Gutachterin prüft Verhalten

92-Jähriger über Tötung dementer Ehefrau: Wollte sie von Leid erlösen

Der 92-Jährige muss sich vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Er soll seine kranke Ehefrau aus Mitleid getötet haben. Der Mann hat seine Frau erstickt.

Der 92-Jährige muss sich vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Er soll seine kranke Ehefrau aus Mitleid getötet haben. Der Mann hat seine Frau erstickt.

Bild: Nicolas Armer, dpa

Der 92-Jährige muss sich vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Er soll seine kranke Ehefrau aus Mitleid getötet haben. Der Mann hat seine Frau erstickt.

Bild: Nicolas Armer, dpa

Ein Paar aus Unterfranken ist fast 70 Jahre verheiratet. Als die Frau schwer erkrankt, weiß sich der Mann irgendwann nicht mehr zu helfen und tötet sie.
Der 92-Jährige muss sich vor dem Landgericht Würzburg verantworten. Er soll seine kranke Ehefrau aus Mitleid getötet haben. Der Mann hat seine Frau erstickt.
dpa
12.11.2020 | Stand: 12:15 Uhr

Etwa ein Jahr nach der Tötung seiner schwer kranken Frau hat ein angeklagter 92-Jähriger vor dem Landgericht Würzburg über seine Beweggründe gesprochen. "Im Laufe dieser Pflegezeit konnte ich meine Frau nicht mehr leiden sehen und musste sie irgendwie befreien von der Demenz und von allen Schwierigkeiten", sagte er am Donnerstag. "Ich habe die Kontrolle wahrscheinlich verloren gehabt. Ich konnte nicht anders handeln."

Er habe seine Frau, die er jahrelange bis zur eigenen Erschöpfung alleine zu Hause pflegte, erlösen wollen und deshalb mit einer Hasenfelldecke erstickt. Das Paar aus Gemünden am Main (Landkreis Main-Spessart) war fast 70 Jahre verheiratet und hatte keine Kinder.

92-Jähriger tötet Frau - Gutachterin prüft Verhalten

Er bereue die Tötung der 91-Jährigen am 3. November 2019, sagte der Angeklagte. "Ich kann das jetzt nicht mehr nachvollziehen", es tue ihm leid. Er habe damals nicht gedacht, dass er sich damit strafbar mache. "Ich war da etwas unbedarft."

Die Staatsanwaltschaft wirft dem Mann Totschlag vor, "ohne ein Mörder zu sein". Nach der Tat versuchte der Rentner vergebens, sich selbst umzubringen.

Für den heutigen zweiten Prozesstag wird das psychiatrische Gutachten erwartet. Womöglich war der 92-Jährige an jenem Abend schwer depressiv verstimmt. Fraglich ist, ob der Mann bei der Tat vermindert schuldfähig war. Zudem könnten heute noch Plädoyers und Urteil folgen.