Allgäu

Zwischen Unsicherheit und klaren Ansagen

Seiltänzer, Strom, Hochspannungsmast, Elektro, Feature, Lebensgefahr.

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Bild: Benedikt Siegert

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Bild: Benedikt Siegert

Versorgung Wie Allgäuer Innungen, Strom-Unternehmen und Behörden auf den Katastrophenfall reagieren
16.03.2020 | Stand: 16:48 Uhr

Seit Ministerpräsident Markus Söder am Montagvormittag den Katastrophenfall ausgerufen hat, herrscht bei vielen Betrieben im Allgäu Unsicherheit. „Uns erreichen Anfragen aus allen Ecken“, sagt Gottfried Voigt, Geschäftsführer der Kreishandwerkerschaften Memmingen-Mindelheim und Kempten. Viele wollten unter anderem wissen, wie es jetzt mit ihren Betrieben weitergeht, was noch erlaubt ist und was nicht. In anderen Bereichen herrscht schon mehr Klarheit. Beispielsweise, was die Stromversorgung betrifft.

Muss ich bald meinen Laden zusperren? Und wie geht es mit meinen Mitarbeitern weiter? Fragen wie diese stellten sich am Montag viele Betriebe im Allgäu. Unter anderem bei den Friseuren, wo der Kundenkontakt eng ist und die Unternehmen meist klein sind, war die Unsicherheit groß, sagt Voigt. Alle Fragen zweifelsfrei zu beantworten, sei kaum möglich: „Die Dinge ändern sich quasi stündlich.“ Derzeit sei aber davon auszugehen, dass Friseure und andere Handwerksbetriebe offen bleiben können.

Für das Handwerk sei die Situation generell schwer zu überblicken und schon seit Tagen angespannt. Beispielsweise habe sich ein Malermeister gemeldet, dessen Kunden „reihenweise absagen“, weil sie zurzeit keine Handwerker im Haus haben wollen. Ein Elektrobetrieb habe über Stornierungen und Verschiebungen in Höhe von einer Viertelmillion berichtet. „Wir müssen sehen, wie es jetzt weitergeht“, sagt Voigt.

Die Grundversorgung der Bürger sei aber gewährleistet, unter anderem was Bäckereien angeht. Diese blieben weiterhin offen. Auch ihren Verpflichtungen wie der Belieferungen von Krankenhäusern könnten die Betriebe nachkommen. Schließungen gebe es möglicherweise in Einzelfällen, wenn beispielsweise Mitarbeiter erkranken sollten.

„Die Versorgungsketten funktionieren noch“, sagt auch Georg Greiff, Obermeister der Fleischer-Innung Allgäu. Derzeit beobachtet er eine sehr große Nachfrage nach haltbaren Produkten und Konserven. Er behält genau im Auge, wie sich die Lage weiter entwickelt und welche Entscheidungen von der Politik noch getroffen werden. Greiffs Sorge gilt dabei vor allem kleinen Betrieben. Söder sagte in seiner Ansprache dazu: „Wir lassen niemanden allein.“

Vieles ist geregelt

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Von der Ausrufung des Katastrophenfalls sind fast alle Bereiche des alltäglichen Lebens betroffen, doch vieles ist bereits geregelt: „Die Stromversorgung ist gesichert“, sagt Volker Wiegand, Geschäftsführer von Allgäu-Netz. Ein Notfallplan stelle sicher, dass es handlungsfähige Teams gibt, die zum Beispiel im Falle einer Netzstörung aktiv werden. Die Netzleitstelle, in der die Netze rund um die Uhr geführt und überwacht werden, sei separiert worden, auch dort sei der Betrieb sichergestellt. In anderen Bereichen werde weitestgehend digital gearbeitet, zum Beispiel bei Abrechnungen oder der Beziehung von Strom.

Zunächst keine Änderungen wird es auch bei der Müllabfuhr geben, sagt Thomas Brandl, Sprecher des Landkreises Ostallgäu. Auch im Gebiet des Zweckverbands für Abfallwirtschaft Kempten (ZAK) werden die Tonnen weiter geleert – solange es bei den Müllabfuhr-Firmen keine Corona-Fälle gibt, sagt Sprecher Thomas Settele. Bei den 39 Wertstoffhöfen werde derzeit überprüft, wie viele Mitarbeiter der Risikogruppe angehören. Es könne in Einzelfällen zu Einschränkungen oder Schließungen kommen.

Reduziert werden soll mancherorts der Kontakt zwischen Bürgern und Behörden. Beispielsweise die Gebäude des Landratsamts Lindau bleiben erst mal geschlossen. Die Menschen werden darum gebeten, ihre Belange möglichst telefonisch oder schriftlich zu klären. Auch die Stadt Memmingen schließt die Verwaltung für den Publikumsverkehr. Bei der Arbeitsagentur Kempten-Memmingen soll der Telefon- und Onlinezugang ausgebaut werden.