibus aus Krumbach.

Allgäu, Ruhrgebiet und Regionen an der Nordsee beteiligt

Das zweite deutschlandweite Forschungsprojekt startet voraussichtlich im Januar und soll ebenfalls drei Jahre lang laufen. Neben Füssen sind daran auch Regionen im Ruhrgebiet und an der Nordsee beteiligt. Die Forscher untersuchen, wie ein System fürs Besucher-Management aussehen könnte – wie beim Erlebnis-Bus geht es auch hier um das Bereitstellen von Daten, basierend auf Künstlicher Intelligenz. Ziel sind zeit- und ortsgebundene Prognosen über Verkehrsaufkommen und Besucherintensität – je nach Jahreszeit, Wetter oder Wochentag. Das WTZ in Füssen kooperiert mit der heimischen Wirtschaft und ist an die Hochschule Kempten angebunden. Während es dort um regionale Tourismusfragen geht, hat das zweite Tourismus-Institut in der Region die überregionale Forschung im Blick: Das Bayerische Zentrum für Tourismus (BZT) in Kempten ist an die dortige Hochschule angelehnt. Auch hier führt Alfred Bauer als Vorsitzender des Trägervereins Regie. „Wir wollen bayernweite Zukunftsthemen frühzeitig aufgreifen, wissenschaftlich aufbereiten und unterschiedlichen Nutzern zugänglich machen.“ Am Ende sollen Politik und Wirtschaft gleichermaßen profitieren.

Die Themen, die das Institut bearbeitet, sind vielseitig. Die Zukunft des Tagestourismus im Freistaat steht ebenso auf der Agenda wie die zukunftsfähige Entwicklung von Urlaubszielen oder Urlaubszenarien in künftigen Jahrzehnten – bis hin zur Frage, wie der Gast im Jahr 2040 sein Urlaubsziel erreichen will.

Urlaub in Bayern: Welche Folgen hat das Virus?

Und natürlich spielt das Thema Corona ein gutes Jahr nach der Gründung des BZT eine zentrale Rolle. „Die Frage, wie stark und wie lange das Virus das Reiseverhalten beeinflussen wird, ist elementar“, erläutert Bauer. „Auch hier geht es um Erkenntnisse, die uns bayernweit auf vielen Ebenen weiterbringen.“

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So erwartet sich die Wissenschaft mithilfe von Umfragen und umfassenden Studien klare Hinweise darauf, wie sich potenziellen Gästen die Angst vor einem Urlaub in Bayern und seinen Regionen nehmen lässt. Vom BZT ausgeschriebene Forschungsprojekte sollen den Erkenntnisgewinn beschleunigen. So wurden 2020 und 2021 insgesamt 400.000 Euro für acht Einzelprojekte bereitgestellt.

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