Wintersport

Zum Tod von Fis-Präsident Kasper: "Er war ein herausragender Stratege"

Gian Franco Kasper ist tot. Der langjährige Fis-Präsident (hier bei der Eröffnung der Nordischen Ski-WM 2019 in Seefeld) starb am Freitagabend im Alter von 77 Jahren.

Gian Franco Kasper ist tot. Der langjährige Fis-Präsident (hier bei der Eröffnung der Nordischen Ski-WM 2019 in Seefeld) starb am Freitagabend im Alter von 77 Jahren.

Bild: Ralf Lienert

Gian Franco Kasper ist tot. Der langjährige Fis-Präsident (hier bei der Eröffnung der Nordischen Ski-WM 2019 in Seefeld) starb am Freitagabend im Alter von 77 Jahren.

Bild: Ralf Lienert

Schweizer stand 23 Jahre lang an der Spitze des Internationalen Skiverbandes. Der passionierte Raucher starb im Alter von 77 Jahren. Auch im Allgäu ist die Anteilnahme groß.
11.07.2021 | Stand: 22:56 Uhr

Der langjährige Präsident des Internationalen Skiverbandes, Gian Franco Kasper, ist im Alter von 77 Jahren in der Schweiz gestorben. Kasper war von 1998 bis 2021 Präsident der Fis. Erst Anfang Juni diesen Jahres wurde Kasper in dieser Funktion von Johan Eliasch, einem britischen Geschäftsmann, abgelöst. Kasper hatte am virtuellen Fis-Kongress nicht mehr teilgenommen. Er hatte zu Beginn des Meetings eine Nachricht verlesen lassen, wonach er sich wegen Atemproblemen in ärztliche Behandlung begeben musste, anfangs auf der Intensiv-, später auf der Herzstation. Der passionierte Raucher erholte sich von dieser Krankheit nicht mehr und verstarb, wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, am Freitagabend im Alter von 77 Jahren.

Kasper, der in Sankt Moritz geboren wurde, war auch fast zwei Jahrzehnte lang Mitglied im Internationalen Olympischen Komitee und sorgte mit teilweise umstrittenen Interviews immer wieder für Aufsehen. So vertrat er beispielsweise in den letzten Jahren immer wieder die durchaus richtige These, die Organisation von Großereignissen sei für Sportverbände in Diktaturen halt einfacher. Für Irritationen sorgte Kasper auch, weil er die Meinung vertrat, für den "sogenannten Klimawandel" gebe es noch keine wirklichen Beweise. Wetter- und Klimaphänomene, so der Schweizer, habe er in den vergangenen Jahrhunderten immer wieder gegeben.

Gian Franco Kasper gestorben: Sein Ansehen in Oberstdorf ist groß

Auch im Allgäu ist die Anteilnahme über den Tod Kaspers groß, vor allem im WM-Ort Oberstdorf. Dort war er im Februar 2021 zur Nordischen Ski-WM gekommen. Seine geplante Eröffnungsrede allerdings musste er kurzfristig absagen. "Der Präsident fühlt sich nicht wohl", hieß es damals von Seiten der Fis. Council-Mitglied Alfons Hörmann sprang kurzfristig ein. Zwar war Kasper - den Aussagen der Fis-Pressestelle folgend - mehrere Tage im Fis-Hotel in Oberstdorf, öffentliche Auftritte mied er allerdings. Auch an den Wettkampfstätten am Schattenberg und im Ried wurde Kasper nicht gesehen. Sein Ansehen in Oberstdorf ist dennoch groß. Kasper war einer der wenigen, der nach mehreren Niederlagen bei der WM-Kandidatur die Vergabe-Methoden der Fis kritisierte. Das vor allem, nachdem 2014 beim Fis-Kongress vollkommen überraschend Seefeld den Zuschlag bekommen hatte und der Österreichische Skiverband im Hintergrund wohl auf dubiosen Stimmenfang gegangen war. Kasper, so wird heute noch erzählt, habe sich zwei Jahre danach beim Kongress in Cancun/Mexiko hinter verschlossenen Türen massiv für die Bewerbung Oberstdorfs eingesetzt. Der Zuschlag erfolgte dann für die Titelkämpfe 2021 auch mit großer Mehrheit. Unsere Redaktion sammelt derzeit Stimmen zum Tod Kaspers (siehe unten).

Eines seiner wenigen Irrtümer: Geräuchertes Fleisch hält länger

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Kein Blatt vor den Mund nehmen, das war auch die Devise Kaspers bei einem Interview, das Thomas Weiß, der Sportchef der Allgäuer Zeitung, vor der Nordischen Ski-WM in Seefeld am Hauptsitz des Internationalen Skiverbandes in Oberhofen am Thuner See führen durfte. "Alle Zeit der Welt", sagt Gian Franco Kasper mitten im Gespräch, nehme er sich für die Fragen. Am Ende wurden es gut zwei Stunden, in denen der 75-Jährige kein Blatt vor den Mund nahm, trotz seiner langen Amtszeit kein bisschen amtsmüde wirkte und offen über seine Ohnmacht gegen Doping, Korruption und den Gigantismus im Sport plauderte. Acht Zigaretten gönnte er sich während des Interviews, um hinterher zu sagen: "Fragen Sie mal einen Metzger. Der wird Ihnen bestätigen, dass geräuchertes Fleisch einfach länger hält." Eines der zugegeben wenigen Irrtümer des Gian Franco Kasper.

Reaktionen

Alfons Hörmann, DOSB-Präsident und Fis-Vorstands-Mitglied von 2010 bis 2021, aus Sulzberg/Oberallgäu: „Gian Franco Kasper war eine ganz besondere Persönlichkeit: um seine Art wirklich zu verstehen, musste man ihn gut kennen und intensiv studieren. Er wurde von vielen völlig zu Unrecht unterschätzt, weil er eher introvertiert und zurückhaltend agierte. Ich habe die zwei Jahrzehnte der engen Zusammenarbeit sehr geschätzt und als besonders wertvoll empfunden: sachorientiert, hochprofessionell, ehrlich und stets mit einer Prise Humor gewürzt. Er hat im Gegensatz zu manch anderen Sportfunktionären auf internationaler Ebene stets geradlinig und charaktervoll agiert und auch Gegenwind nicht gescheut. Personenkult war ihm deshalb fremd und solche Inszenierungen verfolgte er stets mit Abscheu. Die heute bestens aufgestellte Fis ist ganz wesentlich sein Lebenswerk.“

Oskar Fischer, langjähriger hochrangiger Fis-Funktionär, aus Oberstdorf: "Schon seit Mitte der Siebzigerjahre, als GFK (Anm. der Red.: in der Skifamilie gerne verwendete Abkürzung für Gian Franko Kasper) noch Fis-Generalsekretär war, bestand eine enge persönliche Verbindung. Neben vielen offiziellen Anlässen gab es hin und wieder auch persönliche Treffen. Dabei erinnere ich mich an seinen trockenen und geistreichen, zuweilen auch hintergründigen Humor, wobei Franco auch gerne über sich selbst lachen konnte.

Ich durfte GFK wiederholt als wertvollen Ratgeber gerade in sportorganisatorisch kritischen Situationen und als verlässlichen Partner kennenlernen. Maßgeblich verdanke ich ihm auch meine wiederholte Berufung in die IOC-Evaluierungskommission.

GFK war ja noch für wenige Tage Gast unserer kürzlichen Nordischen Ski-WM, die ich nur am Fernseher miterleben konnte. Am Tag seiner Abreise rief er mich überraschend an und meinte, er möchte Oberstdorf nicht verlassen, ohne mit mir noch ein paar Worte gewechselt zu haben – ein kurzes Telefongespräch, das ich jetzt erst recht in lieber Erinnerung behalten werden."

Stefan Huber, Eventdirektor bei der Fis von Juli 2018 bis Juni 2021, gebürtiger Oberstdorfer: "Ich bin dankbar, dass ich vor allem in den vergangenen drei Jahren im Rahmen meiner Tätigkeit bei der Fis intensiver mit Gian Franco Kasper zusammen arbeiten durfte. Erst diese Zeit hat mir im Detail gezeigt, welchen immensen Einfluss aber auch welche Herausforderungen er als Präsident zu meistern hatte und was für ein herausragender Stratege er war. Der Sport stand für ihn immer an erster Stelle, er hat für den Skisport gelebt und in der schnelllebigen Zeit für die wichtige Stabilität gesorgt. Unvergessen werden mir die gemeinsamen "Znüni" (Kaffeepausen) im Fis-Office bleiben, für die er sich mit allen Kollegen fast jeden Tag Zeit genommen und viele unterhaltsame Geschichten zum Besten gegeben hat. Wir werden ihn vermissen."