Mysteriöse Sichtungen

Weder Wolf noch Hund: "Hybrid-Wölfe" geben Rätsel auf

Wolf, Hund oder Hybrid? Nicht immer ist dies klar zu unterscheiden. Auf diesem Foto indes ist ein Wolf abgebildet.

Wolf, Hund oder Hybrid? Nicht immer ist dies klar zu unterscheiden. Auf diesem Foto indes ist ein Wolf abgebildet.

Bild: picture alliance/Lino Mirgeler/dpa (Symbolfoto)

Wolf, Hund oder Hybrid? Nicht immer ist dies klar zu unterscheiden. Auf diesem Foto indes ist ein Wolf abgebildet.

Bild: picture alliance/Lino Mirgeler/dpa (Symbolfoto)

Wolf, Bär und Luchs: Im Allgäu und in der Umgebung werden die Raubtiere häufiger gesichtet. Jetzt rätseln Experten über so genannte "Hybrid-Wölfe".
21.09.2020 | Stand: 10:34 Uhr

 

"Wolf gesichtet!" Diese Nachricht freut die einen. Die anderen sind skeptisch oder fordern eine Abschussfreigabe. Fakt ist: Im Allgäu gibt es immer wieder Sichtungen von Wölfen. Auch Bären und Luchse sind zuletzt in der Region gesehen worden. Die Fälle sind zwar überschaubar. Doch sie führen speziell bei Landwirten und Älplern in den Bergen zu Sorgen. Sie befürchten Gefahren, speziell für ihre Weidetiere. Ein Überblick über Sichtungen von Wolf, Bär und Luchs im Allgäu sowie im benachbarten Österreich.

Nach Zahlen der Dokumentations- und Beratungsstelle des Bundes zum Thema Wolf (DBBW) wurden allein 2019 bei 887 Wolfsübergriffen 2894 Nutztiere verwundet oder getötet - darunter mehr als 2500 Schafe und Ziegen, aber auch Rinder und Pferde. Deutschlandweit soll es 105 bestätigte Rudel, 25 Paare und 13 territoriale Einzeltiere geben. Doch ist jeder Wolf auch tatsächlich einer? So seltsam diese Frage klingt, so sehr beschäftigt sie Experten.

Denn: Wölfe können sich auch mit Hunden paaren und es kann zu Mischlingen kommen. Deshalb fordert Marc Henrichmann, Vorsitzender der Jägerstiftung "natur+mensch“ auf deren Homepage, den Schutz des "wahren" Wolfes und macht sich für eine einheitliche Wolf-Charakteristik stark:

Auch zugunsten des Artenschutzes und der Wölfe selbst sollte der Öffentlichkeit an einer klaren Bestimmung gelegen sein, welcher Anteil der Wölfe in Deutschland diese Bezeichnung überhaupt noch verdient und wie viele Hybriden in der freien Wildbahn leben und Schäden und Angst verursachen“.

Wieviele Hybrid-Wölfe derzeit durch Deutschland und damit auch durchs Allgäu ziehen, weiß derzeit niemand. Experten halten es für möglich, dass sich der reine Genpool von Wölfen durch Hybride immer mehr vermischt.

 

 

Panther gesichtet? Angebliche Sichtung beschäftigt Experten im Landkreis Traunstein

14. August 2020: Kurioser Fall im Landkreis Traunstein (Oberbayern): Eine Frau gab an, einen schwarzen Panther in Schnaitsee gesehen zu haben. Die Polizei hat darauf ein weiträumiges Gebiet nach dem Tier abgesucht. Bislang blieb die Suche erfolglos. Mittlerweile wurden vier Wildkameras installiert und die örtlichen Jäger informiert.

 

Wolf im Allgäu und Umgebung gesichtet: Aktuelle Infos 2020

13. August 2020: Wie das bayerische Landesamt für Umwelt (LfU) erst jetzt mitteilt, wurden im Landkreis Ostallgäu Anfang August drei tote und zwei verletzte Schafe aufgefunden. Der Vorfall ereignete sich bereits am 3. August. Recherchen unserer Redaktion legen den Schluss nahe, dass es sich um den Bereich zwischen Nesselwang (Ostallgäu) und Wertach (Oberallgäu) handeln muss. Eine Analyse durch Experten des LfU habe nun einen Wolf als Verursacher bestätigt. Mehr dazu lesen Sie hier.

 

10. August 2020: Im Bregenzerwald hat ein Wolf offenbar mehrere Schafe gerissen und eines schwer verletzt. Die Schafe wurden laut Medienberichten auf zwei Vorsäßen im Mittelbregenzerwald getötet. DNA-Proben sollen nun klären, ob es sich tatsächlich um einen Wolf gehandelt hat. Experten halten dies für wahrscheinlich. Im Großraum Sibratsgfäll-Hittisau-Balderschwang-Hirschgunttal (Bregenzerwald/Allgäu) gibt es aus dem Vorjahr zwei genetisch bestätigte Risse. Unterdessen wird in mehreren Regionen darüber diskutiert, wie mit dem Wolf umgegangen werden soll: Abschießen, Zäune errichten oder Herdenschutzhunde einsetzen gelten hierzulande als mögliche Varianten. In Österreich gibt es indes eine neue Idee: Nachdem ein Wolf im Tiroler Oberland mehrere Schafe riss, soll das Tier nun eingefangen und mit einem Peilsender ausgestattet werden. Durch diese technische Vorrichtung könnten beispielsweise Landwirte frühzeitig gewarnt werden, wenn ein Wolf naht. Allgäuer Alphirten äußerten sich allerdings skeptisch, ob das tatsächlich gelingt. Mehr darüber lesen Sie hier.


27. Juli 2020: In der Gemeinde Hollenbach streift offenbar ein freilaufender Wolf umher. Wie Bürgermeister Franz Xaver Ziegler am Montag mitteilte, wurden von Freitag auf Samstag sieben Schafe gerissen. Das habe ihm der zuständige Jäger mitgeteilt. Ein weiteres Schaf wurde verletzt. Daraufhin sei vor Ort eine Wildkamera installiert worden - mit Erfolg. In der Nacht zum Sonntag sei der mutmaßliche Wolf zurückgekehrt und prompt in die Fotofalle getappt. Mehr darüber lesen Sie hier.

 

8. Juli 2020: Ein Wolf ist im Landkreis Weilheim-Schongau, der an das Ostallgäu angrenzt, in eine Fotofalle getappt. Experten des Landesamts für Umwelt bestätigten, dass es sich um einen Wolf handelt. Details zu Geschlecht oder Alter des Tieres ließen sich anhand der Aufnahme aber nicht bestimmen, sagte eine Sprecherin am Mittwoch. Ein Wolf kann in einer Nacht 50 bis 70 Kilometer zurücklegen, sagte eine Sprecherin der Landesbehörde in Augsburg der Nachrichtenagentur dpa.

 

13. Februar 2020
Eine Frau will im Kaufbeurer Ortsteil Kemnat am Waldrand einen Wolf gesehen haben. Wenige Tage später berichtet Oberbürgermeister Stefan Bosse davon im Umweltausschuss des Stadtrats. Das Umweltamt hat die Angaben der Frau überprüft und hält sie für plausibel.

4. Februar 2020
Im Grenzgebiet Vorderer Bregenzerwald/Allgäu wird ein Wolf vermutet. Im Schnee gab es entsprechende Spuren. Zwei Risse von Wildtieren erhärten die Vermutung. DNA-Proben wurden entnommen. Eine Ergebnis steht noch aus. Der Wolf halte sich lauf Landesspressestelle Vorarlberg bevorzugt im Raum Sigratsgfäll-Hittisau-Balderschwang-Hirschunttal auf.


23. Dezember 2019

Ein Wolf tappt in eine Fotofalle im Naturparks Nagelfluhkette. Der Fall wird im März 2020 der Öffentlcihkeit bekannt gegeben, nachdem er von Experten begutachtet wurde. " Dass ab und zu ein Wolf durchs Oberallgäu streift, ist nichts Außergewöhnliches und wird auch immer wieder vorkommen", sagt Rolf Eberhardt, Leiter des Naturparks. In dem rund 400 Quadratkilometer großen Gelände sind 15 Fotofallen aufgestellt.

19. Oktober 2019

Einem Bericht der Allgäuer Zeitung zufolge tappte am 12. Oktober ein Wolf in eine Fotofalle im südwestlichen Oberallgäu. Experten des Bayerischen Landesamts für Umweltschutz haben die Sichtung bestätigt. Das Tier unterscheide sich eindeutig von einem Hund. "Wir erwarten in den kommenden Jahren wieder mehr Wölfe", sagte der Oberallgäuer Landrat Anton Klotz. Er fordert nach wie vor, dass die Entscheidung über eine mögliche Abschuss-Genehmigung vom Landratsamt getroffen wird und nicht von der Regierung von Schwaben.

 

Nach Angaben des Bayerischen Landesamt für Umweltschutz sind im Allgäu zuvor folgende Einzelnachweise von Wölfen im Allgäu gelungen:

13. September 2019
Oberallgau (Hinweisart: Losung)

31. Oktober 2018
Ostallgäu (Hinweisart: Genetik, Speichel)

29. August 2018

Oberallgäu (Hinweisart: Foto)

27. August 2018

Oberallgäu (Genetik, Speichel)

4. August 2018

Oberallgäu (Genetik, Speichel)

2. August 2018
Oberallgäu (Genetik, Speichel)

27. Juli 2018
Oberallgäu (Genetik, Speichel)

So reagierte das Allgäu auf die Rückkehr des Wolfes

Zu einer großen Diskussion kam es Anfang August 2018 im Allgäu, als im Gemeindegebiet Wertach zwei Kälber gerissen und ausgeweidet vor gefunden wurden (siehe Fälle oben): "Der Wolf ist da!", sagten die Landwirte und forderten einen sofortigen Abschuss. Eine Ansiedelung des Wolfs im Allgäu wurde aber nicht nur kritisch gesehen. Für Tierschützer wäre das eine gute Nachricht. Kümmert sich doch ein eigenes Netzwerk um die Wiederansiedlung der großen Beutegreifer wie Luchs, Bär und Wolf. Beteiligt daran sind unter anderem das Landesamt für Umwelt, die Wildland-Stiftung Bayern und die Bayerische Akademie für Naturschutz und Landschaftspflege. Auch später kam es immer wieder zu Diskussionen um die Beutegreifer.

Was soll ich tun, wenn mir ein Wolf begegnet?

  • Respekt vor dem Tier behalten
  • Langsam zurückziehen
  • Hund anleinen
  • Kommt Ihnen der Wolf zu nahe: Laut sprechen und gestikulieren
  • NICHT: Hinterherlaufen
  • NICHT: Füttern


Wolf gesichtet: Was soll ich tun?

Melden Sie ihre Sichtung im Online-Formular des Bayerischen Landesamtes für Umwelt.

Bär im Allgäu und Umgebung gesichtet: Aktuelle Infos


13. Oktober 2019


Österreichische Medien vermelden, dass in Lermoos in der Nähe zum Plansee ein Braunbär von einer Fotofalle beim Streifzug durch die Wälder aufgenommen wurde.

Eine Wildkamera hat diesen Bären im Tiroler Reutte fotografiert
Eine Wildkamera hat diesen Bären im Tiroler Reutte fotografiert
Bild: Wildkamera

1. Oktober 2019

Eine Touristin sichtet und fotografiert Kotspuren eine Bären in Balderschwang (Oberallgäu). Zwei Wochen später bescheinigt ein Experte deren Echtheit. Nach Angaben des bayerischen Umweltministeriums gibt es jedoch kein Anzeichen dafür, dass das Tier sich noch im Allgäu aufhält. Es handle sich vermutlich um einen durchziehenden Bär.


24. Juli 2019

Eine Gen-Analyse an einem Rotwildkadaver bringt Gewissheit: Das Tier wurde am Rotlechstausee (Bezirk Reutte) von einem Bär gerissen. Ob "Klausi" der Übeltäter war, lässt sich nicht bestätigen.

17. Juni 2019

Im Klausenwald (Reutte) wird ein Bär von einer Wildkamera fotografiert. In den Medien wird er als "Klausi" bezeichnet.

15. Juni 2019

Ein Rotwildkadaver am Tiroler Rotlechstausee (Bezirk Reutte) legt die Vermutung nahe: Das Tier könnte von einem Braunbär gerissen worden sein.


Was tun, wenn mir ein Bär begegnet?

  • Respekt zeigen, Abstand halten
  • Ruhig und gelassen bleiben
  • Stehenbleiben. Mit ruhiger Stimme und langsamen Armbewegungen auf sich Aufmerksam machen.
  • Kontrolliert zurückziehen, den Bär im Auge behalten
  • NICHT: Wegrennen
  • NICHT: Sich dem Tier nähern
  • NICHT: Versuchen den Bär zu vescheuchen und ihn mit Ästen oder Steinen bewerfen


    Wie groß ist ein Bär? Wie lebt er?

Europäische Braunbären wiegen 75 bis 350 Kilogramm. Die Männchen sind deutlich schwerer als die Weibchen. Sie sind grundsätzlich Einzelgänger, ihre Streifgebiete überlappen sich aber teilweise erheblich. Vor allem halbwüchsige Bärenmännchen legen auf der Suche nach einem eigenen Territorium oft weite Strecken zurück. Dabei sind sie mehrere Monate oder wenige Jahre unterwegs. Im Trentino (Italien), 120 Kilometer von Bayern entfernt, leben etwa 60 Braunbären. Experten vermuten, dass Bärensichtungen in Österreich und Deutschland mit dieser Population in Zusammenhang stehen.

 

Was tun, wenn ich einen Bär gesehen habe?

Melden Sie die Sichtung in einem speziellen Formular an das Landesamt für Umwelt.

Der Luchs zeige sich auch schon im Allgäu.
Der Luchs zeige sich auch schon im Allgäu.
Bild: Andreas Arnold, dpa (Symbolfoto)

Luchs im Allgäu gesichtet: Aktuelle Infos

 

18. März 2020

Ein Luchs tappt im Naturpark Nagelfluhkette in eine Fotofalle. Aufnahmen des Tieres werden später von Experten in Augenschein genommen. Das Landesamt für Umwelt bestätigt schließlich, dass es sich um einen Luchs handelt. Am 28. April gibt der Naturpark Nagelfluhkette eine entsprechende Pressemitteilung heraus.

26. März 2019


"Nach 150 Jahren ist der Luchs wieder da", schreibt die Allgäuer Zeitung. Im Raum Hindelang ist nach Überzeugung von Sonthofens Staatsförsten-Chef Jann Oetting ein Fotonachweis gelungen. Da mehrere Rehe gerissen worden seien, habe man schon länger erwartet, dass ein Luchs in der Region unterwegs ist. Ein Problem sehen darin weder der Forstbetrieb Sonthofen noch der Kreisjagdverband Oberallgäu oder der Bund Naturschutz. Der Luchs verhalte sich anders als der Wolf. Weidetiere oder gar Menschen seien von den extrem scheuen Tieren kaum bedroht.

 

Luchs gesichtet: Was soll ich tun?

Melden Sie die Sichtung im Online-Formular des Bayerischen Landesamts für Umwelt.

 

 

 

Bislang blieb die Suche vergeblich, wie mehrere Medien berichten.