Waltenhofen

Auf dem Speiseplan stehen nur Heu und Gras

Volo Projekt: Heumilch Landwirt

Volo Projekt: Heumilch Landwirt

Bild: Christoph Kölle

Volo Projekt: Heumilch Landwirt

Bild: Christoph Kölle

Landwirtschaft Karl und David Fischer aus Waltenhofen füttern ihre Tiere so, wie es früher üblich war. Wieso sie sich für diese Wirtschaftsweise entschieden haben und wo die Schwierigkeiten liegen
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Von David Specht
16.01.2020 | Stand: 17:01 Uhr

Seit drei Generationen bewirtschaftet Familie Fischer den Bauernhof in der Oberallgäuer Gemeinde Waltenhofen. Gleich östlich der heutigen Bundesstraße 19 mähte Karl Fischers Großvater vor 100 Jahren das Gras auf den Wiesen mit einer Sense. Vor 50 Jahren tränkte der heutige Senior-Landwirt die kleinen Kälbchen mit einem Eimer Milch. Heute fährt sein Sohn David mit Traktor und neun Meter breitem Mähwerk über die Felder, die Kälbchen trinken aus einem fahrenden Roboter, der die Milch auf die gewünschte Temperatur erwärmt.

Doch David (30) und Karl Fischer (61) bewirtschaften ihren Bauernhof nicht nur mit großen Maschinen und allerlei Technik, sondern auch ursprünglich und traditionell. Vor etwa sechs Jahren haben die beiden beschlossen, ihre Kühe wieder so zu füttern, wie es früher gang und gäbe war – fast ausschließlich mit Heu und Gras. Wenn draußen kein Schnee liegt, grasen ihre Kühe auf den Wiesen. Im Sommer lassen die Landwirte das gemähte Gras im Sonnenschein trocknen und ernten so das Heu, mit dem sie ihre Tiere im Winter füttern.

Das sah nicht immer so aus: Früher fütterten Fischers ihre Kühe vor allem mit Silage, also vergorenem Gras. Die weißen Ballen und die mit dunkelgrüner Folie abgedeckten Fahrsilos sind im Allgäu ein bekanntes Bild. Für die Landwirte hat diese Fütterungsart Vorteile: Sie erhalten mehr Ertrag pro Fläche. Mit einem Ladewagen können sie das schwere Gras besser aufsammeln als das leichte Heu, wodurch weniger auf den Feldern liegen bleibt. Außerdem sind sie unabhängiger von der Witterung.

Die Entscheidung der Fischers, dennoch auf Heumilch umzustellen, war unter anderem der Größe des Betriebs geschuldet. Karl Fischer übernahm den Hof 1986 mit 49 Milchkühen. Er schloss sich mit einem anderen Landwirt zusammen und vergrößerte auf 115 Tiere. „Wir haben den Betrieb so groß gebaut, dass zwei Familien davon leben können“, erzählt er. 2016 löste sich die Betriebsgemeinschaft auf. Die Fischers standen vor einem Problem: Mit dieser Anzahl an Kühen konnten sie den Hof allein nicht wirtschaftlich weiterführen. „Also war der Gedanke: Wir müssen in die Nische gehen.“ Die Heumilch bot sich an. „Davon waren wir schon immer sehr überzeugt“, sagt David Fischer. Dürrfutter sei gesünder als Silage. Außerdem bleibe Tierkot und Müll, der auf den Feldern liegt, in der nassen Silage kleben. „Bei uns fällt das wieder raus“, sagt der Landwirt. Inzwischen stehen noch etwa 90 Kühe im Stall in Waltenhofen. Wenn sich Karl Fischer einmal zurückzieht und David den Hof weiterbewirtschaftet, sollen es noch weniger sein.

Allerdings fanden die beiden Männer zunächst keine Molkerei, die ihre Heumilch verarbeitete. Auf Bio wollten sie nicht umstellen. Bei Bio-Verbänden sei beispielsweise der Einsatz von einigen Medikamenten verboten, erklärt Karl Fischer. „Aber wenn mein Tier krank ist, muss ich doch das Maximale dafür tun, dass es gesund wird.“ Schließlich führten sie erste Gespräche mit der Allgäuer Hof-Milch, die damals kurz vor ihrer Gründung stand. Vater und Sohn waren von dem Konzept so überzeugt, dass sie dafür einiges riskierten. „Wir haben den Hof umgebaut, bevor es die Molkerei gab“, erzählt David Fischer.

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Fischers passten ihren Hof der neuen Futterweise an. In das nicht mehr benötigte Fahrsilo bauten sie einen „luxuriösen Kälberstall“, sagt Karl Fischer. Da das luftigere Heu mehr Platz braucht als die verfestigte Silage, errichteten sie eine Lagerhalle. Der große Holzbau misst 20 auf 50 Meter. Während das Futter darin sich kaum von dem vor 100 Jahren unterscheidet, ist die Herstellung nicht mehr vergleichbar. In der Maschinenhalle stehen zwei Heuwender, die ausgeklappt 13 und zehn Meter Arbeitsbreite haben. Dazu haben Fischers einen Großflächenschwader gekauft, mit dem sie das Heu auf den Wiesen in langen Reihen zusammenhäufen. „Bei unserer Größe brauchen wir Schlagkraft“, erklärt David Fischer.

Hobbys und Freizeit müssen während der Heuernte hinten anstehen. Für Baden, Lesen oder Gemeinderat bleibt schlicht keine Zeit. Sowohl Karl (CSU und Zweiter Bürgermeister) als auch David (Grüne) sitzen in dem Gremium in Waltenhofen. Beide werden bei der nächsten Wahl nicht mehr antreten – auch um mehr Zeit für den Hof zu haben.

Oftmals haben die Bauern nur zwei trockene Tage, bevor Regen die Heuernte ruinieren würde. Doch auch dabei können die Landwirte mit Technik nachhelfen: Mit körpergroßen Lüftern blasen sie Luft, die von einem Hackschnitzel-Brenner erwärmt wird, in die Heulagerhalle. Damit können sie das Heu teilweise noch in der Halle trocknen, wenn das Wetter nicht mitspielt. Der Weg zurück zur Tradition ist für die David und Karl Fischer mit viel Arbeit verbunden und war oftmals nur durch große Investitionen in neue Technik möglich.