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Zwischen Allgäu und Harz: Wie ein Facebook-Beitrag unserer Redaktion unerwartet für Wirbel sorgte

Am 3. Januar verlinkten wir bei Facebook einen Artikel zum Ansturm auf deutsche Ausflugsziele. Dazu zeigten wir ein Foto aus dem Harz - mit ungeahnten Folgen: Bei Twitter (Bild) und anderen sozialen Netzwerken ging der Beitrag viral (Symbolbild).

Am 3. Januar verlinkten wir bei Facebook einen Artikel zum Ansturm auf deutsche Ausflugsziele. Dazu zeigten wir ein Foto aus dem Harz - mit ungeahnten Folgen: Bei Twitter (Bild) und anderen sozialen Netzwerken ging der Beitrag viral (Symbolbild).

Bild: Monika Skolimowska, dpa

Am 3. Januar verlinkten wir bei Facebook einen Artikel zum Ansturm auf deutsche Ausflugsziele. Dazu zeigten wir ein Foto aus dem Harz - mit ungeahnten Folgen: Bei Twitter (Bild) und anderen sozialen Netzwerken ging der Beitrag viral (Symbolbild).

Bild: Monika Skolimowska, dpa

Kürzlich verlinkten wir bei Facebook einen Artikel zum Ansturm auf deutsche Ausflugsziele. Dazu zeigten wir ein Foto aus dem Harz. Das hatte Folgen.

15.01.2021 | Stand: 19:46 Uhr

  • Die Allgäuer Zeitung veröffentlicht am 3. Januar einen Artikel über den Besucheransturm in Deutschlands Ausflugs-Hotspots, unter anderem im Harz und im Allgäu. Illustriert wird der Artikel mit einem Bild der Nachrichtenagentur dpa, welches einen Behelfs-Parkplatz im Harz zeigt.
  • Die Redaktion verlinkt diesen Artikel bei Facebook. Im Facebook-Teaser wird darauf verwiesen, dass es auch im Allgäu zu einem Besucheransturm kam.
  • Die Kombination aus Überschrift, Bild, und Verweis im Teaser auf das Allgäu (aber nicht auf den Harz) wird von einem Nutzer in einer Bildcollage aufgegriffen. Es folgt eine Social Media-Kampagne, in der der Redaktion "Foto-Klau" und Irreführung vorgeworfen wird.

Medienhäuser, die ein breites Publikum erreichen wollen, kommen an Facebook kaum vorbei. Die Redaktion recherchiert, schreibt, und veröffentlicht Artikel auf ihrer Nachrichtenseite im Internet. Diese Artikel verlinkt sie auf Facebook, versehen mit einem kurzen Teasertext. Wer sich für den angerissenen Inhalt interessiert, klickt darauf - und landet auf dem Artikel.

Problem eins dabei: Viele Nutzer von sozialen Netzwerken lesen nur die Überschrift der verlinkten Artikel. Das reicht ihnen bereits aus, um sich eine Meinung zu bilden. Bestenfalls entsteht so gefährliches Halbwissen, schlimmstenfalls ein völlig falsches Bild.

Problem zwei: In einigen wenigen Fällen werden Facebook-Beiträge aus dem Kontext gerissen, verkürzt dargestellt, und pointiert zum Mashup gemacht, um daraus eine bestimmte Aussage zu konstruieren.

Wenn beides zusammentrifft, wird es richtig schwierig.

Der Allgäuer Zeitung ist genau das jetzt passiert.

Am 3. Januar veröffentlichte unsere Redaktion auf allgäuer-zeitung.de einen Artikel über den Besucheransturm in mehreren deutschen Winter-Hotspots, unter anderem im Harz.

Bebildert hatten wir den Artikel mit einem Foto, das die Deutsche Presseagentur (dpa) aus dem Harz geliefert hatte. "Volle Parkplätze, Staus, Strafen - Ausflügler stürmen deutsche Bergregionen", lautete die Überschrift unseres Artikel. Und unsere Bildunterschrift: "Fahrzeuge stehen auf Behelfsparkplätzen an der Bundesstraße 242 zwischen Braunlage und Torfhaus im Harz. An Vernunft und Vorsicht zu appellieren, hat bei etlichen Menschen nichts genützt: Deutsche Bergregionen erlebten am Wochenende einen Ansturm von Ausflüglern."

So weit, so korrekt.

Diesen Artikel, der auch eine Bilderstrecke zum Besucheransturm im Allgäu enthielt, verlinkte die Redaktion auf der Facebook-Seite der Allgäuer Zeitung. Das Posting zeigte - wie der Facebook-Mechanismus nunmal funktioniert - die Überschrift des Artikels, das zugehörige Foto aus dem Harz, und den Teaser der Redaktion, der auf die ähnliche Situation gerade im Allgäu hinwies. "Auch im Allgäu waren tausende Menschen auf den Langlauf-Loipen und Rodelpisten unterwegs", lautete der Text, der mit zwei nach unten zeigenden Daumen versehen war. Der Hinweis auf die Situation im Allgäu sollte deutlich machen, dass wir als lokales Medienhaus natürlich nicht nur die überregionalen Geschehnisse im Blick haben, sondern vor allem die in der Region - und der Besucheransturm auf die Berge beschäftigt das Allgäu seit Wochen.

Dass das Bild den Harz zeigt, um den es im verlinkten Artikel unter anderem ging, stand im Facebook-Teaser selbst nicht explizit drin - schlecht für den flüchtigen Nutzer, der den Artikel selbst nicht liest.

Ein Unbekannter nutzte dies nun, um das Facebook-Posting der Allgäuer Zeitung und einen Artikel der Bild-Zeitung zum gleichen Thema, eben den Besucheransturm in Harz und Co., in einer Collage gegenüber zu stellen. Beide Artikel zeigten das gleiche Bild, nämlich das Auto-Foto aus dem Harz. Einziger Unterschied: In unserem Posting war noch der ergänzende Hinweis auf die Allgäuer Situation zu lesen. Ein nachdenklicher Smiley sollte den Tenor der Collage unterstreichen: Die Allgäuer Zeitung verwende hier - womöglich bewusst - ein "falsches" Bild für den Besucheransturm im Allgäu.

Die Bildcollage ging viral

Die Bildcollage ging wenig später viral, wurde also in sozialen Netzwerken wie Twitter, Facebook, Whatsapp und Telegram weiterverbreitet. Nur wenige Empfänger oder Weiterverbreiter dürften das Originalposting unserer Redaktion oder gar den zugehörigen Artikel gelesen haben. So bleibt ein falscher Eindruck hängen - genau so beabsichtigt vom Ersteller der Collage.

Uns in der Redaktion haben auf diesen Vorgang zwei unterschiedliche Arten von Reaktionen erreicht. Auf der einen Seite Beschimpfungen, was wir doch für schlechte Journalisten seien. Ein Dialog kam nur mit wenigen dieser Menschen zustande. Auf der anderen Seite erhielten wir aber auch Zuspruch von Lesern, die für die Erregungswelle in den sozialen Netzwerken nur wenig Verständnis hatten.

Wir in der Redaktion haben aus dem Vorfall zwei Konsequenzen gezogen: Wir wollen künftig noch genauer darauf achten, möglicherweise missverständliche Formulierungen oder Text-/Bild-Kombinationen in Social Media zu vermeiden. Und den Facebook-Beitrag vom 3. Januar haben wir ergänzt. Damit auch für flüchtige Leserinnen und Leser ganz sicher kein Missverständnis mehr möglich ist.