Kempten

Ziel erreicht: Mit dem Fahrrad ans Meer

Robert Pfund

Robert Pfund

Bild: Privat

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Projekt Alle „Aktiven Senioren“ haben seit dem Frühjahr Fortschritte gemacht. Warum vor allem im Alter neben der Ausdauer auch Muskulatur und Beweglichkeit trainiert werden sollten
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Von Michael Munkler
29.09.2019 | Stand: 16:32 Uhr

Sie sind zwischen 62 und 79 Jahre alt und haben ein gemeinsames Ziel: fit werden und möglichst lange gesund bleiben. Die sechs Teilnehmer des Projekts „Aktive Senioren“ sind „alle gut in die Gänge gekommen“. Das attestiert ihnen Diplom-Sportlehrer Markus Weber vom sportmedizinischen Diagnostikzentrum in Scheidegg (Kreis Lindau). Mit diesem Zentrum veranstaltet unsere Zeitung das Senioren-Projekt. Marlene Hanne (65) aus Obergünzburg hat ihr Hauptziel schon erreicht: Mit dem Fahrrad ist sie an die Nordsee geradelt und hat dort ihre Tochter besucht.

Jeder Projektteilnehmer hatte sich im Frühjahr ein ganz persönliches Ziel gesetzt. Eberhard Wolf (62) aus dem Oberallgäuer Burgberg beispielsweise will sein Lauftraining investieren. Der 70 Jahre alte Manfred Fetzer aus Sonthofen möchte wieder öfters auf Skier und aufs Fahrrad. Und der 70-jährige Pier Weidt (Hopfen am See bei Füssen) hat sich vorgenommen, auch mit 80 Jahren noch auf die Berge steigen zu können.

Drei Männer, drei Frauen, sechs Ziele: Im Spätherbst wird Chefcoach Markus Weber testen, inwieweit sich der Fitness-Zustand der Projektteilnehmer durch das regelmäßige Training und gemeinsame Aktivitäten verbessert hat. Weber ist optimistisch, dass bei allen Teilnehmern ein positives Fazit gezogen wird. Grob gesagt gliederte sich das Programm in drei Teile: So erhielt jeder Teilnehmer nach einer intensiven sportdiagnostischen Untersuchung einen persönlichen Trainingsplan. Ausdauer-Einheiten beim Laufen, Walken oder Fahrradfahren waren genauso dabei wie gemeinsame Aktivitäten: beispielsweise das Kennenlernen von Qi Gong, Tai Chi oder Shiatsu bei Helmut Bräuer in der Körperschule Allgäu in Kempten. Regelmäßig trainiert wurde außerdem im Fitnesspark von Fetzer und Pfund in Kempten.

Zum Interview treffen wir dort Robert Pfund, 60, Physiotherapeut. Gleich zu Beginn des Gesprächs formuliert er seine Grundüberzeugung: „Bewegung ist ein Medikament, das entsprechend dosiert sein muss.“ Kraft, Bewegung und Ausdauer müssten im Einklang trainiert werden. Genauso wichtig seien vor allem für Ältere Ruhetage zur Regeneration.

Diplom-Sportlehrer Markus Weber weiß aus Erfahrung: Manche – vor allem auch ältere Menschen – fangen irgendwann mit dem Radeln oder Laufen an, übertreiben es vielleicht. Sie trainierten dann häufig nur die Ausdauer. Die Kräftigung der Muskulatur – beispielsweise des Rückens – aber werde vernachlässigt. Eine der möglichen Folgen: Es kann zu Beschwerden kommen. „Sie können dann nicht mehr weitermachen und das ist doch schade“, sagt Weber.

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Physiotherapeut Pfund ist generell davon überzeugt, dass die Menschen in den Industrieländern – egal ob jung oder alt – sich zu wenig bewegen. In der Nachkriegszeit, zitiert er eine Untersuchung, seien die Menschen – statistisch gesehen – acht Kilometer am Tag gegangen. Und heute? Sind es gerade noch 800 Meter.

Bewegungsexperte Pfund erinnert aber ebenfalls daran, dass älter werdende Menschen den natürlichen Rückgang der Muskulatur ausgleichen müssten: etwa durch Krafttraining und Bewegung zum Muskelaufbau. Der Physiotherapeut ist überzeugt: „Aufgrund der körperlichen Inaktivität haben wir in Deutschland viele chronisch Kranke.“ Dabei reiche das weite Spektrum von Stoffwechselstörungen bis hin zu psychischen Erkrankungen. Pfund lässt im Gespräch den Begriff der „Todesspirale Inaktivität“ fallen. Die zielgerichtete Bewegung sei „Basis für jede Medikation nahezu aller Erkrankungen“. Auch gegen Depressionen sei Bewegung ein probates Mittel. Und garantiert ohne Nebenwirkungen. Im Gegenteil: „Körperliche Aktivität produziert chemische Stoffe, die bewirken, dass der Körper gesund wird.“